Die Wanne war ein bronzenes Becken, halb in den Boden eingelassen und groß genug, dass sie beide Platz darin gefunden hätten, doch ihr Gastgeber ließ sich in einem knisternden Korbsessel nieder, der schräg gegenüber der Wanne stand. Sein Auge musterte sie erwartungsvoll.
Das Becken hatte die Form eines Schwanes, hinten zu einer Rückenlehne hochgezogen mit den angedeuteten Umrissen von Federn. Der Hals war ein Rohr, das zu einem Wasserspeicher führte, unter dem eine Gasflamme brannte.
Der Chauffeur war tatsächlich zugleich Butler. Er betätigte einen Schieber und dampfendes Wasser lief in die Wanne. Aus einer Karaffe fügte er ein hellblaues Öl hinzu, dessen blumiger Duft sich sofort im ganzen Raum verbreitete.
Eine wohlige Gänsehaut überlief Kara bei dem Gedanken, sich ganz in das warme Wasser zu schmiegen. Sie erinnerte sich nicht, wann ihr dieser Luxus das letzte Mal vergönnt gewesen war. Sie musste noch ein Kind gewesen sein.
Unsicher, ob sie trotz des Dieners schon beginnen sollte, setzte sie sich auf den Wannenrand und ließ ihre Fingerspitzen durch das warme Wasser gleiten. Niemand nahm daran Anstoß. Als die Wanne voll war, drehte der Diener das Wasser ab und verließ das Bad.
Unsicher zog Kara die Finger aus dem Wasser.
Vier Gaslampen erhellten den Raum und beleuchteten ihren Körper warm und vollständig. Er würde ihr zusehen, nicht nur, wie sie sich völlig entkleidete, sondern auch, wie sie sich säuberte: ihre Brüste, ihre Schenkel – und dazwischen. Kaum zu zählen, wie viele Regeln der Wahren Gläubigen sie hier auf einmal verletzten, doch er schien sich so gar keine Gedanken darüber zu machen. In seiner Haltung war nichts von Verlegenheit zu spüren – aber auch nichts von der schmutzigen Gier, die sie in den Augen der Männer so oft gesehen hatte. Neugier lag in seinem Gesicht, Spannung, vor allem aber Genuss. Mit einem Mal erfüllte sie trotzige Selbstachtung, die ihre Verlegenheit auflöste.
Er hatte sie bezahlt, und nichts von dem, was sie hier taten, ging die Wahren Gläubigen etwas an, oder sonst jemanden auf der Welt. Langsam strich sie mit den Fingern über ihren Oberkörper, spürte der wachsenden Erregung in ihren Brustspitzen nach und begann dann, Knopf für Knopf ihre Weste zu öffnen. Sie ließ das Kleidungsstück über die Arme zu Boden gleiten und kehrte mit den Fingern zu ihren Brüsten zurück. Langsam zog sie den Ausschnitt ihrer Bluse auf.
Ihr Gastgeber zeigte keinerlei Regung, nur das Glitzern seines Auges folgte unverwandt jeder ihrer Bewegungen.
Sie befreite die Bluse aus dem Rockbund, fasste den Blusensaum mit überkreuzten Armen und zog das Kleidungsstück über den Kopf. Damit enthüllte sie das Mieder, das bei der Festigkeit ihrer Brüste eigentlich nicht nötig gewesen wäre, aber der Schicklichkeit geschuldet war. Sie ließ die Bluse zu Boden gleiten und erhob sich.
Der Rock war an der Seite verschlossen. Sie öffnete die Häkchen und raschelnd glitt das Kleidungsstück über den Unterrock zu Boden. Ihre Finger kehrten zur Hüfte zurück, fanden die Schnüre, lösten sie und dann enthüllte der Unterrock langsam die rüschenbesetzten Hosenbeine, die nackten Knie, die schwarzen Strümpfe. Sie stieg aus dem Reif aus Stoff und bückte sich, um die geschnürten Schuhe auszuziehen. Dabei gewährte sie ihm einen tiefen Einblick in ihren Ausschnitt. Sein Blick glitt über ihr Dekolleté und hinterließ eine Gänsehaut.
Kara setzte einen Fuß auf den Wannenrand, rollte aufreizend langsam den Strumpf ab. Den nackten Fuß setzte sie auf die kalten Kacheln zurück. Als sie das andere Bein hob, wurde sein Blick von dem Spalt in ihrer Hose angezogen, doch er blieb dort nicht. Vielmehr kehrte er zurück zu ihren Händen, die Stück für Stück mehr nackte Haut entblößten.
Als sie die Strümpfe weggelegt hatte, zögerte sie und schaute unsicher zu ihm hinüber. Er rührte sich nicht, saß abwartend da, die Hände entspannt auf den Armlehnen ruhend. Nur sein wacher Blick und die Wölbung seiner Hose verrieten seine innere Beteiligung.
