Thilo Koch - Zwischentöne - Ein Skizzenbuch

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Dieses unterhaltsame Werk von Thilo Koch enthält kleinere und größere Arbeiten des Autors, die er über viele Jahre hinweg in seiner Tätigkeit als Journalist verfasst hat. Reise-Impressionen, kritische Seitenhiebe, Aufsätze über Sartre, Casanova und Benn, Sprachglossen, Miniaturen und auch elf «Galanterien» sind in dem Buch enthalten. Auf Kochs ganz eigene und spannende Weise verbinden sich die sprachliche Intimität der Skizzen und der nur scheinbar private Gestus mit einer unbeirrten Reflexion, mit welcher der Autor auf das Ganze zielt.-

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Nachgelassen hat die »Transparentitis«. Oft erinnern kahle Stellen und vom Regen ausgelöschte Tafeln noch daran. Fähnchen freilich und auch wieder Spruchbänder dürfen nicht fehlen bei dem »Volksfest«, zu dem der Abschied von den Sowjetsoldaten heraufinszeniert wird. »Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten!« Die Jungen Pioniere, die hübschen Figurantinnen vom Theater, die Jung-Eisenbahner kennen es schon gar nicht mehr anders.

Ihren Eltern freilich sitzt der Schrecken noch in den Knochen. Für sie verbinden sich mit der Silhouette des Rotarmisten bestimmte Erinnerungen. Wir müssen verstehen, daß die Russen auch ihre besonderen, schlimmen Erinnerungen an die deutschen Soldaten haben. Man kann einander noch nicht wieder ganz unbefangen gegenübertreten. Das ist wohl leider eine Frage der Generationen, nicht allein eine des guten Willens.

Auf den Gräbern der gefallenen Russen üppige künstliche Blumen. Dann führt der Weg über das entsetzliche Oranienburg, wo Hitler ein KZ errichtete, das die Sowjets später wieder belegten – im Namen des Kampfes gegen den Hitlerismus. Die Verladerampe ist zu sehen, auf der die Waggons mit »Menschenmaterial« anrollten – erst solchem, dann solchem . . . Heute wird nur Kohle hier ausgeladen und auf dem blutigen Felde gelagert. Gott sei Dank. Und Gott gebe, daß es so bleibe.

Immer liegt über einer Landschaft, über der Natur, ein Hauch von Frieden. Wir sind gefahren durch das Land, in dem Fontane gegen Ende eines wahrscheinlich glücklicheren Jahrhunderts seine unvergeßlichen »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« machte. Durch ein Land, das früher offen lag für Liebespärchen und Familien aus ganz Berlin. Schlagbäume heute. Schlagbäume selbst zwischen Leuten aus Ost-Berlin und Leuten aus der »Zone«. Geruch nach Harz, die Kiefern werden geritzt, wie das seinerzeit der »Reichsarbeitsdienst« tat: autarke Notwirtschaft. Große Kahlschläge in den Forsten; aber auch Baumschulen. Viele Wunden heilen dennoch – auch hier.

Aber eine finstere Unheimlichkeit, ein Eishauch der Bedrohung geht aus von den groben, merkwürdig blau angestrichenen Palisadenzäunen, sie sich kilometerlang immer wieder an den Straßen hinziehen. Dahinter Schießplätze, Kasernen, Exerzierfelder. 40 000 Sowjetsoldaten haben Mitteldeutschland jetzt verlassen, sagen die Russen. Es mag so sein. Aber 360 000 Mann stehen auch danach noch zwischen Elbe und Oder, sagten die Militärs der Westmächte, die die Parade in Schwerin mit abnahmen. (Sie legten die Hand an die Mütze bei der sowjetischen Nationalhymne; sie grüßten nicht, als die Hymne der »DDR« gespielt wurde.)

360 000 Russen noch immer hinter ihren blauen Palisaden. Dazu 100 000 Mann »Nationale Volksarmee«. Dazu »Volkspolizei« und »Betriebskampfgruppen«. Es sind heute in diesem Gebiet Deutschlands mehr Männer unter Waffen als auf demselben Territorium 1938/39, als Hitler den zweiten Weltkrieg vorbereitete. Und sie alle »verteidigen den Frieden«, fühlen sich ihrerseits bedroht durch die Aufrüstung des Westens? Diese Wiederaufrüstung – nach einer drastischen Abrüstung in den ersten Nachkriegsjahren – ist eine Folge, nicht die Ursache des militärischen Aufmarsches der Russen und ihrer Hilfstruppen.

Die »Deutsche Demokratische Republik« ist ein Militärund Polizeistaat. Das war gut genug bekannt. Aber eine Reise wie diese nach Schwerin füllt die blaß gewordenen Begriffe wieder mit lebendiger Anschauung.

Es ist weit gekommen mit Deutschland. »Glaubt überhaupt noch jemand an die Einheit, drüben bei Ihnen?« fragt mich ein junges Mädchen mit weißem Kopftuch auf dem Bahnhofsplatz in Schwerin leise, während die Klänge eines Platzkonzerts herüberwehen. Ich will gerade eine Antwort versuchen, da ist sie schon verschwunden in der grauen Masse von wegblickenden Leuten, die wir mit flinker Zunge »unsere Brüder und Schwestern« nennen.

