REUTLINGER A (2014) Natural Law and Universality in the Philosophy of Biology. Europ. Rev. 22, S145–S162.
SCHMID A (2004) Wie das Christentum die Welt veränderte und prägte. Gräfelfing.
WIDENMEYER M (2013) Prinzipielle Grenzen der Naturwissenschaft. https://www.wort-und-wissen.org/wp-content/uploads/a14.pdf
WIDENMEYER (2018) Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus. Holzgerlingen, 3. Auflage.
1 ULLRICH schreibt in diesem Beitrag, dass „es zum eingeschliffenen Ritual eines Abwehrkampfes geworden ist, jede Infragestellung von Evolution und jede Kritik an evolutionstheoretischen Entwürfen pauschal als Angriff auf die gesamte Biologie und die Wissenschaft insgesamt zu verurteilen.“
2 https://assembly.coe.int/nw/xml/XRef/Xref-XML2HTML-EN.asp?fileid=17592&lang=en
3 Obwohl natürlich eine Infragestellung einer naturwissenschaftlichen Theorie alles andere als ein Angriff gegen die Naturwissenschaft darstellen muss.
4 „Echt“ meint, dass die betreffenden Änderungen nicht auf bereits vorhandene, latente Anlagen zurückgeführt werden können. Solche latenten Anlagen sind vielfach bekannt, sie können z. B. auf Mischerbigkeit, springende Gene, Gen-Gen- oder Umwelt-Gen-Wechselwirkungen (Plastizität) beruhen.
5 Die „Wenn-Dann-Beziehung“ muss nicht explizit durch ein „Wenn-Dann“ ausgedrückt werden, sondern kann implizit gegeben sein, z. B. „Kupfer leitet Strom“ (Wenn man an ein Stück Kupfer eine Spannung anlegt, fließt ein verhältnismäßig hoher elektrischer Strom hindurch).
6 Natürlich glauben wir in den meisten und „normalen“ Fällen, dass sich die Dinge trotzdem natürlich verhalten, auch wenn wir sie (derzeit) nicht naturgesetzlich beschreiben können oder ggf. kein Interesse daran haben. Das liegt daran, dass es bei solchen „normalen“ Fällen keine besonderen Indizien gibt, die auf eine nicht-natürliche Entstehungsweise hinweisen könnten. Im Fall des Ursprungs des Lebens gibt es aber solche Indizien, weswegen hier dieser Nachweis einer rein natürlichen Entstehung zu führen wäre.
7 Sie beschreiben das Statistical-relevance-model“, das „Causal-mechanical model“ und „unificationist model“. Darauf soll hier nicht eingegangen werden; es genügt die Feststellung, dass alle Modelle auf Gesetzmäßigkeiten Bezug nehmen.
8 „… laws are important because they are statements used to explain and to predict phenomena, they provide knowledge how to successfully manipulate the systems they describe, and they support counterfactuals. Statements that are apt to play these roles in the sciences I call lawish“ (REUTLINGER 2014, S145f.). Vgl. PENNOCK (2000, 195): „Lawful regularity is at the very heart of the naturalistic world view …“ Nach RUSE sind Kriterien für naturwissenschaftliches Arbeiten unter anderem: „Science is guided by natural law, it explains by reference to natural law“ (nach KOJONEN 2017, 335).
9 Auch BRAILLARD & MALATERRE (2015, 4) gehen auf dieses Beispiel ein.
10 Die Position der Sonne und die Länge eines Schattens können in einem bestimmten Sinne tatsächlich die physische Höhe einer Fahnenstange „erklären“: Jemand behauptet, die Fahnenstange habe die Höhe x. Zur Rede gestellt, sagt er: Die Fahnenstange hat die Höhe x, weil dieser Sonnenstand vorherrscht und sie diese Schattenlänge wirft. Diese Sachverhalte erklären, warum es richtig ist zu sagen, die Fahnenstange habe die Höhe x. Die Erklärung zeigt einen Zusammenhang von Gründen an, nicht von Ursachen.