Bisher hatte sie sich noch keinem Freier völlig nackt präsentiert. Die meisten waren auf eine schnelle Befriedigung aus, und jede Perversität erhöhte den Preis.
Als würde ihr Zögern ihn belustigen, sah sie so etwas wie Spott über sein Gesicht blitzen. Scham? Bei einer Hure? Sie reckte die Schultern.
Auch das Mieder war durch Häkchen auf dem Bauch verschlossen und sie löste sie, Öse für Öse, bis sie das sperrige Kleidungsstück aufklappen konnte. Sie drückte den Rücken durch, um ihm ihre Brüste auf beste Weise zu präsentieren, und wurde mit einem anerkennenden Heben seiner Braue belohnt.
Dieser Blick erfüllte sie mit absurdem Stolz. Er lobte sie für das, was sie war, was sie tat. Es störte ihn nicht im Geringsten, dass es sittenlos und unanständig war. Im Gegenteil, er erfreute sich daran und schien zu wollen, dass auch sie es genoss.
Erstaunlicherweise tat sie das. Diese Zurschaustellung ihrer Nacktheit vor einem völlig bekleideten Mann erregte sie. Das verwunderte sie, denn nach den Erfahrungen der letzten Jahre hatte sie nicht erwartet, dieses Gefühl jemals bei einem wildfremden Mann zu empfinden.
Welche geheimnisvolle Macht besaß er über sie?
Ihm zugewandt hob sie die Arme und zog die Haarnadeln eine nach der anderen aus der Frisur, bis ihre roten Locken sich üppig auf ihre Schultern legten. Zum ersten Mal seit Jahren wurde ihr wieder bewusst, wie weich und seidig sich das anfühlte. Es war, als würde allein sein Blick sie daran erinnern, wie wunderbar die Vereinigung zweier Körper sein konnte.
Ihre Finger glitten zum Bund ihrer Unterhose. Sie löste die Verschnürung und schob den Stoff über Hüfte und Knie zu Boden.
Als sie sich aufrichtete, hatte sich eine senkrechte Falte auf seiner Stirn gebildet. Er sah auf die blaugrünen Verfärbungen, die von Vince’s Schlägen herrührten, dann wanderte sein Blick zu ihrem Gesicht hinauf. Eine Frage lag in seinem Auge, doch er sagte nichts und sie schwieg ebenfalls.
Sie stieg in die Wanne und glitt in das warme Wasser hinein, das ihren Körper sofort umfing und eine wohlige Wärme tief in sie hinein schickte. Für einen Moment schloss sie genießend die Augen und seufzte leise.
Doch dann wurde ihr bewusst, dass sie nicht zu ihrem eigenen Vergnügen hier war. Sie schaute zu ihrem Wohltäter hinüber. Der fing ihren Blick auf und nickte zu einer Schale an der Seite hin, in der ein Seifenstück lag.
Natürlich. Sie nahm das nach Rosen duftende Stück und begann sich einzuseifen. Es tat ihr unendlich wohl, und es war, als ob sie nicht nur den Schmutz abwusch, sondern auch die Erinnerung an Vince, an die schmutzige Straßenecke am Trevelyan Square, an Lilly. Sie reckte nacheinander ihre schlanken Beine aus dem Wasser, um sie ebenfalls einzuseifen, reinigte Gesicht, Brüste, Bauch und Schritt und vergaß auch die Haare nicht. Schließlich tauchte sie ganz unter, um den Schaum abzuwaschen. Mit einem zufriedenen Seufzen lehnte sie sich zurück, die Arme links und rechts auf das Metall der Wanne gelegt, und schaute ihn an.
Er machte keine Anstalten, ihr weitere Anweisungen zu geben, begnügte sich damit, sie zufrieden zu betrachten, wie ein Sammler ein neues Stück betrachten würde, das er sich geleistet hatte. Doch wenn sie ihn richtig einschätzte, würde es dabei nicht bleiben.
Schon längst hatte sie begonnen, dieses Spiel von schauen und zeigen zu genießen. Sie wusste nicht, wie bald nach dem Bad er ihre Dienste beanspruchen würde, darum war es sicher nicht falsch, sich für ihn bereit zu machen.
Sie begann die Fahrt ihrer Finger am Halsansatz, ließ sie zwischen ihren Brüsten hindurch gleiten und zielstrebig weiter nach unten. Während sie sich selbst berührte, wölbte sie ihren Oberkörper auf, so dass ihre Brüste sich aus dem warmen Wasser erhoben. In der Kühle der Luft verhärteten sich die Knospen sofort und standen wie lockende Beeren auf ihrer weißen Haut. Einen Moment lang hoffte sie, dass er kommen und sie berühren würde, doch er blieb sitzen, die Hände locker auf den Armlehnen, reglos beobachtend. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und ließ mit ihrer Linken warmes Wasser über ihre Haut träufeln, berührte selbst die erregten Höfe während ihre Rechte das Wasser weiter unten in sanfter Bewegung hielt.
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