Oktobertage in Wien

»Sie schmausen in Marmor«, sagt Hannerl Matz von den Lipizzanern der Spanischen Reitschule. »Da gehn’s immer über die Straße, und der Verkehr stockt solang.« Wir trafen uns zwischen Burgtheater und Hofburg, sie kommt von den Proben zum »Lear«. Der Mittag ist sonnig, der mildeste Oktober seit Jahren. Johanna geht sehr langsam, die Hände in einem weichen Mantel. Sie ist halb so groß wie auf der Leinwand und hat diese kurzen, schöngeschwungenen Nasenflügel; der Liebreiz der ganzen Erscheinung mildert den feinen Hochmut, der davon ausgehen könnte. Und die Augen, dunkel im blassen, gar nicht zurechtgemachten Gesicht, sprechen vollends anders: eine junge, sinnliche Kraft, eine alte absagende Klugheit, Ehrgeiz und Aufmerksamkeit – und auch Angst?

Wie sehr sie Wienerin ist! »Es gibt keine Erotik mehr in diesen neuen Filmen«, sagt der Star Johanna Matz. Dabei gehört ihre »Jungfrau auf dem Dach« wirklich zu den wenigen Gegenbeispielen. Seit einigem ist Hannerl verheiratet und hat einen Sohn David. Ernsthaft-sachlich hatte sie sich mit »Hackenberg« vorgestellt. Der Gemahl ist Schauspieler, und sie haben eine kleine Wohnung in der City von Wien; an die Filmgagen erinnert ein »Jaguar«.

»Dieses Wien belebt«, sage ich, »und es macht doch müde; überall spüre ich Resignation.« Sie nippt an ihrem Wodka mit Soda: »Wir wissens’ zuviel.«

Wie vertraut mir diese Nonchalance aus Berlin ist. Aber hier kommt noch hinzu ein relativierendes »Geh, schau . . .«

Kann man so Imperialismen überstehen? »Nur so!« antwortet Friedrich Torberg. Nach der Oper gehe ich am »Sacher« vorbei. Er winkt, wie immer Leute um ihn. In drei Tagen lerne ich hier mehr Menschen kennen, die Wien bedeuten, als in drei Jahren Hamburg Hamburger, die Hamburg bedeuten. Das »Café-Haus?« Es ist schon lange nicht mehr »die« Institution. Aber seine Atmosphäre ist noch durchaus da. Torberg beim schwarzen Kaffee und der Orientzigarette, die hier der amerikanischen Virginia widersteht – das ist doch ein Abglanz des alten intellektuellen Wien von Karl Kraus.

Politik und Feuilleton durchdringen, bedingen einander; Witz gehört zur Konsumgüterproduktion, Bildung steht unaufdringlich bereit, wie am Kaffee das Glaserl Wasser, und die Nacht wird zur eigentlichen »Menschheitsbeleuchtung«.

Torberg mag Broch mehr als Musil, das ist bezeichnend. Moralist der eine, und – Nihilist der andere? Aber beide, wie Torberg, »wissen’s zuviel« . . . Und ragen herüber aus den zwanziger Jahren: Emigranten. »Und was heuer fehlt«, sagt Torberg, »das waren, pardon, die Juden für Wien; eine Viertelmillion gab’s hier – viel mehr noch als bei Ihnen in Berlin.« Dennoch, auch heute – Wiens Luft ist voll von jener Legierung aus k. u. k. und Judentum: das Abqualifizieren, der Individualismus, die Melancholie, die Ironie, das Vergesellschaftende, der Sprachsinn. Hofmannsthal als die aristokratisch-konservative Resultante aus alldem: In der Festbeleuchtung des Palazzo Palavicini empfängt der deutsche Botschafter. Ein Minister aus Bonn spricht mit einer österreichischen Prinzessin, einer Enkelin des Erzherzogs. Sie ist jung und hübsch und einfach »liab«. Des Ministers rundes Bayrisch klingt dem Wienerischen verwandt: mein hartes flaches Norddeutsch ist von beiden gleich weit entfernt.

Unter Wiedervereinigung verstehen heute bayrische Minister die nationale Einheit mit Mitteldeutschland, und Österreich hat nach dem Anschlußabenteuer einen spezifischen nationalen Sinn entwickelt, einen kleinösterreichischen für sechs Millionen, den es in imperialen kaiserlichen Zeiten nicht hatte. Seit die Russen es nützlich fanden, ausnahmsweise einmal etwas zu räumen, was sie erobert hatten, seit dem Staatsvertrag von 1955, wächst hier eine zweite Schweiz, dicht am Eisernen Vorhang und zwischen Italien und Deutschland.

Gestreifte Hose und schwarzes Jackett, auch sonst dem »Erfüllungspolitiker« Stresemann nicht unähnlich, stellt sich Julius Raab der deutschen Fernsehkamera. Die Aufnahme ist in dem weißgoldenen Saal, in dem der Wiener Kongreß tagte, wenn er nicht tanzte. Bei allen restaurativen Mängeln: wann jemals wurde ein längerer Friede etabliert in Europa?

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