Anne Richter - Fremde Zeichen
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Der Weg zum Kommunismus ist lang und steinig, das weiß jeder, der heute noch zu uns gehört. Aber war nicht die Oktoberrevolution, der Sieg der Arbeiter, der nach Gerechtigkeit hungernden Menschen über die Aristokraten, war nicht dieser Sieg, der den Sozialismus begründete, unvergleichlich schwieriger? Und hat der Kampf gegen den Faschismus von uns nicht das Äußerste an Mut und Aufopferung, an geistiger und körperlicher Kraft gefordert?
Damals, noch vor dem Machtantritt Hitlers, habe ich den Kriegsausbruch bereits geahnt und gefürchtet. Deshalb brach ich nach Prag auf, um dort meine Dissertation zu schreiben. Wie oft haben die Menschen, kaum war ein Krieg beendet, mit Schrecken an einen kommenden gedacht? Jetzt denken sie wieder daran, wobei die wirkliche Gefahr nicht von den Panzern auf dem Wenzelsplatz ausgeht, sondern von der unaufhaltsamen atomaren Aufrüstung der westlichen Länder. Seit Jahren rede und schreibe ich gegen das Dogma an, dass es ein Interesse der sozialistischen Länder gäbe, weitere Atomwaffen zu bauen, weil es ganz und gar gegen unsere Erfahrungen und die kommunistische Grundidee spricht. Die Unterdrückten sollen ein Recht auf ein Leben frei von Hunger und Abhängigkeit haben – wie lässt sich das mit den Grauen des Krieges vereinbaren? Wie mit der vollständigen Vernichtung der Menschheit?
Was die Faschisten dem sowjetischen Volk angetan haben, verpflichtet uns zu unbedingtem Beistand. Heute noch schäme ich mich, weil ich bis zum Ende des Krieges in der Wehrmacht diente. Auch mich vermochten die Faschisten in den Jahren vor Ausbruch des Krieges zum Schweigen zu bringen.
Ich habe nie erfahren, wie sie uns ausfindig machten. Jedenfalls wedelten sie, nachdem wir Papier und Stifte, die Schreibmaschine und den Vervielfältigungsapparat oberhalb der Bodenluke versteckt und zwei Genossen ihnen ganz ruhig die Tür geöffnet hatten, bereits mit einem unserer Flugblätter. Sekunden danach konnte ich meine Hände kaum noch bewegen. Mein Trommelfell schien unter ihrem Gebrüll zu vibrieren. Erst als ich in der Zelle lag, begann ich allmählich wieder Geräusche wahrzunehmen. Später wünschte ich mir oft, taub zu sein, wenn ihre Stimmen zwischen den Verhören aus den Wänden drangen. Die quäkende Stimme des großen Schwarzhaarigen, die zunächst sanft und rund anklang, dann spitze Ecken bekam, Töne wie Gewehrsalven abgab, und die schließlich, seinen scheinbaren Zorn intonierend, nahe an meinem Ohr anschwoll, so dass mein Kopf zu zerplatzen drohte. Andere wählten eine verwirrendere Reihenfolge. In den Nächten bemühte ich mich, ihre Methoden zu analysieren, und hatte dabei, trotz meiner körperlichen Schwäche, das Gefühl, stark zu sein – aber nur so lange, bis sie Rosa oder ein anderes Baby im Nebenzimmer schreien ließen. Sie zeigten mir den Säugling nicht. Wenn sie erkannt hätten, wie es mir ging, hätten sie mir ohne Weiteres die Namen befreundeter Genossen entlocken können.
Wenige Tage darauf kaufte mich mein Onkel frei und schärfte mir ein, mich künftig still zu verhalten, mich nicht abzusondern oder zu verweigern, wenn ich eingezogen werden würde.
Er sprach nie darüber, mit wem er verhandelt noch wie viel er gezahlt hatte.
An der Front erzählte ich niemandem, dass ich im Gefängnis gewesen war. Danach jedoch, während der Gefangenschaft, zeigte ich den Engländern die schmuddeligen, zerknickten Papiere, auf denen die Daten meines Gefängnisaufenthaltes vermerkt waren. Kurze Zeit darauf fuhren zwei Soldaten mit mir und einigen anderen Gefangenen nach Hamburg. Magere Bäume wuchsen zwischen dem Schutt der zerbombten Gebäude. Das Militärauto hielt vor einem höheren, unzerstörten Haus. Die beiden Soldaten händigten uns die Entlassungsscheine aus und übergaben mich zwei Administratoren, die mich in einen kleinen Raum im Erdgeschoss führten, den man mit zwei Tischen, zwei Stühlen und ein paar Spinden zu einem Büro gemacht hatte. Sie ließen mich an einem Tisch Platz nehmen, in dessen Platte Namen, Hakenkreuze und deutsche Sprüche eingeritzt waren. Der Mann, der mir erklärte, wie man Lebensmittelkarten verteilte, zuckte die Schultern: There are no other desks. Ich fragte ihn, ob er nicht wenigstens etwas darüberdecken wolle, doch dann sahen wir beide uns im Raum um und blickten durch die matte Fensterscheibe hinaus auf die über Trümmer stolpernden Menschen. Als unsere sich Blicke trafen, winkte ich ab.
