Anne Richter - Fremde Zeichen

Здесь есть возможность читать онлайн «Anne Richter - Fremde Zeichen» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Fremde Zeichen: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Fremde Zeichen»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Umfangreiche Familiensaga über drei Generationen. Einfühlsam, persönlich, präzise. Anne Richters großer Deutschlandroman gibt Geschichte und Gegenwart ein menschliches Antlitz. In ihrem Romandebüt erzählt die Teilnehmerin am Bachmann-Preis 2011 davon, wie persönliche und gesellschaftliche Brüche Menschen verändern. Sie erweist sich dabei als sensible Chronistin in unruhigen Zeiten, die das feine Netz aus unausgesprochenen Gefühlen eindrucksvoll zwischen den Zeilen zu spannen weiß.-

Fremde Zeichen — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Fremde Zeichen», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Im darauffolgenden Jahr feierte er als einer der Ersten aus dem Dorf Jugendweihe, woraufhin der Pfarrer ihm verbot, die Dorfkirche jemals wieder zu betreten.

Hans schaute vom Gartentor zu den Streifen klumpiger Erde hinüber, auf denen im kommenden Jahr wieder Kartoffeln und Rüben wachsen würden. Neben den beiden braunen Beeten blühten dunkelrote und gelbe Chrysanthemen, dahinter sah Hans die drei kleinen Johannisbeersträucher, deren Früchte er an unzähligen Sommertagen in Tassen, Kannen oder Töpfe gepflückt hatte. Eigenartig, dass die Mutter als Erste vorschlug, er solle fortgehen in die Stadt. Manchmal zog es ihn tatsächlich an einen anderen Ort, keinen bestimmten – aber hätte er von allein die Wälder, diesen Garten, die Tiere, das Haus verlassen? Die Mutter sagte, wenn er so gut in der Schule sei, müsse er die Oberschule besuchen und später studieren. Vielleicht komme er ja eines Tages gemeinsam mit seiner Frau zurück. Auch im Dorf brauche man Ärzte und Ingenieure. Der Vater pflichtete ihr bei: Er habe das Zeug zu einem Studierten.

Hans lief langsam zurück zum Hauseingang. In der Wohnküche bereitete die Mutter mit ernstem Gesicht das Abendessen, derweil der Vater eine von ihren Socken stopfte und vor sich hin pfiff. Hans schloss die Küchentür hinter sich und stieg die knarzenden Stufen zur zweiten Etage hinauf. Auf dem Stallboden lag das Heu wie abgeschnittene Haare eines fremden Lebewesens. Als er das zweite Bündel griff, fiel sein Blick auf die Esse am Rand des Dachbodens. Vielfach war in seinen nächtlichen Träumen ein loderndes Feuer ausgebrochen, welches durch das in der Nähe des Schornsteins gelagerte Heu entzündet worden war und sich über das ganze Haus – das einzige Hab und Gut ihrer Familie – ausgebreitet hatte. Eilig schloss Hans die Luke zum Dachboden. Unten musste er, nachdem er den ersten Kaninchenstall geöffnet hatte, das Futter in einer hinteren Ecke des winzigen vergitterten Kastens platzieren, damit das Kaninchen nicht heraussprang. Einmal mit Fressen beschäftigt, würde es die Enge nicht mehr stören, ebenso wie die anderen Kaninchen, die Hans nacheinander fütterte. Ohnehin würden sie alle früher oder später geschlachtet werden.

In der Wohnküche dampften Kartoffelklöße in einer weißen Schüssel auf dem Tisch. Der Duft von Kaninchenfleisch erfüllte den Raum. Hans’ Blick fiel auf den kleinen Abreißkalender über dem Sofa. Viel mehr Blumen während des Lebens / denn auf den Gräbern sind sie vergebens. Heute war Donnerstag. Als Hans jedoch sah, mit welcher Freude der Vater aß, wie er das Essen pries, die Mutter lobte, vom Krankenhaus erzählte und lachte, war er der Mutter für die Mahlzeit dankbar, wenngleich er selbst kaum etwas essen konnte. Vor einigen Tagen hatte ihm die Stille den Appetit verdorben. Nun erfüllte das Lachen des Vaters die Küche. Auch das Haus sprach zu ihm, mit unheimlichen, lange vergessenen Stimmen.

Die Mutter erhob sich zuerst und drehte den Abwaschtisch mit den beiden Emailleschüsseln aus dem Küchenschrank heraus. Sie füllte den Wasserkessel, griff nach den Streichhölzern, und als der Kessel nach wenigen Minuten pfiff, goss sie kaltes Wasser in die linke Emailleschüssel und heißes Wasser aus dem Kessel dazu. Dann umfasste sie die Lehne des Stuhls, auf dem der Vater saß, winkte Hans zu sich, und sie schoben den Vater gemeinsam an das Abwaschbecken heran. Hans griff nach einem mit Schaum überzogenen Teller, den der Vater in die rechte Schüssel legte, und rieb ihn mit dem Geschirrtuch trocken.

