Maria Alexopoulou - Deutschland und die Migration

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Deutschland hat sich lange dagegen gesträubt, ein Einwanderungsland zu sein, zum Teil tut es das bis heute. Dabei waren nicht-deutsche und nicht als deutsch wahrgenommene Migrant*innen in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert ständig präsent – von den «Wanderarbeitern» aus Polen und Italien im Kaiserreich über die «Gastarbeiter» in der alten Bundesrepublik bis zu den Schutzsuchenden aus aller Welt heute. Deutschland hat sich über viele Jahrzehnte zu einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft gewandelt und muss sich mit dieser Realität auseinandersetzen. Die Historikerin Maria Alexopoulou erzählt diese vernachlässigte und von strukturellem Rassismus durchzogene Facette der deutschen Geschichte, indem sie die Perspektive derjenigen einnimmt, die längst dazugehören und dennoch immer wieder Ausgrenzung erfahren.

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Dennoch gelang es den verschiedenen polnischen Gemeinden im Westen, im Laufe der Jahre eigene Strukturen aufzubauen. Mit der einflussreichen Zeitung Wiarus Polski ( Der polnische Kämpe ) schufen sie sich ein eigenes Sprachrohr, und allmählich entwickelte sich eine lokal eingebundene Identität. Polnischsprachige Deutsche nahmen zunehmend sogar über ihre eigene Gemeinde hinaus Einfluss auf politische Entwicklungen, etwa als treibende Kraft in den großen Streiks im Ruhrbergbau der Jahre 1905 und 1912. Wie einer der ersten ruhrpolnischen Akademiker in Westfalen, Jan Kaczmarek, berichtet, konnten die ehemaligen Landarbeiter und Bergleute, nachdem sie durch »geistige Ausbildung einen klaren Blick für die sozialen und politischen Verhältnisse erworben hatten, … [sic] im vollsten Sinne des Wortes ›mitreden‹«.8

Der Alldeutsche Verband unter der Leitung von Hasse war allerdings ein Vorreiter jener radikal-nationalen und völkischen Strömung, die bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts versuchte, das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht von 1871 zu verändern. Bei ihren Bemühungen, das »Deutsche« und das »Undeutsche« auch formaljuristisch klar voneinander zu trennen, dienten die polnischsprachigen Deutschen sicherlich als zentrales Feindbild, als Gruppe, deren weitere Vergrößerung und Einflussnahme man verhindern wollte.

Zu dieser Strömung gehörte auch die antisemitische Bewegung, die ihrerseits die rechtliche Emanzipation der jüdischen Deutschen wieder rückgängig machen wollte. Der stärker werdende Antisemitismus verwob sich dabei mit dem entstehenden antislawischen Rassismus. Der Historiker Heinrich von Treitschke hatte schon 1879 in seiner vielzitierten Schrift Unsere Aussichten behauptet, dass der »Instinkt der Massen« tatsächlich eine »schwere Gefahr«, einen »hochbedenklichen Schaden des neuen deutschen Lebens« erkenne und darauf berechtigterweise mit Antisemitismus reagiere. Das könnten Engländer und Franzosen, die mit einer »gewissen Geringschätzung« über das »Vorurtheil der Deutschen gegen die Juden« redeten, nicht nachvollziehen, da sie in »glücklicheren Verhältnissen« lebten. Denn sie hätten in ihren Ländern nur mit den sephardischen Juden aus Spanien, nicht aber mit den Juden zu tun, die beständig über »unsere Ostgrenze aus der unerschöpflichen polnischen Wiege« kämen. Treitschke beschrieb Letztere als »Schaar strebsamer hosenverkaufender Jünglinge«, deren Nachkommen

dereinst Deutschlands Börsen und Zeitungen beherrschen sollen; die Einwanderung wächst zusehends, und immer ernster wird die Frage, wie wir dieses fremde Volksthum mit dem unseren verschmelzen können.

Denn das »osteuropäische Judentum« stehe dem »germanischen Wesen ungleich fremder gegenüber«.9 Damit meinte Treitschke jedoch auch die deutschen Juden, die bereits Immanuel Kant nicht nur als Osteuropäer, sondern auch als zwar zur »weißen Rasse« gehörig, aber doch minderwertige »Orientale« kategorisiert hatte.10

Ein weiterer heute noch hoch angesehener Pionier seines Fachs, der Soziologe Max Weber, spielte eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der These von der Gefahr aus dem Osten. Seine Studie Die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland erschien 1892 und löste ein großes politisches, wissenschaftliches und publizistisches Echo aus. Darin vertrat Weber die These, dass deutsche von polnischen Arbeiter*innen kontinuierlich aus den östlichen Provinzen des Kaiserreichs verdrängt würden, was er nicht nur als ökonomische, sondern auch als essentielle kulturelle Gefahr wertete. Die polnischen Arbeiter*innen seien wegen ihres minderen Wesens bereit, unter schwierigeren Umständen für weniger Lohn zu arbeiten. Der »Zuzug vom Osten« habe damit nicht nur Nachteile für den Arbeitsmarkt, sondern sei vielmehr eine »Existenzfrage« des »Deutschtums«, da die deutsche Kultur im Osten zurückgedrängt und die deutsche Kolonisation dort zunichte gemacht würden. Bei der Diskussion seiner Thesen kam auch der Begriff der »Überfremdung« auf, der noch eine lange Geschichte in der Debatte um Migration in Deutschland haben sollte.

