Anne Richter - Fremde Zeichen

Здесь есть возможность читать онлайн «Anne Richter - Fremde Zeichen» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Fremde Zeichen: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Fremde Zeichen»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Umfangreiche Familiensaga über drei Generationen. Einfühlsam, persönlich, präzise. Anne Richters großer Deutschlandroman gibt Geschichte und Gegenwart ein menschliches Antlitz. In ihrem Romandebüt erzählt die Teilnehmerin am Bachmann-Preis 2011 davon, wie persönliche und gesellschaftliche Brüche Menschen verändern. Sie erweist sich dabei als sensible Chronistin in unruhigen Zeiten, die das feine Netz aus unausgesprochenen Gefühlen eindrucksvoll zwischen den Zeilen zu spannen weiß.-

Fremde Zeichen — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Fremde Zeichen», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Unten an der Straße standen ein paar Männer vor einem schwarzen Auto und handelten mit Zigaretten. Ich fragte sie, ob einer von ihnen uns zu dem Lager am Stadtrand fahren könne, doch sie stiegen eilig ins Auto. Johanna kam mir, von Rosa gestützt, entgegen und bat mich leise und eindringlich, sie und die Kinder für eine Nacht bei mir einzuquartieren. Ich sagte ihr, dass ich auf diese Weise riskiere, meine eigene Unterkunft zu verlieren. Schließlich hielt ein Militärauto vor dem Gebäude, dessen Fahrer ich überredete, uns mitzunehmen. Wir fuhren an Ruinen vorüber, zwischen denen einzelne Gestalten durch die Dämmerung huschten, bis die Straßen in Sandwege übergingen, die in großen Abständen von Hütten gesäumt waren. Der Sand wirbelte auf, als der Fahrer bremste. Ich erkannte flache aneinandergereihte Baracken, deren Fensterrahmen hell leuchteten. Gegen Mitternacht lief ich allein zurück zu meiner Unterkunft.

Ich besuchte Johanna und die Mädchen jeden Tag. Stapfte über die bei regnerischem Wetter aufgeweichte Erde zu der morschen Holzbaracke, begrüßte höflich die anderen Familien und nahm auf einem der beiden Stahlrohrbetten Platz, die man meiner Familie zugeteilt hatte. Man lebte in stillem Respekt nebeneinander, flüsterte, wenn es möglich war, ermahnte die Kinder, nicht oder nur draußen zu toben. Die Wände waren geschwärzt von Schimmel und Ruß. Wenn die Sonne schien, lief ich mit den Kindern auf dem Lagergelände umher, wo wir Steine, Hölzer und Grashalme zum Spielen sammelten. Einmal brachte ich Johanna eine Waschschüssel mit, ein Geschenk der mich beherbergenden Familie, damit sie die Wäsche nicht länger in ihrem winzigen Kochtopf zu waschen brauchte. Später kümmerte ich mich um Lebensmittelkarten. Jedes Mal, bevor ich zu meinem Zimmer zurückging, drückte Johanna mich, als ob sie nicht sicher wäre, dass ich noch einmal zurückkäme. Während ihre Umarmungen von Tag zu Tag fester und länger wurden, schien ihre Kraft für alltägliche Verrichtungen stetig zu schwinden. Sogar das Aufstehen bereitete ihr Mühe, und ihr Gang glich dem einer alten Frau.

Nach einigen Wochen sagte Johanna, es sei besser, die Kinder vorübergehend in ein Heim zu schicken, wo sie vielleicht reichlicher zu essen und ein paar Kleider bekämen. Sie habe sich bereits kundig gemacht und erfahren, dass es in der Nähe von Hamburg ein vom Schweizer Roten Kreuz betriebenes Heim gebe, dessen Gebäude unversehrt sei und das gegen ein geringes Entgelt noch Kinder aufnehme. Obwohl es mir ungeheuerlich erschien, die Kinder so kurz nach ihrer Wiederkehr fortzugeben, widersprach ich ihr nicht. Außerdem reichte mein Geld gerade, um ihnen die Barackenmiete zu bezahlen. Als ich an diesem Tag das Lager verlassen wollte, zerrte Margret schreiend an meinen Hosenbeinen. Die Kraft und Beharrlichkeit, mit der sie sich festkrallte, verhinderten, dass ich mich unauffällig aus ihrem Griff lösen konnte. Unmittelbar neben den Kindern erwachte ein älterer Mann aus dem Schlaf und richtete sich auf. Er fasste Margret schroff am Oberarm und blickte ihr drohend ins Gesicht. »Wenn du nicht still bist, sperre ich dich da rein«, sagte er und deutete auf einen kleinen verschlissenen Lederkoffer. Margrets Schreien verwandelte sich in erschrockenes Weinen. Ich drückte sie kurz an mich und ging hinaus.

Am nächsten Tag verstaute ich einige Lebensmittel in einer Tasche, ging zum Lager, erklärte Rosa die Zugstrecke, gab ihr den Zettel mit der Adresse in die Hand, ermahnte sie, gut auf die Kleinen Acht zu geben, und, falls die Fahrt sich verzögern würde, für die Nacht eine sichere Unterkunft zu suchen. Rosa nickte schwach, keine Träne, kein Widerspruch. Johanna und ich versprachen den Kindern, sie bald von dort abzuholen. Die Kleinen tappten hinter Rosa her, ohne sich umzudrehen.

