Albert T. Fischer - Die Seeweite

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Der Roman spielt im schweizerischen Mittelland, vorwiegend in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, leuchtet aber auch in seine leid- und gewaltvolle erste Hälfte. Er erzählt von den enormen Umbrüchen einer bisher scheinbar heilen Gesellschaft.
Geschildert werden die Familiengeschichten von 'Nachbarn' – in ihren Strukturen und ihrem beruflichen Wandel wird klar, wie die Neuerungen der Zeit ihren Weg bis in das letzte Dorf in die einzelnen Biografien der Menschen hinein finden.
Liebe und Leid, Eifersucht und Hoffnung; Aus diesem Garn sind viele der Fäden gesponnen, die Leo Buss bei einem Rehaaufenthalt in die Hand gedrückt werden mit dem Auftrag: 'Kümmere dich darum'. Geduldig fädelt Buss einen faden nach dem anderen auf, sortiert, legt, überblickt und staunt. Die gesamte Bandbreite menschlicher Existenz findet in den Einzelschicksalen ihren Niederschlag. Ein grosses Sittengemälde bis in unsere Tage.

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Die Ehe seiner Schwester habe in einer Tragödie geendet. Nach 20 gemeinsamen, aber kinderlosen Ehejahren habe sich der Mann seiner Schwester erschossen, weil sie von einem anderen Mann ein Kind erwartete.

Auf Umwegen zwar, und doch durch dieses Thema, kamen wir zur Rolle der Frau in unserer Zeit. Seit 10 Jahren streben die Frauen beinahe unorganisiert und führungslos, aber unermüdlich zur Macht. Keine Bewegung des Jahrhunderts war und ist in Wirklichkeit stärker und gleichzeitig gewaltloser als diese. Sie hat ihre Ziele längst nicht erreicht, das trifft auch zu. Wir streiften Pionierinnen wie Simone de Beauvoir oder Simone Weill, spöttelten über Alice Schwarzer und machten uns Gedanken zum Einfluss des die Frauen diskriminierenden, ja geradezu unterdrückenden Islam. Vielleicht war es nicht der Glaube, der das wollte, aber die faktische Wirklichkeit.

Und doch waren es nur wenige Jahrzehnte her, seit in unserer Welt die Väter ihre Töchter, die sich «auffällig» benahmen, züchtigten, sie so ihrer Würde beraubten, sie in Heime versenkten oder die gebrochenen in der eigenen Küche «versteckten». Bis vor kurzem noch hatten unsere Männer das Recht, ihren Frauen die Schlüsselgewalt zu entziehen, sie zur Arbeit zu schicken oder solche zu verbieten und konnten sie ungestraft verprügeln …

Der Machtzuwachs der Frauen in unseren Gesellschaften war Rolfs Ansicht nach die Ursache des labil gewordenen intimen Zusammenlebens zwischen dem in seinen alten Traditionen verharrenden Mann und der zu neuen Verhaltensweisen, aber mit den Auswirkungen noch wenig vertrauten Frau. Aus diesen völlig verunsicherten Beziehungen würde die grösste Umwälzung in unserer Welt erwachsen und ihre vermutlich tiefschürfenden Folgen seien, nicht zuletzt auf Grund der diesen Veränderungen wehrlos ausgesetzten Kinder, noch über viele Generationen hinweg nicht ausgestanden.

«Einerseits habe ich nie verstanden», erzählte Rolf, «warum ich mich erst nach dem Tod meines Vaters in eine Frau – in Erna – verlieben konnte, und ich habe sie, als es geschah, nicht nur begehrt, da war viel mehr, sie war damals für mich so wichtig wie Susanne heute. Ich denke, es war Liebe, mindestens kannte und kenne ich kein Gefühl, auf das dieses Wort besser passt und doch habe ich andererseits diese Beziehung durch meine eigene Unbeherrschtheit oder gar Dummheit zerstört. Das Phänomen hat mich durch Jahre beschäftigt. Interessant dabei ist: Ich kenne die Familien der beiden Frauen seit meiner Kindheit. Alle sind – wie meine Schwester – mit ihren Ehen gescheitert, da und dort – wie ich – auch in den offenen Beziehungen, und ich habe keine Ahnung, warum.»

Rolf schwieg für einen Moment, ehe er fortfuhr: «Daneben kenne ich doch Dutzende verheirateter Paare, die durch schwierige Jahre alle Klippen und Hürden überstanden haben, und es gibt diese wirklich oder scheinbar Erfolgreichen in allen Milieus.»

Mit solchen nicht immer tröstlichen Sätzen begegnete Rolf meiner Ratlosigkeit.

Bei aller Trauer um mein eigenes wirkliches oder vermeintliches Versagen waren mir tragische Entwicklungen erspart geblieben. Andere Menschen waren durch viel schwierigere Zeiten gegangen. Vielleicht konnte mir die Auseinandersetzung mit dem Scheitern jener Paare mehr Einsichten vermitteln als das Wühlen im eigenen kleinen Sumpf. Etwas überrascht war ich, dass Rolf darauf einging.

Er habe seinerseits versucht, durch Schreiben Klarheit zu gewinnen. Es sei ihm immer leicht gefallen, Ereignisse und Einsichten festzuhalten, zu jedweder Erinnerung einen Anfang zu finden und diesen aufzuschreiben. Nie aber seien daraus mehr als abgerissene Spindeln mit unbrauchbarem Garn entstanden. Er habe es nicht einmal geschafft, sie zu einem einigermassen sinnreichen Ganzen zu verknüpfen und meinte etwas resigniert: «Vielleicht würdest du es schaffen.»

