Bettina Ehrsam - Rosa-weiße Marshmallows

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Rosa-weiße Marshmallows: краткое содержание, описание и аннотация

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Nach einem traumatischen Erlebnis hofft Lisa, auf einer Farm in Wisconsin wieder auf die Beine zu kommen. Ihre Heilung beginnt am Lagerfeuer mit dem Schamanen BigWam. Eines Tages ist sie verschwunden. Ist sie tot oder lebt sie noch? Wird ihre Schwester Caroline sie finden und das Rätsel lösen?

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„Warte!“, rief sie, bevor er ganz aus dem Stall verschwunden war. Tom stellte die Schubkarre ab und drehte sich zu ihr. Im Gegenlicht konnte sie nur seinen Umriss sehen. Sie netzte die Lippen.

„Das mit dem Lagerfeuer ...“

Obwohl sie sein Gesicht nicht sehen konnte, fühlte sie seinen stechenden Blick. Er leerte ihr Gehirn. Sie schabte wie eben mit ihrem Fuß auf dem feuchten Boden herum. O Gott, das ist Kuhscheiße! Sie zog die Zehen ein und schaute auf den Boden. Ihr gegenüber begann Tom, leise zu lachen. Sie fühlte, wie ihr die Röte ins Gesicht kroch, und wusste nicht, warum dieser Kerl sie so aus der Ruhe bringen konnte. Sie wollte ihm schon sagen, dass er sich hinter dem Hut gut verstecken konnte, als er ihn auch schon aus der Stirn schob und auf sie zukam.

„Ich glaube, ich habe ihn gesehen“, sagte Lisa und räusperte sich. In diesem gottverdammten Stall wurde die Luft auf einmal knapp. „Ist das der Mann mit dem langen Haar?“

Etwas in Toms Augen veränderte sich. Er senkte den Blick und starrte auf ihren Busen. Meinte er, sie würde es nicht bemerken? Da gab es nichts zu sehen. Sie verschränkte die Arme vor ihren Brüsten. Sie konnte ihn schlecht zurechtweisen. Nicht nach ihrem Brief. Sie presste die Arme gegen ihren Oberkörper und drehte den Kopf weg. Wie viele Rinder hatten da eigentlich Platz?

„Was willst du mir sagen?“, fragte Tom.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass WigWam sich über meine Gesellschaft freuen wird“, sagte sie und war froh, dass sie den Faden nicht verloren hatte.

„Big. Big Wam“, sagte Tom und grinste schief.

Warum muss er immer grinsen und alles kaputt machen, ärgerte sie sich.

„Was soll ich ihm sagen? ‚Darf ich mal mit dir am Feuer sitzen‘?“ Sie hob beim Sprechen die Augenbrauen. Auch sie konnte Leute von oben herab behandeln.

„Du solltest dich sehen.“

„Was?“ Sie hob ihr Kinn, die Lippen fest zusammengepresst. Eine Strähne löste sich und kitzelte sie.

Tom antwortete nicht, hob wie sie die Augenbrauen und grinste wieder schief.

„Warum bist du so gemein?“, fragte sie und wischte sich mit einer zornigen Bewegung das Haar aus dem Gesicht.

„Ich bin doch nicht gemein“, sage er. „Du hast mir ein Angebot gemacht, und ich habe daran drei einfache Bedingungen geknüpft, die du bis heute nicht ...“

„Willst du es nicht verstehen, oder kannst du nicht anders, als einfach nur ein Idiot zu sein?“, unterbrach sie ihn. Ihr wurde schwindelig bei so wenig Sauerstoff.

Er packte sie am Arm und schüttelte sie. „Was soll ich nicht verstehen? Ich verstehe viel mehr, als du denkst. In Wirklichkeit willst du das alles gar nicht.“ Seine Augen waren schwarz wie ein tiefer See bei Nacht.

Tränen stiegen ihr in die Augen. Nicht weil er sie unsanft geschüttelt hatte, sondern weil er dachte, er wüsste besser als sie, was sie brauchte.

Er ließ ihren Arm los und verharrte mit seiner Hand nah an ihrer Wange, als wollte er ihr die Strähne, die sich wieder gelöst hatte, hinters Ohr streichen.

Ihr Atem stockte. Sie konnte beinahe fühlen, wie seine Finger zart über ihr Gesicht fuhren.

„Du kennst mich nicht. Woher willst du das wissen?“, flüsterte sie.

Tom berührte kurz ihr Haar. „Es passt einfach nicht zu dir. So wenig, wie deine Schuhe in den Stall“, sagte er mit weicher Stimme.

„Hör auf, so mit mir zu sprechen!“ Sie ließ Tom stehen und flüchtete aus dem Stall. Was seine Stimme in ihrem Innern anzurichten vermochte, war in ihrem Plan nicht vorgesehen. Sich auf die Liebe einzulassen, kam nicht infrage. Die Liebe war letztlich verantwortlich für ihr Desaster.

Sie ging mit schnellen Schritten über den Hof Richtung Haus. Als sie die rasselnde Kette hinter sich hörte, begleitet von Gebell, rannte sie zurück zum Stall.