Ich besuchte Johanna wie bisher täglich nach der Arbeit, sie sprach wenig, erwähnte bloß, dass sie inmitten der fremden Menschen unruhig schlafe. Ich erzählte ihr nicht, dass ich beinahe jede Nacht davon träumte, kilometerweit verfolgt und schließlich erschossen zu werden, wobei ich jedes Mal im Moment des Schusses erwachte, taub für andere Geräusche als den Knall und das eigene Schreien. Ich träumte von Johannas Erschießung, von Rosas, Tanjas und Margrets, träumte von verstümmelten Körpern und Blut, das statt Regen vom Himmel fiel, und wenn ich schweißgebadet erwachte, war ich froh, dass ich aufstehen und arbeiten gehen konnte.

Mehrere Monate vergingen, bis ich mich um einen Lehrauftrag für materialistische Philosophie an einer Thüringer Universität bewarb. Zum Wintersemester wurde er mir erteilt. Man schrieb mir, dass die Universität sich um eine Einreisegenehmigung in die Ostzone kümmern würde. Johanna verfasste einen Brief an die Kinder und einen an die Leiterin des Kinderheims, in dem sie darum bat, die Kinder auf möglichst sicherem Weg zurückzuschicken. Als die Leiterin des Kinderheims uns den voraussichtlichen Ankunftstag der Kinder mitteilte, übertrug ich dem anderen Angestellten im Büro meine Aufgaben und eilte gemeinsam mit Johanna zum Bahnhof. Es war ein heller, warmer Tag im Frühherbst. Ich wusste nicht, ob Johanna, die sich auf dem Weg zum Bahnhof bei mir einhakte und umso mehr an mich lehnte, je näher wir dem Bahnhof kamen, sich auf die Kinder freute. Ihr Gesichtsausdruck blieb überraschend unbeteiligt.

Die Kinder stiegen aus keinem der eintreffenden Züge. Johanna meinte, dass es wohl, wie häufig, Unterbrechungen gegeben haben müsse, ich aber rannte auf dem Bahnsteig hin und her und fragte die Leute, ob sie von unseren Kindern oder einem Zugunglück gehört hätten.

Sie kamen am nächsten Morgen mit einem Zug aus dem Norden, zu dritt, wie ich sofort erleichtert feststellte, und wirkten gepflegter und kräftiger als bei ihrer Abreise. Johanna und ich hatten die Nacht in der Bahnhofshalle verbracht. Tanja und Margret blickten nicht nur mich, sondern auch Johanna an, als wären wir Menschen, die sie vor längerer Zeit einmal gekannt hatten. Rosa dagegen berichtete knapp, dass sie sich verfahren hätten, und ihr Körper blieb steif, als ich sie umarmte. Wir erzählten den Kindern, dass wir bald in eine gemeinsame Wohnung ziehen könnten, doch keines der Mädchen gab eine Antwort.

Wie sich die Stadt verändert haben muss! Nein, ich meine Prag mit seinen wunderbaren Gassen, Brücken, seiner unverwechselbaren Geschichte. Wie gut es den Menschen jetzt geht, in ihren warmen Wohnungen, in neu errichteten, schmucklosen Häusern, die vielleicht ein wenig merkwürdig aussehen neben den Häusern der Jahrhundertwende. Doch über Schönheit werden wir nachdenken, sobald keiner mehr den Pfennig umdrehen muss.

In welch winzigem Zimmer ich als Student zur Untermiete wohnte! – während die über zwei Etagen verfügenden Hausbesitzer allabendlich in ihren hohen, weitläufigen Räumen zum Dinner einluden. Auf dem Stadtplan habe ich gesehen, dass das Haus den Bombenangriffen zum Opfer fiel.

Ich verstehe nicht, was die Menschen in Prag auf die Straße getrieben hat. Warum sie nicht zu Opfern bereit sind. Nicht begreifen, dass man nichts geschenkt bekommt. Dass die härtesten Jahre zwar hinter uns liegen, wir jedoch dem Feind in die Arme laufen, wenn wir das Ziel aus den Augen verlieren. Dass die von ihnen gewünschte Freiheit nur etwas für eigensüchtige Menschen und am Ende auch nur dem Gesetz des Stärkeren unterworfen ist.

Freilich müssen wir miteinander diskutieren und abweichende Meinungen anhören, doch soll wirklich jeder öffentlich herausschreien dürfen, was ihm einfällt, in Momenten der Geistesgegenwart oder der Verwirrung, der tiefen Niedergeschlagenheit oder der höchsten Freude, des unberechenbaren Zornes oder der uneingeschränkten Nachsicht mit seinen Mitmenschen – in welcher unserer schwankenden Gemütsverfassungen auch immer?

Ich habe selbst das Verletzende einer solch offenen Atmosphäre gespürt, als eine westdeutsche Hochschulgruppe mich vor mehr als zehn Jahren einlud, über den historischen Materialismus zu referieren. Nur junge Leute im Hörsaal, die stürmten und drängten, wie es der jungen Generation eigen ist, und Fragen stellten, die mich, um ehrlich zu sein, in eine Zwickmühle brachten. Ich hatte einen Auftrag zu erfüllen. Fragte ich deshalb gekränkt nach dem Grund meiner Einladung? Auf der Heimfahrt war ich froh, ihren Fragen ausgewichen zu sein, hätte es mir doch wie anderen Philosophen ergehen können, die sich unvorsichtig und wenig loyal verhielten. Natürlich widerstrebte mir die Festnahme von Kollegen, die ich als Kommunisten und Antifaschisten kannte, aber ich fragte mich auch, wieso sie dieses Risiko eingingen und ihre Kritik nicht zurückhaltender formulierten. Standen sie tatsächlich noch auf unserer Seite?

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Fremde Zeichen»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Fremde Zeichen» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Fremde Zeichen»

Обсуждение, отзывы о книге «Fremde Zeichen» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x