Mehr und mehr wäre er zur Überzeugung gekommen, das Leben sei eben nie und für niemanden eine Geschichte, sondern ein grosser Spindelhaufen mit langfädigem Garn, und jede ordentliche oder aufgeräumt erscheinende, verständliche Geschichte sei nie auch nur annähernd die Wahrheit, sondern bloss eine Sicht, die oft das Wichtigste übersehe. Keine Biographie oder Autobiographie einer noch so bekannten Grösse sei ein echtes Abbild ihres Lebens, sondern bestenfalls eine mehr oder weniger glaubwürdige Annäherung an Sein und Wesen eines Menschen – und schlimmstenfalls der Versuch, alles Negative zu vertuschen. Dazwischen gäbe es jede Mischung, jede Spielart. Auch die Summe aller Geschichten gebe unmöglich das Leben wieder, diese blieben mehr oder weniger bemerkenswerte Fragmente der Vergangenheit, Splitter eben. Wer wisse schon etwas von den bösen Hirngespinsten berühmter Gutmenschen, aber offensichtlich kenne jeder deren rührselige Verlautbarungen.

Selbstverständlich verbrachten wir nicht die ganze Zeit mit den Geschichten, Verdiensten und Versäumnissen aus unserem Leben. Als in jenen Tagen in Istanbul die Bomben hochgingen, sprachen wir über Palästina und den Krieg im Irak, diese Katastrophe, die die Regierung unter dem sektiererisch frömmelnden Präsidenten Bush vom Zaun gerissen hatte und die uns zuhauf Stoff bot, über die Sorgen der Gegenwart zu reden, etwa über Gewalt im Alltag, nicht nur im weit entfernten Bagdad, sondern auch hier, in den Familien, unter den Halbwüchsigen, überall.

Wie sollen Menschen Krieg, wirklichen Krieg, ablehnen, wenn sie es gewohnt sind, bei Chips und Bier Gewalt in heroisch verbrämten Filmen als Unterhaltung zu konsumieren, wobei sich die kriegswütigen Szenen von den realen kaum unterscheiden lassen? Wir waren uns einig: Amerika hatte für einen grossen Teil der Menschheit die Hoffnung auf eine gerechtere und freiere Erde zerstört.

Wir orteten Mängel in unserem Land, meckerten mit unterschiedlichen Ansichten über die Politik und ihre Träger, sprachen über gelesene Bücher und gesehene Filme, lästerten über die Fernsehprogramme und was uns ganz allgemein im Klinikalltag begegnete. Mitunter versuchten wir auch in tiefere Schichten vorzustossen.

Rolf glaubte nicht mehr an Gott. Wie könne dieser in lauter Liebe unser Leben begleiten, wie wir jammervoll oder gar fordernd beteten, während er gleichzeitig Millionen unschuldiger Kinder an Hunger, Krankheit und Elend sterben lasse? Etwa, weil diese kleinen Seelen noch gar nicht beten konnten? Er verstehe, dass Menschen die fromme Mutter Teresa bewunderten und ihr ein Denkmal setzten. Er verstehe aber nicht, warum Menschen für Teresas arme Seele beten sollten. Gott könne doch Teresas gute Taten gar nicht übersehen haben. Warum beteten Menschen für einen verstorbenen Papst, wo er doch ohnehin Gottes Stellvertreter war, ihm also kein göttliches Unrecht geschehen konnte? Verstehen könne er allenfalls, sollte es dieses grässlich kleinkarierte Jüngste Gericht tatsächlich geben, dass Menschen für die armen, verirrten Seelen aus begründeter Angst vor einem Fehlurteil beten wollten. Aber die Frage müsse doch erlaubt sein: «Kann Gott ein Fehlurteil fällen, ein Blatt in einem umfangreichen Aktenbündel übersehen? Doch wohl kaum, doch nicht Gott!»

Er könne nicht glauben, was er nicht verstehe, und er habe keine Angst vor dem Tod, nur vor dem Sterben, vielleicht sei es schmerzhaft, zu erlöschen. Doch vor dem Nicht-mehr-Sein fürchte er sich nicht. Seele und ewiges Leben seien Illusionen und Erfindungen überheblicher Menschen, die nicht bereit seien, alles aufzugeben, loszulassen und in aller Bescheidenheit einfach zu gehen, auch durch die eigene Entscheidung, den eigenen Vollzug.

Alle müssten wir sterben. Sieben Milliarden Menschen lebten auf der Erde, diese sieben Milliarden w ürden sterben, alle kommenden Milliarden dazu – und ungezählte Milliarden seien schon gestorben. «Natürlich ist es für jeden von uns das Ende der Welt, aber eben einer kleinen Welt – und wofür diese Welten stehen? Keine Ahnung! Ich weiss auch nicht, warum tödliche Unfälle oder Verbrechen mehr Aufmerksamkeit gewinnen als der schleichende gemeine Tod Kranker oder still Eingeschlafener. Da sterben landauf und landab pro Tag zwei Leute im Auto und zweihundert im Bett, sozusagen ein tägliches Massensterben, doch niemand fordert für sie die Schlagzeile des Tages oder landesweite Trauer.»

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