Später schaute der Vater auf dem Sofa liegend fern. Die Mutter ruhte sich einen Moment aus, und Hans setzte sich zu ihr an den Esstisch. Nach kurzer Zeit stand sie wieder auf. Hans fragte sie, ob sie von den Jungen gehört habe, mit denen er einst zum Ziegenhüten gegangen war. »Sie wohnen noch im Dorf«, antwortete die Mutter und deutete mit ihren Armen in einander entgegengesetzte Richtungen. »Einer arbeitet vorn im Werk, der andere in der LPG.« Als ob die Mutter seine Überlegung erraten hätte, sagte sie zu Hans: »Sie haben beide kleine Kinder, du kannst um diese Zeit nicht mehr hingehen.« Und beiläufig, während sie mit dem Lappen über den Herd wischte, fragte sie mit Seitenblick auf Hans: »Bei euch noch nichts in Sicht?«

Hans wurde rot und schüttelte den Kopf. Er bat die Mutter, ihn zu rufen, sobald der Vater zu Bett gehen wolle. Oder der Vater könne selbst nach ihm rufen, dann brauche sie nicht wach zu bleiben. Während Hans sich durch die Tür drückte, um zur zweiten Etage hinaufzusteigen, flüsterte die Mutter ihm zu, dass sie gern mehr Kinder gehabt hätte.

Er hatte mit Margret nicht über Kinder geredet. Sie würden wohl irgendwann kommen. Manchmal wehrte Margret ihn ab, dann hatte sie sicher ihre Tage – oder Angst, schwanger zu werden. Er wusste nicht, welche die passenden Worte waren. Lieber respektierte er, dass sie nicht mit ihm schlafen mochte. Als er sie in ihrer Hochzeitsnacht das erste Mal nackt gesehen hatte, wäre er gern davongelaufen. Geschlafen hatten sie nicht miteinander, Margret hatte ihn stattdessen zugedeckt und ihren Kopf in seine Achselhöhle gedrückt, bis sein Zittern nachgelassen hatte. Trotz unzähliger Versuche schliefen sie erst Wochen später miteinander. Danach dauerte es lange, ehe Margret, nun zitterte sie, sich ihm wieder öffnete.

Hans sprang auf, als die Mutter ihn rief. Unten empfing ihn die wohltuende Wärme der Wohnküche. Die Mutter half dem Vater, sich aufzurichten, derweil Hans einen Stuhl vor das Sofa schob, sich darauf setzte und seinen Rücken rund machte. Nachdem der Vater seine Arme von hinten um Hans’ Hals gelegt hatte, stand Hans auf und trug den Vater hinüber ins aufgeschlagene Federbett. Nie vergaß der Vater, wenn er zur Zimmerdecke blickend im Bett lag, sich zu bedanken. Auf dem weißen Laken wirkten seine dürren Beine grau. Hans deckte den Vater zu und wünschte eine gute Nacht, ehe die Mutter wie mit letzter verbleibender Tageskraft die Schlafzimmertür hinter sich verschloss.

Obwohl das Haus hellhörig war, vernahm Hans zehn Minuten später lediglich das rasselnde Schnarchen des Vaters. Bevor er morgen aufbrechen und zurück in die Stadt fahren würde, wollte er sich bei Tageslicht auf die weite Wiese stellen, auf der damals die Ziege gegrast und er mit den Jungen Kopfball gespielt hatte, und den Wind im Rücken spüren, der ihm das Haar zerwühlte. Über die zum Wald hin sanft abfallende Wiese, an den Moosen, Bächen und abgebrochenen Ästen vorüber würde er gern eines Tages mit Margret wandern, so wie sie einst auf dem Gut spazieren gegangen waren. Der durch die Luft fliegende schmutziggelbe Gummiball kam ihm in den Sinn, die an der schmalen Straße stehende Mutter, die ihn zum Haus des Großvaters zurückrief, die weiße Ziege, die meckernd neben ihm trottete, der Vater, der immer öfter zu Hause saß, weil ihm die Beine nicht mehr gehorchten, und schließlich sah er verschwommen und schemenhaft auf der anderen Seite des Waldes ein katzenähnliches Wesen von unbestimmbarer Farbe.

Schützender Panzer

Friedrich · 1968

Noch ist die durch das Fenster meines Arbeitszimmers eindringende Luft kühl. Vom Garten her meine ich den Duft der Sauerkirschen, die Marie in den kommenden Tagen ernten wird, wahrzunehmen, einen Hauch, schwach gegen das gläserne Rot der Früchte im Morgenlicht.

Ich drehe den Radioknopf im Uhrzeigersinn, die ruhige Stimme des Sprechers wird lauter. Obwohl es erst acht Uhr ist, hat das Telefon heute bereits mehrere Male geklingelt. Man sagte mir, ich solle mich darauf einstellen, dass es Unruhen an der Universität geben könne, und die Namen der Studenten mit abweichlerischen Meinungen notieren.

Auf meine Vorlesung brauche ich mich nicht vorzubereiten. Ich weiß, was ich sagen werde, auch wenn ein Student eine unerwartete Frage stellt. All diese Siege hätten wir nicht ohne die Sowjetarmee errungen. Wir sollten sie nicht verhöhnen oder beschimpfen, wie es im Westen derzeit Mode ist, sondern ihr unser Vertrauen entgegenbringen. Wie kann der Westen die heutige Situation mit der damaligen vergleichen, wie einen Krieg orakeln – ohne von Schuld, von Gerechtigkeit zu sprechen? Wie die menschenverachtende Ideologie des Faschismus mit der Idee der Befreiung des Menschen von Ausbeutung durch den Menschen gleichsetzen?

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Fremde Zeichen»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Fremde Zeichen» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Fremde Zeichen»

Обсуждение, отзывы о книге «Fremde Zeichen» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x