Und dieser Blick in die Zukunft schien sich tatsächlich bewahrheiten zu sollen.
Friedel und Eckbrecht hatten ihren sechzehnten Geburtstag gefeiert, und Brunhild stand in ihrem vierzehnten Lebensjahr, als der gräfliche Haushalt abermals nach Kochenhall übersiedelte. Es war ein heisser, leuchtender Sommertag, der Himmel spannte sich azurblau über dem Tale aus, flimmernd in wolkenloser Klarheit, gestützt von den silbernen Alphäuptern, die so deutlich und scharf jede ihrer kleinsten Linien gegen ihn abzeichneten, als seien sie dem Auge zum Greifen nahegerückt.
Friedel liegt schon seit einer Stunde zwischen den moosigen, von Himbeergestrüpp übersponnenen Felssteinen und starrt mit ungeduldig blitzenden Augen den Fahrweg von Kochenhall hinab.
Vor ihm, sorglich in den Schatten gerückt, liegt ein herrlicher Strauss Alpenrosen und Enzianen und sogar ein paar Sternlein samtweichen Edelweisses dazwischen.
Schon in aller Morgenfrühe ist Friedel mit einem Forstläufer zur Alm empor, den lieblichen Gruss zu pflücken, und seine Augen haben geleuchtet wie noch nie, und voll tollen, kecken Wagemuts hat er sich an den Abgrund gewagt, das Edelweiss zu ersteh’n.
Der Jäger hat vor Schrecken aufgeschrien, als er ihn mit halbem Leibe über dem Abgrund schweben sah, aber der Friedel hat sich lachend zurückgeschoben und die Blume gebracht. Der ist ein Glückskind, dem geschieht nichts!
Einen Gruss!
Für wen?
Friedels frische, lachenden Lippen zitterten, wenn er an sie denkt, das schlanke, zierliche Mädchen mit den grossen Blauaugen, die ebenso stolz und kalt blicken können wie die der Mutter, — noch stolzer, noch kälter wie sie!
Aber nicht immer.
Brunhild kann auch scherzen und heiter sein, ungestüm wild sogar, dass die langen, langen Goldhaare wie ein königlicher Mantel um sie her flattern, dass ihr weisses Kleid von den Felsen herabweht, dass sie wie ein grosser, goldigschimmernder Schmetterling leichtfüssig über die blumigen Matten gaukelt.
Jahrelang hat er das hochmütige Prinzesschen nicht leiden mögen, — sie war so ganz anders wie Eckbrecht, und er spielte überhaupt nicht gern mit Mädchen, aber dann ... ja, wie war das eigentlich gekommen, dass er so plötzlich Tag und Nacht an sie dachte, dass sein Herz zitterte und glühte, wenn er sie nur von weitem sah, dass ihm plötzlich alles andre fremd und nur sie allein traut und lieb und gar wohlbekannt schien?
Wie war’s gekommen?
Friedel wühlte die Finger in sein nussbraunlockiges Haar und atmete tief auf.
Narrheit ist’s — die Brunhild frägt ja gar nichts nach ihm — und doch ... er kann nicht anders, er ist wie verhext, er hat sie nun einmal lieb, — sinnlos, planlos lieb!
Ist er denn so viel schlechter und weniger als sie?
Seine Augen blitzten trotzig auf, das alte, kecke, siegmutige Lächeln irrt um seine Lippen.
Er ist noch jung, und die Welt so gross und weit! Er wird sich schon emporbringen!
Er will einst ebenso hoch stehen wie sie, — das hat er sich zum Ziel gesetzt.
„Das kriegst nimmer weg! Und wann du selb nach Amerika gehst, da liegt’s Gold und die Grafenkronen erst recht nit auf der Strass’n — das stimmt!“
Friedel weiss im Grunde auch nicht, wie er es anfangen soll, aber er zerbricht sich nicht weiter den Kopf darüber, sondern lacht sein lustigstes und sorglosestes Lachen.
„Wenn ich nur erst von der Schule bin!“ denkt er, „dann findet sich alles!“
Und wenn sich’s nicht findet?
Bah, — dann stirbt sich’s auch noch nicht an gebrochenem Herzen!
„Mein Leben lass ich mir nicht verbittern, nicht von andern und auch nicht von ihr!“
Es gibt noch genug Dirneis, — und wenn ich Brunhild nicht kriege, ei, so hab’ ich doch mein Pläsier daran, sie wenigstens zu lieben, — so wie ich nun mal lieb’: lustig, närrisch, ohne Seufzer und Weh und Ach!
„Über’m Baum, unter’m Baum
’s Eichkatzl springt,
Sucht sich eine andre Nuss,
Wann’s die eine nit aufbringt!“
Er sang’s und lachte sich alle Nachdenklichkeit hinweg, besah seinen Strauss und dachte:
„Wenn’s Brunei lieb ist, nachher kriegt’s ihn — und wenn’s grantig ist, nachher kriegt’s ihn nit — basta!“
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