„Rufus!“, dröhnte eine Männerstimme hinter ihr.

Das Gebell verstummte. Auch die Kette schleifte nicht mehr über den Boden.

„Warum fürchtest du dich vor ihm? Bleib stehen.“

Lisa verharrte auf der Stelle.

„Ja, du. Du bist doch Lisa?“

Das muss BigWam sein. Was will er von mir? Das Herz pochte ihr bis in den Hals. Warum weiß er, wer ich bin? Und überhaupt, Maude hatte nie von einem BigWam erzählt.

„Komm her. Rufus tut dir nichts.“

Langsam drehte sie sich um. Ihr Atem ging immer noch zu schnell. „Siehst du nicht, dass der mich nicht leiden kann?“, japste sie. „Er ...“, sie schluckte und zeigte mit dem Kinn auf den Hund neben ihm. „Er ist zuerst auf mich zugerannt, bevor ich wegrannte. Frag du ihn lieber, warum er mich nicht mag.“ Lisa musterte den Mann. Seine Erscheinung nahm sie in Bann. Sein weißes T-Shirt flatterte im Wind. Sie kniff kurz die Augen zusammen, als die Sonne hinter einer Wolke hervorkam und das Weiß sie blendete. Das dunkle Haar glänzte blau und reichte ihm bis zur Taille. Die Nase war groß, und seine Augen leuchteten tiefschwarz. Einzig der Federschmuck und das Pferd fehlten, um das Bild eines stolzen Indianers abzurunden. Rufus lag brav wie ein Lamm zu seinen Füßen und blickte sie hämisch an.

„Der Hund ist angekettet. Komm her.“ BigWams Hand, groß wie eine Bratpfanne, winkte sie heran.

„Bist du blind? Schau mal in seine Augen. Dieser Hund will mich fressen, und wenn du jetzt von mir verlangst, dass ich herkomme und ihn anfasse – das kannst du glatt vergessen!“ Ihr Tonfall ließ Rufus aufhorchen.

„Rufus!“, sagte BigWam, und seine Stimme war nicht einmal besonders laut. Der Hund ließ augenblicklich den Kopf auf seine Pfoten sinken und tat keinen Mucks mehr. Dann winkte BigWam Lisa wieder zu sich.

Sie schüttelte energisch den Kopf und hoffte, er würde sie nicht mit derselben Stimme dazu zwingen, mit der er Rufus dazu gebracht hatte, sich hinzulegen. „Auch wenn er angekettet ist – ich bleibe, wo ich bin.“ Sie blickte zum Hund. Die Kette war zu kurz. Er würde nicht bis zu ihr herankommen.

BigWam kam auf sie zu. Rufus ließ seinen Kopf auf den Pfoten ruhen. Nur die Augenbrauen zog er hoch, damit er ihm nachblicken konnte. Lisa verschränkte ihre Arme vor der Brust und versuchte, das leise Beben zu unterdrücken.

„Ich tu’ dir nichts.“ Um das Gesagte zu unterstreichen, blieb er mit ihr zugewandten Handflächen stehen.

„Ich wollte dich etwas fragen“, begann Lisa. Sein Gesicht, so ebenmäßig, als wäre es aus Stein gemeißelt, zeigte keine Regung. Nur als sie ihm in die Augen sah, loderte in diesen ein Feuer, das sie gefangen nahm. Warum hatte Maude nie von diesem Mann gesprochen?

„Wolltest du mich nicht etwas fragen?“

„Ja, genau“, sie lachte kurz. „Hast du was dagegen, wenn ich mich mal zu dir ans Feuer setze?“

Es knackte. Flammen tanzten. Ein brennender Ast brach in der Mitte entzwei; Glut schoss hoch. Lisa wich zurück. BigWam schnitzte konzentriert einen Stecken und prüfte mit seinem Zeigefinger dessen Spitze.

„Als ich sagte, bring etwas zu essen mit, dachte ich an Steaks“, sagte er.

„Das hättest du mir sagen müssen. Das kann ich doch nicht wissen.“

„Ja, das hätte ich wohl.“ BigWam nahm einen großen Schluck von seinem Bier und stellte die Dose wieder hin. Er nahm die Tüte, die Lisa mitgebracht hatte, und klemmte sie zwischen seine Beine. Flink spießte er drei Marshmallows auf und hielt sie in die Flammen, bis sie karamellisierten. „Die sind für dich“, sagte er.

Lisa hob die Hände. „Ich bin wohl der einzige Mensch, der keine Marshmallows mag.“

„Warum bringst du dann welche mit?“

„Die mag doch sonst jeder.“ Sie dachte an ihre Schwester, die nie genug von diesen süßen Dingern bekam.

„Ich mag sie auch nicht“, sagte er und schob sich alle auf einmal in den Mund. Er kaute ein einziges Mal, und ohne dass er erkennbar schluckte, war alles weg. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Sie zog das Shirt über ihre von der Hitze feuerroten Knie.

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