Die Leute, die mit ihren Kindern fortan zu mir kamen, taten mir leid. Man sah ihnen den Hunger an. Manche Kinder fragten mich, ob ich ein Bonbon oder ein Stück Zucker für sie hätte, und ihre Mütter trösteten sie damit, dass es an diesem Abend Butter aufs Brot gebe. Weit hinten, auf der anderen Seite des Platzes, hämmerten Frauen mit kleinen Hacken aus den Trümmern Ziegel, die sie von Hand zu Hand reichten. Im Laufe der Zeit, die ich dort arbeitete, entstanden auf diese Weise drei hausähnliche Unterkünfte. Männer sah ich nur selten. Ich fragte mich jeden Tag aufs Neue, woher die Frauen die Kraft nahmen und wo ihre Kinder gerade spielten. Manchmal kamen sie zu mir herüber, sie wirkten wie in Staub eingehüllt. Ihre Gesichter und Arme waren stets von einer dünnen, pulvrigen Schicht bedeckt. Wenn sie eintraten, zogen sie ihre Wollsocken von den Händen, und ich sah die Wunden auf ihren Handflächen und an ihren Fingern.
Viele Menschen liefen gebückt und schleppend am Fenster des Büros vorüber. Erst beim Eintreten richteten sie sich auf. Nur Kinder stemmten oft beide Hände gegen die Tür und kamen hereingerannt.
Ein Dreivierteljahr später stürmten meine Kinder in den Raum. Ich erkannte sie nicht. Margret, den blonden Wildfang, sah ich zum ersten Mal, Tanja war viel schmaler, als ich sie in Erinnerung hatte. Rosa, die wie auf Stelzen hinter ihren Schwestern herlief, hätte Margrets junge Mutter sein können. Ihr Gesicht erinnerte mich vage an eine mir bekannte Person. Erst die um Jahre gealterte Johanna erkannte ich sofort.
Johanna setzte sich unvermittelt auf den steinernen Boden und weinte, sie war so knochig, dass ich meine Strickjacke auszog und ihr unters Gesäß schob. Rosa, beinahe genauso dünn, kam zu mir und blieb unsicher einen Augenblick vor mir stehen, bevor sie sich an meinen Bauch lehnte. Die beiden anderen Mädchen spielten währenddessen Fangen. Als ich Johanna fragte, ob der prall gefüllte Seesack und der kleine Koffer daneben ihr gesamtes Gepäck seien, nickte sie. Und wo sie wohnen würden? Sie nannte einen kleinen Ort in der Nähe von Bremen. Dort seien sie registriert. Mir hatten die Engländer eine Kammer in der Wohnung einer jungen Familie zugewiesen. Die Frau wartete noch immer auf die Rückkehr ihres Mannes aus der Gefangenschaft.
Nach der Arbeit schulterte ich den Seesack und nahm Tanja und Margret an die Hand. Johanna und Rosa erhoben sich mit leichtem Schwung. Im Flur des Verwaltungsgebäudes hockten Hunderte anderer Flüchtlinge. Als wir nach mehreren Stunden hereingebeten wurden, lag die Stadt bereits in einem seltsam unstädtischen, kaum durch Scheinwerfer- oder Laternenlicht unterbrochenen Dunkel. Rosa sprang vom Fenstersims, von wo aus sie schweigend die Menschen betrachtet hatte. Tanja und Margret verabschiedeten sich von einem Mädchen, mit dem sie gespielt hatten und das zum Winken die zerrissene gelbe Hand seiner Wollpuppe in der Luft hin und her bewegte.
Der Mann, mit dem ich sprach und dem ich begreiflich zu machen versuchte, dass Johanna dieselbe bevorzugte Behandlung wie ich verdiente, schüttelte den Kopf. Wo es möglich gewesen sei, hätten Familien bereits Flüchtlinge aufgenommen. Ich verlieh meinen Worten einen nachdrücklichen Ton, während er ungeduldig zur Tür sah. Als Johanna uns unterbrach, merkte ich, dass ihr Englisch ebenso gut wie früher war. Doch der Mann schüttelte wieder bedauernd den Kopf. Johanna klammerte sich an meinem Hemd fest, ehe sie mit einem Mal lautlos auf den Boden sackte. Rosa beugte sich sogleich über sie. Der Mann beeilte sich, mir die Adresse eines Arztes und eines nahegelegenen Flüchtlingslagers herauszusuchen. Rasch stellte er Johanna und den Kindern die notwendigen Papiere aus.
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