Auf dem Weg zu einer reifen Entscheidung begegnen wir möglicherweise unserer Angst, einen Fehler zu machen und später als Paar zu scheitern. Wir lernen dann vielleicht, Angst loszulassen und unser Grundvertrauen bei Gott zu stärken. Wir müssen uns auf eine Option unter vielen endgültig festlegen und entwickeln dabei den Mut, eine Entscheidung mit lebenslangen Konsequenzen zu treffen. Wir müssen alle Hintertürchen schließen; wer einen Bund schließt, bindet sich. Dabei wächst unsere Gesinnung auf dem Gebiet der Eindeutigkeit und Klarheit. Wir ahnen in diesem Entscheidungsprozess instinktiv, dass mit der Eheschließung Erfüllung und Lust, aber auch Verzicht und Leiden verbunden sind. Ich wähle also die Freude an einer verbindlichen Lebens- und Liebesbeziehung und den Schmerz, der ebenso damit verbunden ist. Diese Erkenntnis blitzt beim jungen Paar – wenn überhaupt – nur für einige Augenblicke auf. Meist erkennen wir die Trageweite unserer Entscheidungen erst viel später.
Entscheiden – eine Grundfertigkeit im Wahrnehmen der Führungsverantwortung
Entschiedenheit, die wir im Vorfeld einer Eheschließung gewinnen, wo wir prüfen, abwägen und endgültig beschließen, ist bedeutsam auch im Hinblick auf die Übernahme von Führungsverantwortung. Wir haben Mut und Vertrauen entwickelt, uns endgültig festzulegen und alle Notausgänge zu schließen. Wir haben gewählt und uns definitiv festgelegt. Punkt.
In einer multioptionalen Gesellschaft, in der man sich permanent mehrere Möglichkeiten offen lässt, ist dieser Schritt in die völlige Verbindlichkeit eine enorme Leistung. In einer Leitungsaufgabe müssen wir Entscheidungen treffen. Oft »makes or breaks« eine schwerwiegende Entscheidung einen Verantwortlichen. Wohl den Leitenden, die schon früh Mut und Vertrauen einüben konnten.
Das Geheimnis der Ehe besteht darin, dass zwei eins werden und zugleich ganz sie selbst bleiben. Wie entsteht Einheit? Viele Ehepaare versuchen – besonders in der Anfangsphase –, Einheit herzustellen, indem sie die persönliche Eigenart und Originalität zugunsten der gemeinsamen Harmonie zurückstellen. Der seltenere Fall: Er gibt alle sportlichen Hobbys auf und wird vom wilden Mann zum gezähmten Häuslichen. Schon häufiger: Sie passt sich den Wünschen und der Dynamik ihres Mannes an und stellt eigene Anteile zurück.
Sollen wir wesentliche Teile von uns selbst zugunsten der Eheharmonie aufgeben? Geschieht dann unsere Paarentwicklung und die Stärkung unserer Einheit nicht auf Kosten unserer persönlichen Entwicklung? Unsere menschliche Lösung mit dem Ziel der Einheit ist Anpassung, Gleichmacherei, Uniformität. Oft weiß dabei einer von beiden nicht genau, was er letztlich will, und passt sich dem anderen einfach an.
Nach biblischem Denken entsteht Einheit ganz anders, nämlich durch das Zusammenführen von Gegensätzen im Sinne der Ergänzung. Unser Gott schuf den Kosmos in Polaritäten: Er schuf Tag und Nacht, Sommer und Winter, Mann und Frau. Dabei koordinierte Gott diese Gegensätzlichkeiten. Was für unsere große Welt gilt, gilt auch für die kleine Welt unserer Ehe: Paulus gebraucht für das Prinzip »Einheit durch Ergänzung« das Bild vom Körper, dessen verschiedenste Körperteile vom Kopf her koordiniert und zusammengefügt werden. Christus ist der Kopf der Eheleute, Koordination höherer Ordnung für ihr Miteinander, liebendes Gegenüber, das sie als Mann und Frau in ihrer Originalität aufeinander abstimmt.
Eigentlich geht es darum, dass sich Mann und Frau Christus zur Verfügung stellen und ihm sagen: »Da hast du mich! Ich möchte der Mann, die Frau für meinen Partner werden, wie du es dir gedacht hast; mache mich zu einem Geschenk. Baue du an unserer Einheit, wir können das nicht selber.«
Im praktischen Alltag stehen wir ja immer wieder vor ganz konkreten Fragen: Soll ich verzichten oder mich durchsetzen? Soll ich ein Bedürfnis zugunsten unseres Miteinanders zurückstellen? In diesen Fragen ist mein Blick in erster Linie auf Gott gerichtet und nicht auf meine Bedürfnisse oder die Forderungen des Ehepartners. Und so verzichtet die Frau auf den Gospelbrunch, den sie gemeinsam besuchen wollten, und entlässt ihren Mann zu seiner Biketour. Oder die Frau merkt, dass sie es ihrem Mann zumuten kann, mit den Kindern zwei Tage allein zu sein, und verreist mit ihrer Freundin zum Wellness-Wochenende. Wenn beide Ehepartner in Freiheit vor Christus ihr Tun und Lassen verantworten, wird das nicht nur ihre Einheit als Paar bauen, sondern auch ihre persönliche Entfaltung vorantreiben.
Team- und Ergänzungsfähigkeit sind angesichts von immer komplexeren Sachverhalten, die wir in unseren Organisationen zu bewältigen haben, eine Schlüsselkompetenz für Führende. Immer mehr wird Leitung von einem Gremium wahrgenommen. Der einsame, abgehobene Kapitän auf der Kommandobrücke ist nicht mehr die Symbolfigur des Leitens. Und wo kann Teamfähigkeit besser trainiert werden als in der Ehe?
Hier lerne ich, mich einzubringen oder zurückzunehmen, mich durchzusetzen oder zu verzichten. Was für ein inspirierender Führungsstil wird sich ergeben, wenn sich Führungskräfte als ergänzungsbedürftig und ergänzungsfähig erleben!
8»Was mit der Eheperson gemeint ist, ist nicht logisch erklärbar, aber intuitiv erfassbar und erlebbar, und viele Ehepaare können übereinstimmend antworten, wenn ich sie frage, wie es ihrer Eheperson gehe. Es ist hilfreich, die Merkmale einer Person auf sie zu übertragen: Sie wird von Gott geschaffen, und sie ›stirbt‹ beim Tod eines Partners; sie trägt einmalige, individuelle Züge; sie kann unentfaltet oder voll entwickelt sein; sie kann gesund oder krank sein; es kann ihr gut gehen, sie kann aber auch leiden.« Manfred Engeli, Finale Eheseelsorge – Konzepte und Praxis , 17.
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