Maria Alexopoulou - Deutschland und die Migration

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Deutschland hat sich lange dagegen gesträubt, ein Einwanderungsland zu sein, zum Teil tut es das bis heute. Dabei waren nicht-deutsche und nicht als deutsch wahrgenommene Migrant*innen in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert ständig präsent – von den «Wanderarbeitern» aus Polen und Italien im Kaiserreich über die «Gastarbeiter» in der alten Bundesrepublik bis zu den Schutzsuchenden aus aller Welt heute. Deutschland hat sich über viele Jahrzehnte zu einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft gewandelt und muss sich mit dieser Realität auseinandersetzen. Die Historikerin Maria Alexopoulou erzählt diese vernachlässigte und von strukturellem Rassismus durchzogene Facette der deutschen Geschichte, indem sie die Perspektive derjenigen einnimmt, die längst dazugehören und dennoch immer wieder Ausgrenzung erfahren.

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All diese Prozesse sind ein wichtiger Bestandteil der Geschichte des Rassismus in Deutschland, aber historiographisch wenig aufgearbeitet und allgemein innerhalb der deutschen Erinnerungskultur kaum bekannt. Dies wirft ein schlechtes Licht auf die Rolle Deutschlands, das sich angesichts der eigenen, inzwischen international als vorbildlich geltenden Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gern als »Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung« sieht bzw. auch oft so gesehen wird. Denn weder das Fortleben des Antisemitismus noch der Rassismus gegen Ausländer oder auch gegen Sinti und Roma sowie Schwarze Deutsche, die vor 1945 Normalität waren und die die ›Stunde Null‹ überlebt haben, können angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen einfach als Randphänomene weggewischt werden, mit denen man sich nicht eingehender beschäftigen muss. Es ist höchste Zeit, nachzuzeichnen, durch welche Mittel, auf welche Weise und mit welchen Konsequenzen Rassismus seit 1945 weiterwirkte.

Die Position, die ich in diesem Buch mit Daten und Fakten begründe, lautet, dass die Ausgestaltung der Einwanderungsgesellschaft Deutschland stark von rassistischem Wissen über Ausländer geprägt wurde, das schon weit vor 1933 entstanden war und über unterschiedliche Wege bis heute weitergegeben und neu produziert wurde. Rassistisches Wissen, das sei betont, ist falsches Wissen und damit nicht mit Erkenntnis oder gar Wahrheit gleichzusetzen. Es existiert in Diskursen, etwa als das ewige Gerücht über den kriminellen Ausländer . Es existiert in Institutionen, beispielsweise über lange Zeit im deutschen Staatsangehörigkeitsrecht, das deutsches Blut als Kriterium der Zugehörigkeit festgelegt hatte. Es existiert in Strukturen, etwa in der politischen Partizipation, von der Einwanderer*innen sehr lange bewusst ausgeschlossen wurden.

Rassistisches Wissen ist also nicht allein Bestandteil von individuellen Haltungen, von Vorurteilen oder Ressentiments, sondern findet sich über das oben Erwähnte hinaus auch in eingespielten bürokratischen Praktiken, in unhinterfragtem Alltagswissen, in Begriffen und in Topoi. Dieses Wissen wird aktiv oder unbewusst genutzt, und es kann bewusst oder auch strategisch, aus Unwissenheit und Geschichtsvergessenheit oder einfach aus Desinteresse ignoriert werden. Rassistisches Wissen verdeckt oder legitimiert dabei letztlich die Macht der Privilegierten in diesem Verhältnis. Es ist zudem als Wissen überRassismus vorhanden, nämlich als Wissen derer, die von Rassismus betroffen sind.

Gegengeschichten

Ich habe es nie bereut, nach Deutschland gekommen zu sein. Das Einzige, was mich stört, ist diese Betonung auf »Ausländer«, »Gastarbeiter« oder »Mitbürger«. Wenn man »Gastarbeiter« genannt wird, dann wird man nur als Arbeiter betrachtet. Das nenne ich weiße Sklaverei! Deshalb sagen wir: Weg damit! Egal was du von Beruf bist, selbst Rektoren macht es fertig, wenn man sie »Mitbürger« nennt.1

Diese Sätze stammen aus einem lebensgeschichtlichen Interview von 2005 mit einer verrenteten griechischen ›Gastarbeiterin‹. Ageliki Gountenidou kam im Jahr 1958 nach Mannheim, um ihren Bruder zu besuchen. Er war bereits in den 1940er Jahren als sogenannter »fremdvölkischer Zivilarbeiter« aus Athen nach Deutschland gekommen, hatte in den Nachkriegswirren eine deutsche Frau geheiratet und war bei ihr geblieben. Ageliki hatte gar nicht vorgehabt, nach Deutschland auszuwandern, wenn überhaupt träumte sie von Amerika. Doch sie blieb in Mannheim, arbeitete und lebte dort, gründete eine Familie, bekam Kinder, kaufte ein Haus, ging in Rente, verstarb und liegt nun neben ihrem griechischen Mann auf dem Mannheimer Hauptfriedhof begraben. Sie liebte »Lewerknödel« und Sauerkraut, fuhr gern mit ihrer Familie mit dem Mercedes Benz in den Urlaub nach Griechenland und hatte viel Spaß mit ihren internationalen Kolleg*innen in den Fabriken, in denen sie allerdings durch die körperlich schwere Arbeit ihre Gesundheit ruinierte. Sie und ihr Mann ermöglichten ihren zwei Kindern ein Studium, die beide erfolgreiche Karrieren absolvierten. Ageliki verstand sich als echte Mannheimerin, aber nicht als Deutsche.

