Thilo Koch - Zwischentöne - Ein Skizzenbuch

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Zwischentöne - Ein Skizzenbuch: краткое содержание, описание и аннотация

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Dieses unterhaltsame Werk von Thilo Koch enthält kleinere und größere Arbeiten des Autors, die er über viele Jahre hinweg in seiner Tätigkeit als Journalist verfasst hat. Reise-Impressionen, kritische Seitenhiebe, Aufsätze über Sartre, Casanova und Benn, Sprachglossen, Miniaturen und auch elf «Galanterien» sind in dem Buch enthalten. Auf Kochs ganz eigene und spannende Weise verbinden sich die sprachliche Intimität der Skizzen und der nur scheinbar private Gestus mit einer unbeirrten Reflexion, mit welcher der Autor auf das Ganze zielt.-

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Nur wenige Meter sind die noch erhaltenen Nuraghen hoch. Die Abendbrise fährt kräftig drüber hin, das Land, das du überschaust, war besetztes Land bis vor hundert Jahren – durch Antike, Mittelalter, Neuzeit, »immer« also –, ohne Begriff von Sieg und Macht, von Selbstbestimmung und Zukunft. Keine Geschichte, keine historischen Aufschwünge, immer nur Material für fremde geschichtsbildende Kräfte. Besetztes Land; durch Jahrtausende besetzt. Begreift man das als freiheitsdünkelnder Mitteleuropäer? Hier ging der Wind über die Halme und knickte sie immer. Brot und Wein im besten Falle; die Berge als Zuflucht, die Macchia, Blutrache, Stolz, einsam durch die Jahrtausende, schwarzer Granit, der Wind und ein trauriges Lied auf der Hirtenflöte zum Abend.

Hart, einfach und groß zwischen Himmel und Meer, laß andere regieren, nur immer neue Eroberer erobern Eroberer.

An tiefblauen Golfen und zwischen silberhaltigen Bergen gibt es nun Städte. Dies Land, größer als die Schweiz, ist leer, aber es wächst doch auch Zivilisation um rasch modernisierte Zentren. Das heiße Wasser fließt zuverlässig ins rosa gekachelte Bad, blütenreine Wäsche wartet über der weichen Matratze. Languste ist zwar in der nächsten Trattoria billiger und besser als im staatlich unterstützten Hotel; aber Telefon in alle Welt, ein eleganter, ganz italienischer Corso gegen acht, das neuste Sportmodell von Alfa Romeo und aus dem Fenster dort drüben »My Heart Belongs to Daddy« sind die Vorzüge der Zivilisationsoasen; du bist in der westlichen Welt, geschützt durch NATO und einbezogen in den vertrauten Kreis von Jazz, Frühstück mit Ei, die neuesten Nachrichten, Krawatte und den zuverlässigen Ölwechsel aller zweitausend Kilometer. Um die Ecke spielt das »Ci« (gleich Cinema) mit Michèle Morgan; der sehr, aber nun schon sehr laute Sprecher vom Platz drüben ist, wie sich glücklicherweise herausstellt, kein Agitator der KPI, der Kommunistischen Partei Italiens, sondern ein Ausschreier auf dem »Mercato di Stoffe«, und die Glocken der Chiesa läuten zuverlässig zu Frühandacht und Vesper.

Sonst nämlich, in der Campagna, sieht es mitunter so gar nicht westlich aus. Es ist das gleiche Licht, ein ähnlicher Geruch nach Hammelfleisch und Holzkohle, die Leute bewegen sich so und blicken über ihren Bärten – wie in Aserbeidschan, auf den Ägäis, an sehr heißen Tagen in Süd-Polen, in Arragonien, an gewissen osmanischen Plätzen. Da fällt das törichte Herumgeschicke des »Grand-Hotel-Kellners« durch drei amerikanische Sekretärinnen vom Hauptquartier in »Naples« ins schweigende Nichts. Immerhin signalisieren die Ladies Zivilisation, und die ist angenehm, schließlich verteidigenswert, gerade in göttlicher Wildnis, unter Palmen, Disteln, Asphodelen – in der drängenden Nachbarschaft von Nuraghen, Granitbergen, Himmel und Meer.

Sardinien, Insel hinterm Rücken der Geschichte, stolz und leer, stark und lieblich, unentdeckt und doch uralt: dein Reiz liegt darin, daß du die Welt bist am sechsten Schöpfungstage – aber zierlich gehalten von blauen Bändern aus Asphalt.

Zwischen Jungfrau und Mönch

Im Herzen Europas, denkst du, herrscht eitel Zivilisation. Vier Wochen maßvolles Wohlsein bei Alpenmilch und »Grüet Sie alle miteinand!« Doch Wildnis, verwegne, bedroht auch hier, so lernst du, humane Idylle und liebliches Gleichmaß der Ferien. Paar tausend Meter entfernt vom Kuhläuten, roten Asphalt und traulichen Giebel deines Chalets – bleckt Arktis knurrend die Zähne, ragt Eiswelt, dürftig verdeckt unter brauenden, nördlichen Nebeln.

