Jens Jäger - Das vernetzte Kaiserreich

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1871 betrat der deutsche Nationalstaat die politische Bühne Europas, also vergleichsweise spät. Somit hatte das junge Kaiserreich einiges aufzuholen: Die einzelnen Regionen des Reichs mussten zusammenwachsen und eine gemeinsame Identität entwickeln. Auch unter den europäischen Großmächten wollte sich Deutschland behaupten – nicht zuletzt, indem es sich Kolonien in Afrika und Asien verschaffte.
Das deutsche Kaiserreich war jedoch moderner, als wir denken: ein Nationalstaat, der mit an der Spitze des technischen Fortschritts stand und aktiv an der um 1880 beginnenden Globalisierung teilnahm. Schnelle Eisenbahn- und Schiffsverbindungen entstanden, die Kommunikationsnetze wurden ausgebaut – im Zentrum Europas wuchsen die einstigen Kleinstaaten rasch zu einer Nation mit gemeinsamem Selbstverständnis zusammen. Auch nach außen vernetzte sich das Kaiserreich, und zwar nicht nur im Hinblick auf seine Handelsbeziehungen – am Imperialismus der europäischen Großmächte beteiligte man sich ebenfalls. In der Zeit zwischen 1871 und 1914 bildeten sich gesellschaftliche Strukturen heraus, die für die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert entscheidend sein sollten.

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Diese Wirkung blieb nicht nur auf Expertengruppen beschränkt, sondern griff auch stark in den Alltag aller Menschen ein. Zwischen 1871 und 1875 musste sich die Bevölkerung des Kaiserreichs auf Mark und Pfennig als alleinige Geldeinheiten umstellen. Vertrauten Maßangaben wie Pfund (500 Gramm), Scheffel (50 Liter), Kanne (1 Liter), Schoppen (0,5 Liter) oder Zentner (50 Kilogramm) wurden metrische Definitionen ›untergeschoben‹, so dass der Sprachgebrauch zwar unverändert bleiben konnte, die Angabe aber eine überall gleiche Größe bezeichnete. 1893 schließlich mussten auch die Uhren umgestellt werden.

Diese Veränderungen erfolgten oft recht reibungsarm und hatten den Vorteil, dass sich das Kilo Kartoffeln nun überall gleich bemaß, zwei Meter Stoff überall die gleiche Länge hatten, der Preis sich in leicht vergleichbaren Mark und Pfennig ausdrückte und es 12 Uhr Mittag eben in Aachen und Memel zur gleichen Zeit schlug. All diese Vereinheitlichungen ließen den Nationalstaat enger zusammenwachsen, banden ihn aber auch in eine transnationale Ordnung ein.

Gleichzeitig nahm die Verfügbarkeit von Medien nicht nur zu, sondern diese umfassten bald auch weit mehr als nur gedruckte Schriften. In den 1910er Jahren hatte die Bevölkerung Zugang zu allen möglichen Bildformen, Tonaufzeichnungen und Filmen. Die Medien übermittelten ein unübersehbares Angebot an Information und Unterhaltung; oder anders ausgedrückt: Von kostbaren lateinischen Bibeldrucken bis hin zu pornographischen Postkarten gab es nun alles. Ob Politik, Vereine, Lobbyorganisationen oder Unternehmen – sie erreichten mittels Medien ihre »Zielgruppen«, wie man es heute ausdrücken würde. Nur so konnten sich Menschen effektiv, dauerhaft und auch über große Entfernungen hinweg organisieren.

In den folgenden Kapiteln möchte ich zunächst die räumlichen Grundlagen darstellen, da das Kaiserreich als zentraler mitteleuropäischer Staat über sehr viele Nachbarstaaten verfügte. Das bedeutete auch, dass es breite »Kontaktzonen« mit den Nachbarn gab. Die vergleichsweise sehr offenen Grenzen erlaubten einen intensiven Austausch. Daraufhin befasse ich mich mit dem Ausbau der Infrastruktur, dem Verkehrs- und Kommunikationswesen, sowohl im Hinblick auf transnationale Verbindungen als auch auf die nationale Verdichtung. Den Medien, die eine so wichtige Rolle in allen Vernetzungsprozessen spielen, gehört das anschließende Kapitel. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf den technisch basierten Massenmedien, vom Buchdruck bis hin zu Tonaufzeichnung und Film.

Der politische Wille war für die Grenzziehung des Kaiserreichs verantwortlich gewesen, aber damit gab es noch lange kein Bewusstsein für dieses neue Deutschland, welches ja letztlich ohne historisches Beispiel war. Gleichzeitig mit der Integration im Inneren erfolgte aber auch eine Internationalisierung, die zunächst langsam in Gang kam, dann aber nach 1880 zunehmend dynamisch wurde. Die Nationalbewegung in Deutschland, die 1871 bereits mehrere Generationen alt war, musste und wollte sich der politischen Realität anpassen. Was aber geschah mit den alten regionalen Identitäten? Überhaupt stellte sich die Frage, wo der Einzelne im großen Gefüge stand. Daher werde ich neben der Nationalbewegung die gleichzeitig florierende Heimatbewegung betrachten. Beide kamen – kaum überraschend – ohne moderne Medien nicht aus, um sich zu organisieren und ihre Ideenwelt zu verbreiten. Das fünfte Kapitel betrifft den Kolonialismus und die imperialen Ansprüche des Kaiserreichs, die beide zwar dazu dienen sollten, die nationale Souveränität auf überseeische Territorien auszudehnen, damit aber keinen erweiterten Nationalstaat schufen. Vielmehr wurden auf allzu oft gewalttätige Weise Gebiete in das europäisch dominierte System von Handel und Politik gezwungen, die sich ihm wohl kaum freiwillig und zu diesen Bedingungen und diesem Zeitpunkt angeschlossen hätten.