In dem Interview, das ich im Zuge eines Film- und Ausstellungsprojektes anlässlich des 50. Jubiläums des sogenannten ersten Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und Italien mit ihr führte, beklagte sie dennoch klar und deutlich, dass ihr nie aktiv angeboten worden war, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Deshalb habe sie nie alle Rechte genossen, die ihr als Staatsbürgerin zugestanden hätten, darunter das grundlegende demokratische Recht, mitbestimmen und wählen zu dürfen. Und genau wie viele andere aus ihrer Generation störte sie sich an den Begriffen, mit denen sie zeitlebens benannt wurde: ›Gastarbeiter‹, Ausländer .

Dieser kurze Einblick in ein migrantisches Leben reißt viele Erfahrungen und Perspektiven an, die der Mehrheitsbevölkerung in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland bisher wenig bekannt oder bewusst sind: Etwa, wie offen Migrationsprozesse sind und wie wenig sich deren Verläufe bestimmen lassen. Dass Migrant*innen sich eigensinnig beheimateten, auch wenn von ihnen erwartet wurde, dass sie als »Gäste« wieder gehen sollten, und ihnen das durchaus sehr bewusst war. Dass ihnen ebenso bewusst war, dass sie vieler Rechte entbehrten. Und – das ist wohl weniger bekannt – dass ein sehr großer Anteil von ihnen Rassismuserfahrungen gemacht hat. Auch Ageliki Gountenidou erzählte von einem Erlebnis in der Fabrik von ZEWA Mannheim, das sie noch vierzig Jahre später bewegte:

Einmal hat unser Schlosser bei Zellstoff, als ich ihn bat, etwas an meiner Maschine auszubessern, gesagt: »Hau ab, du dreckiger Ausländer!« Das hat wehgetan. Die Augen haben nicht geweint, aber das Herz.2

Freilich werden diese Erlebnisse von den Betroffenen nur selten als Rassismuserfahrungen bezeichnet. Diese Geschichten gehören vielmehr auch für sie selbst zum typischen Leben eines ›Gastarbeiters‹. Rassismuserfahrungen sind ohnehin in ihrer Mehrzahl unspektakulär, werden durch ihre Häufigkeit normalisiert und in ihrer Normalität unsichtbar, was es noch schwieriger macht, sie zu erfassen. Oft können Betroffene nicht mit Sicherheit sagen, ob sie wegen ihrer Herkunft, ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe der Ausländer , ungleich, abwertend oder aggressiv behandelt wurden. Auch das habe ich in zahlreichen biographischen Interviews mit Migrant*innen erlebt, die offenbar mitten im Erzählen anfingen, darüber nachzudenken, inwiefern ihre Lebenschancen von Diskriminierungen beeinträchtigt worden waren, die sie wegen ihrer Herkunft oder ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe der Ausländer erlebt hatten.

Diese Gegengeschichten zum dominanten Erfolgsnarrativ der Bundesrepublik als einer pluralistischen, rassismusfreien Demokratie sind essentiell, um die Geschichtsschreibung und das historische Bewusstsein der Einwanderungsgesellschaft Deutschland zurechtzurücken. Die Gegengeschichten und Gegenperspektiven der Eingewanderten, die nicht nur in Form von mündlichen Erzählungen vorliegen, sondern auch bei der neuerlichen Analyse und Interpretation von Dokumenten, Texten, Praktiken und Ereignissen zutage treten, müssen also nicht nur gehört und am Rande erzählt werden. Nein, sie müssen in die große Meistererzählung einfließen, in eine veränderte Version der neueren deutschen Geschichte.

Da Migrant*innen als Akteur*innen vor allem lokal greifbar werden, so wie ihre Einwanderungsprozesse insgesamt lokal verortet sind, werde ich in diesem Buch die Geschichte der deutschen Einwanderungsgesellschaft vom Lokalen ausgehend erzählen. Die Industriestadt Mannheim, die, so der retrospektive Blick, seit ihrer Gründung eine Migrationsstadt war, dient mir dabei als Bezugspunkt, auf den ich immer wieder episodisch und themenspezifisch zurückkomme. Daraus ergibt sich auch der klare Schwerpunkt auf die Geschichte der (alten) Bundesrepublik Deutschland.

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