11 Etwas ausführlicher: Wenn natürliche Variabilität, Überproduktion von Nachkommen, langfristige Konstanz der Populationsgröße aufgrund von Ressourcenknappheit, dann Auslese der Bestangepassten und Veränderung der Lebewesen bis hin zur Entstehung neuer Baupläne. – DARWIN rechnete darüber hinaus auch mit der Weitergabe erworbener Eigenschaften im Sinne von LAMARCK.
12 Allerdings rief gerade der Gebrauch des Begriffs „Auslese“ (Selektion) Kritik hervor, denn er suggeriert erneut Teleologie. DARWIN (1876, 236) verglich die natürliche Selektion sogar mit einem Architekten und war von der Selektionstätigkeit bei der Züchtung inspiriert, die ausgesprochen teleologisch ist. In Origin of Species schreibt DARWIN (1876, 65f.): „Man kann bildhaft sagen, die natürliche Zuchtwahl sei täglich und stündlich durch die ganze Welt beschäftigt, eine jede, auch die geringste Abänderung zu prüfen, sie zu verwerfen, wenn sie schlecht ist, und sie zu erhalten und zu vermehren, wenn sie gut ist. Still und unmerkbar ist sie überall und jederzeit, wo sich die Gelegenheit darbietet, mit der Vervollkommnung eines jeden organischen Wesens in Bezug auf dessen organische und unorganische Lebensbedingung beschäftigt.“
13 In POWELLS (2012) Formulierung wird besonders deutlich, dass er der natürlichen Selektion eine praktisch unbegrenzte Schöpferkraft zumisst, ohne die Notwendigkeit zu sehen, diese Voraussetzung rational zu legitimieren. „First, selection is the only game in town when it comes to explaining the origins of complex functional morphology, and thus we know of no other mechanism that could underwrite the degree of macroevolutionary replicability that is entailed by the RRT [=robust repeatability thesis]. Second, it is not sufficient for the RRT that selection constitutes an important evolutionary mechanism – rather, it must overwhelm all of the stochastic factors and internal constraints that would otherwise impede or undermine the optimization of form“ (358f.) „… convergence offers a striking example of the power of natural selection to mold disparate forms in the service of a common functional design“ (359f.).
14 Zwar folgt das Auftreten von Mutationen Gesetzmäßigkeiten statistischer Natur, aber es ist nicht möglich, vorherzusagen, welche Mutationen auftreten werden. Dies ist nicht vergleichbar mit dem radioaktiven Zerfall instabiler Nuklide. Hier kann zwar auch nicht vorhergesagt werden, welches Atom als nächstes zerfallen wird. Aber beim radioaktiven Zerfall sind die Ereignisse gleichartig, während Mutationen sehr verschieden sein können. Ausnahmen beschreibt BORGER (2019): Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass ein hoher Prozentsatz der Mutationen an sogenannten DNA-Hotspots aufzutreten scheint, d. h. an Stellen in der DNA, die eher Mutationen zulassen. Allerdings ermöglichen diese Mutationen nicht die Entstehung von Innovationen, sondern könnten Anpassungen an spezielle Bedingungen ermöglichen. Zudem ist denkbar, dass hier eine Programmierung vorliegt.
15 Originalzitat: „But it has become habitual in evolutionary biology to take population genetics as the privileged type of explanation of all evolutionary phenomena, thereby negating the fact that, on the one hand, not all of its predictions can be confirmed under all circumstances, and, on the other hand, a wealth of evolutionary phenomena remains excluded. For instance, the theory largely avoids the question of how the complex organizations of organismal structure, physiology, development or behaviour—whose variation it describes—actually arise in evolution, and it also provides no adequate means for including factors that are not part of the population genetic framework, such as developmental, systems theoretical, ecological or cultural influences.“
16 Originalzitat: „Indeed, the MS [modern synthesis] theory lacks a theory of organization that can account for the characteristic features of phenotypic evolution, such as novelty, modularity, homology, homoplasy or the origin of lineage-defining body plans.“
17 „Birds and mammals evolved greater aerobic abilities than their common ancestor had. This required expansion of the cardiopulmonary system’s capacity for gas exchange, but while directional selection for this expanded capacity resulted in extremely similar avian and mammalian hearts, strikingly different lungs arose, and the reasons for this divergence in lung morphology are not understood“ (FARMER 2010, 561).
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