Dementsprechend richteten sich die Bestrebungen national-radikaler, völkischer und antisemitischer Kreise primär gegen die osteuropäischen, insbesondere die jüdischen Migrant*innen, deren Naturalisierung, den formaljuristischen Endpunkt des Einwanderungsprozesses, sie verhindern wollten. Im deutschen Kaiserreich handhabten die einzelnen Bundesstaaten die Einbürgerung allerdings noch sehr unterschiedlich. Hasse forderte als nationalliberaler Abgeordneter in einer Reichstagsrede im März 1895, die »Rasse- und Sprachfremden […] slawischer und semitischer Abstammung« sollten »grundsätzlich überhaupt nicht oder nur so wenig als möglich naturalisiert« werden.11 Insgesamt sollten keine Ausländer »fremden Stammes«, zu denen er auch Italiener und Tschechen rechnete und die »minderwertiges Menschenmaterial« seien, eingebürgert werden.12 Dieses Privileg wollte er nur noch ›Deutschstämmigen‹ zugestehen, etwa Ausgewanderten, die nach Deutschland zurückkehrten. Sie sollten ihre Staatsbürgerschaft nach zehn Jahren der Abwesenheit künftig nicht mehr automatisch verlieren. Das gleiche sollte für die deutschen Siedler*innen in den Kolonien gelten, die Reichsdeutsche bleiben sollten.

Darüber, dass die »Eingeborenen« überseeischer Besitzungen keine Reichsdeutschen sein konnten, waren sich die Politik und Fachjuristen weitgehend einig, zumal die Kolonien nur »Schutzgebiete« und damit kein vollwertiger Teil des Reichs waren. Manche erklärten die dort ansässige Bevölkerung zu »Reichsausländern«, die aber vielfach schlechter gestellt waren als andere weiße Ausländer, die im jeweiligen Gebiet lebten, etwa Buren oder Briten. Auch die Frage nach dem formaljuristischen Status von »Mischehen« und »Mischlingen« kam sehr bald auf, so dass eine Änderung bzw. diesbezügliche Präzisierung des Staatsbürgerschaftsrechts aus Sicht der Mehrheit der Parteien und Abgeordneten im Reichstag notwendig schien.13

Antisemitischer, antislawischer und gegen die kolonisierten Bevölkerungen in Afrika und Asien gerichteter Rassismus sowie deren binäres Gegenstück, nämlich die völkisch-rassisch-kulturelle Überhöhung der Deutschen und die daraus abgeleiteten Rechte auf eine expansionistische, gewalttätige und unterdrückende imperiale Politik verflochten sich also in jener Zeit zu einem Bündel an rassistischen Überzeugungen. Dieses Geflecht, das in Deutschland in kommunistischen, sozialistischen, teilweise sozialdemokratischen und einigen liberalen Kreisen noch bekämpft wurde, wurde zudem mit vermeintlich wissenschaftlichen Argumenten unterfüttert, wodurch sich allmählich ein rassistisches Wissen herausbildete.

Die Jahrhundertwende war die Hochzeit der wissenschaftlichen Rassentheorien, in denen Biologie und Medizin, aber auch die »Völkerkunde«, nicht nur die »unterentwickelten Kolonialvölker« taxierten, sondern auch innerhalb Europas Hierarchien zwischen den nordischen, den slawischen, den südlichen und sonstigen »Völkern« herstellten. Darüber hinaus vollzog sich in jener Zeit die »Verwissenschaftlichung des Sozialen« (Lutz Raphael): Der Sozialdarwinismus setzte sich als dominantes Deutungsmuster durch, demzufolge das Soziale als Ausdruck biologischer Verhältnisse und Entwicklungen zu verstehen ist. »Rasse« war dabei ein Begriff, der zwischen Biologie und Kultur changierte und deren vermeintlich engen Zusammenhang postulierte.

Diese neuen rassistischen Wissensbestände verbreiteten sich nicht nur in akademischen Kreisen und in allen politischen Milieus, sondern auch in der breiteren Öffentlichkeit. Das lässt sich daran ablesen, wie über den Kampf der deutschen Kolonialtruppen gegen den Widerstand der Herero und der Nama – Letztere wurden als »Hottentotten« bezeichnet – diskutiert wurde. Das Thema war äußerst präsent in den Medien, besonders im Rahmen der Reichstagswahl von 1907, die als »Hottentottenwahl« in die Geschichte einging.

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