Anschließend möchte ich anhand zweier Beispiele die Vernetzung von politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie deren Effekte aufzeigen. Die zunehmend vernetzt agierende Polizei und die Frauenbewegung werde ich ausführlicher beschreiben; eine zugegeben etwas willkürliche Auswahl. Ich will aber damit veranschaulichen, dass ein staatlicher Apparat, der wie kaum ein anderer (mit Ausnahme des Militärs) als allein innenpolitisch bestimmt erscheint, ebenso nach »außen« vernetzt war wie eine soziale und politische Emanzipationsbewegung, die ohnehin sehr starke Impulse durch ihre grundsätzlich internationale Ausrichtung erhielt.

Wenngleich die Tatsache massiv zunehmender Vernetzung (und Verdichtung) sich sowohl innerhalb der Grenzen des Staates zeigte, ja, ihn als Nationalstaat erst »erlebbar« machte, als auch transnational bis global niederschlug, dürfen wir das Phänomen nicht einseitig betrachten. Vernetzung erfolgte keineswegs immer allgemein und transnational mit Tendenz zur Globalisierung; sie konnte auch dazu dienen, dass man sich explizit von einem wie auch immer definierten »Außen« abschloss. Gleichermaßen konnte sie den Bürgern Sorgen machen, indem sie den Einzelnen noch unscheinbarer und unsouveräner erscheinen ließ, als er oder sie sich gegenüber dem letztlich anonymen Staat ohnehin fühlte.

Das Fremde rückte durch die Vernetzung dichter heran, ohne dass das übermittelte Wissen seine Fremdheit abzumildern vermochte oder automatisch mehr Toleranz nahelegte. Das Gegenteil konnte die Folge sein – das ließ sich auch im Kaiserreich beobachten. Radikaler Nationalismus sowie Rassismus grassierten gerade ab den 1890er Jahren, und das lag wohl auch und gerade an der gewachsenen Verflechtung des Kaiserreichs mit der Welt. Hinzu kam die Vorstellung, dass sich Nationen und Völker in einer scharfen und tendenziell gewaltsamen Konkurrenz miteinander befänden. Angesichts dessen hatten es Vorstellungen eines friedlichen Wettbewerbs, dessen Ergebnisse letztlich allen zugutekämen, wesentlich schwerer. Dementsprechend blieb auch die Friedensbewegung, die an sich immer international gewesen war, eine Minderheitenangelegenheit im Kaiserreich und anderswo.

1 Wer und was gehörte zum Kaiserreich?

Ein Blick auf die Landkarte

Geschichte findet immer in geographischen Räumen statt, sie sind ein wichtiger Faktor für das Ausmaß und die Verdichtung von Netzwerken sowohl physischer als auch virtueller Art. Die räumliche Ordnung gibt Hinweise auf Möglichkeiten ökonomischer Verflechtungen, bildet aber auch den Rahmen für die Bewegung der Bevölkerung. Diese einfachen Tatsachen dürfen nicht übersehen werden. Das 1871 gegründete Kaiserreich umfasste etwa 540 000 Quadratkilometer. Es reichte vom nördlichen Rheinufer bei Basel im Südwesten bis zur Königsau (heute: Kongeå) in Jütland. Im Westen berührte es den 6. Grad östlicher Länge (bei Aachen, Malmedy und westlich von Thionville in Lothringen), und im Nordosten reichte es bis Eydtkuhnen (heute: Tschernyschewskoje) in Ostpreußen, ein gutes Stück jenseits des 22. Grades östlicher Länge.

Grundsätzlich war und ist die geographische Lage des Kaiserreichs und seine Grenzziehung aufgrund der komplexen Form schwer in Worten zu beschreiben. Erst Landkarten erzeugen eine bildliche Vorstellung von einem Staat. Kein allgemeines Lexikon kommt ohne Landkarten aus, so auch die im Kaiserreich verbreitetsten Enzyklopädien von Brockhaus8 und Meyer9. Beide entstanden vor Gründung des Kaiserreichs 1871 und erlebten zahlreiche überarbeitete Neuauflagen. Der Brockhaus kam zwischen 1875 und 1879 in der 12. Auflage heraus; dies ist also die erste, die vollständig im Kaiserreich konzipiert und gedruckt worden war. Beim Meyer war dies die 3. Auflage von 1873–78. Naturgemäß enthielten beide Lexika umfangreiche Artikel über Deutschland sowie für einen Überblick zur geographischen Lage auch Landkarten. Letztere können für die Zeit hohe Autorität beanspruchen und spiegeln das aktuelle gesicherte Wissen jener Zeit wider. Die »Physikalische Karte von Deutschland« der 14. Auflage des Brockhaus (1893–1897) – die also etwa in der Mitte des Zeitraums von 1871 bis 1914 entstand – soll die nun folgenden Überlegungen leiten.

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