Sie grüßten als art’ge Kulisse beim Frühstück herüber, die stummgigantischen Viertausender des Berner Oberlandes. Nun aber schnurrt auf stählernen Zahnstangen die elektrische Bahn mit dir zum Joch der meistens in Wolken gehüllten Jungfrau. Hybris, sinnst du, menschlicher Übermut, fahrplanmäßig hier U-Bahn zu fahren durch Marmormassive, den längsten Tunnel Europas hinauf zum höchsten Bahnhof des alten Erdteils (3454 m über dem Meer). Einige tausend Tonnen drücken da auf das Köpfchen, und oben ist die ozonige Luft schon recht dünn.

Polarhunde, Eskimoschlitten – das mag wohl nur fromme Prospektlegende gewesen sein. Doch leibhaftig knurrt es und grönländisch finster vom Mönch her, und wie ein Geisterzug rasselt und hechelt der Schlitten an dir vorbei, im Schneesturm, im Wolkendunst weiß. Sechs arktische Hunde, kein Zweifel, ein mähniger Mann mit Schneebrille und Urlauten am Ende und lenkend. Inmitten verloren die Schatten von drei, vier Touristen.

Da ließest du lächelnd und mählich unten in Sommer und Urlaub, bei Alpencreme-Schoko nebst allfälliger Südfrucht, die Kinderchen glücklich, die Gattin. Dreitausend Meterli knapp über ihnen west hier das Urtum, die schneidende Kälte, Gletschergefahr und wildes Getier. Wie herbestellt pfeifen finstere Dohlen schwarz und gezackt um das Berghaus.

Drinnen beim wärmenden Kaffee sieht die Sache normal aus, wenn auch noch immer bizarr. Vor den Fenstern wölkt und brodelt der weiße Ozon distanziert, der riesige Steinadler schaut griesgrämig drein – an der Wand, ausgestopft. Aber es harren die Wunder ihres Betrachters. Vor zwanzig Jahren zum Beispiel haben ein paar Schwyzer Bergmannen die Eishöhle geschlagen, von Hand, in den Gletscher, ins fünfzig Meter tiefe Eis hinein, Gänge und Nischen, einen riesigen Saal für Schlittschuhtänze, und seither steht die kalte Pracht da – unbewegt, verzaubert, denn die Temperatur ist immer frigide hier drinnen.

Oben nur taut der Schnee weg bisweilen, ewig starren Felsen und Eis. Sonne? Die sahen sie stumm wohl millionenmal kommen und sinken, bis zum Halse zugeknöpft meistens, der »Mönch« und die »Jungfrau«, die da Äonen schon nebeneinander koexistieren. Tragen die Namen zu Recht. Wie freiwillig blind kommst du dir vor in dieser weißen Finsternis. Aber warte, du wirst belohnt, es ist keine Sage, das alte Hohelied alpiner Bergschönheit. Ein lässiger Hauch gibt für Minuten den Blick frei auf die beiden Silberhörner des ungeheuren Massivs: du schauderst. Stehst, starrst und schauderst.

Das lohnt vielleicht sogar das Bohren mit Preßlufthämmern durch Jahre, bis der Tunnel stand. Manchmal sind es über zweitausend Leute pro Tag, die viele Fränkli und Rappen spendieren, um einmal im Leben trockenen Fußes einem Viertausender zum Greifen nahe zu sein. Kein Wort ist da, um die erhabene Eleganz, das ironische Blinzeln aus königlicher Unnahbarkeit wiederzugeben, mit der diese Jungfrauhörner – Diamanten auf Blau – niederglänzen zum sterblichen Pilger.

Abwärts rasselnd zum Irdisch-Gemeinen, nistet sich ein Gedanke in deinen Kopf. Das mit den Hunden, ein Jux – man fährt eine Schleife und hat sein Stück Nordpol, mitten im Sommer Europas. Das mit der Bahn, Sight-seeing, ein technischer Gag von Format. Unvergeßlich: Gipfelironie und das unendlich weiße geschmeidige Gleißen der Firne, der Schneefelder zwischen den Riesen, niemals getaut.

Die Erde, ein erkalteter Stern, ist aus Stein, Eis und Meeren. Alles Grün, alles Leben – ist es denn mehr als ein loser, ein flüchtiger Schleier, in den diese Erde sich für einen Weltraumaugenblick zu hüllen beliebt? Und der Mensch? Zwischen Jungfrau und Mönch begreift er sich nur noch als Auge, geschaffen zu warten auf jene wenigen Blicke, vor denen Natur sich enthüllt, um doch gesehen zu werden. Wozu? So fragt das Auge. Die Gipfel sind stumm.

Felix Helvetia

Eine eidgenössische Feuerwehrkapelle spielt im Pavillon am See flotte Märsche, und wie ein weißer Gänsekiel steht die berühmte Fontäne neben dem Pont du Mont-Blanc. Die Rhône fließt kühl und eilig wie immer aus dem See heraus, nach Frankreich hinunter. Noch sah ich niemanden baden. Aber in den Cafés holen sich parlierende Müßiggänger, die es hier immer in Fülle gibt, die erste Sonnenbräune.

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