Anne Richter - Fremde Zeichen
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Ich wusste, dass es in der Macht meines Vaters stand, mich gegen gehässige Bemerkungen anderer Menschen zu schützen, indem er Strafen verhängte. Er könnte mit Leichtigkeit herausfinden, wer sich über mich lustig gemacht hatte, und denjenigen zu einem Gespräch bitten. Danach würde die Angst dem Spötter den Mund verschließen.
Doch ich wollte meinen Vater nicht um Hilfe bitten, weder in dieser noch einer anderen Angelegenheit. Wenn ich ohne meinen Vater auskäme, bliebe mir mein Stolz erhalten und der Hass der Landarbeiter erspart.
Im Winter wurde die Erde hart. Morgens gegen drei Uhr tappte ich benommen hinüber zum Kuhstall, stieß die schlafenden Kühe mit einem Stock gegen ihr Hinterteil und rief sie bei ihren Namen. Ihre schweren Leiber fühlten sich warm an. Gemeinsam mit einer Landarbeiterin und einer Studentin fütterte ich die Tiere, ehe wir den Stall ausmisteten, neu einstreuten und sie zum Melkstand im Hof führten. Während ich einige empfindsame Kühe mit der Hand molk, dachte ich oft an die zarten Kälber im gegenüberliegenden Stall, an ihr leises Muhen und ihren Durst. Vielleicht könnte ich nachher einen Blick in ihren Stall werfen. Ich wünschte mir, dass die Sonne bereits aufgegangen wäre, wenn ich die Kühe verließ, und dass es ein heller Tag werden würde.
Abends nach der Arbeit wanderte ich nun regelmäßig ein Stück durch die Umgebung des Hofes. Meine Augen gewöhnten sich bald an das schwache Licht, so dass ich von Mal zu Mal die Konturen der Landschaft besser erkannte, die Wege, Bäume, Wiesen und Zäune um Weideflächen mühelos unterschied. Eingehüllt in Mantel und wollenen Schal verbündete ich mich mit der Winterluft, den schlafenden Pflanzen und Tieren, an manchen Tagen mit dem leuchtenden Schnee gegen die Dunkelheit.
Eines Abends erblickte ich am Rand einer Weidefläche die Silhouette eines Menschen, der dort in leicht gebeugter Haltung verharrte, die Hände auf dem Rücken verschränkt. Als ich näher kam, drehte er sich zu mir um. »Die Luft«, sagte er zur Begrüßung, »ist hier am Abend wie bei mir zu Hause.« Ich kannte das Gesicht des jungen Mannes, er arbeitete ebenfalls auf dem Hof. Ich fragte ihn, wo er herkomme, und er nannte ein Dorf, das in der Nähe des Internats liegt. Ich erzählte ihm, wo ich zur Schule gegangen war und wie gern ich mich an diese Zeit erinnerte. Erstaunt murmelte er, dass sonst niemand hier sein Dorf kenne. Wir schwiegen einen Moment, ehe er sagte, dass er manche Arbeiten bereits als Kind erlernt habe: die Ernte einbringen oder Ziegen melken. Ich nickte und wunderte mich darüber, dass auch er mich auf dem Hof wahrgenommen hatte. Er fuhr fort zu erzählen, dass er hier sei, um vor dem Studium sein Wissen zu vertiefen, dass er auf seinen Spaziergängen im Frühherbst, als es noch hell war, Pflanzen an den Feldrändern gepflückt und ein Herbarium angelegt habe, dass ihm der Winter nichts ausmache. Ich rieb meine Hände aneinander, formte aus ihnen zwei kleine Höhlen und hauchte hinein. Wir waren nicht mehr weit vom Hof entfernt, als er mir seine Handschuhe anbot. Ich zögerte. Dann glitten meine Hände in die vorgewärmte Wolle.
Im Licht der niedrigen, staubigen Hoflaterne bemerkte ich, dass er auf dem linken Auge leicht schielte und unter meinem betrachtenden Blick errötete. Obwohl er nicht sehr sportlich und für die harten bäuerlichen Arbeiten wenig geeignet wirkte, war mir seine Gegenwart angenehm, gerade weil seiner Sprache und seinen Bewegungen das Raue, Burschikose fehlte. Als wir einander gute Nacht sagten, fragte er mich, wie ich heiße, und nachdem ich ihm meinen Namen verraten hatte, nannte er mir seinen, Hans, und fügte hinzu, dass die Frauen in seinem Dorf weniger klangvolle Vornamen als ich trügen. Mehrere Jahre sind seit diesem Abendspaziergang vergangen. Hans hat mir geholfen, das Jahr auf dem Gut zu überstehen, ohne mich ganz von den anderen abzusondern.
In den letzten Praktikumswochen dachte ich wieder häufig an meine Schulzeit zurück und empfand ein unerhörtes Bedürfnis zu lesen, mich endlich wieder in Bücher zu versenken. Ich suchte in der kleinen Bibliothek neben dem Speisesaal nach Büchern, die nichts mit Landwirtschaft zu tun hatten, und las, auf der Holzbank am Hofeingang sitzend, Werke von Seghers und Borchert, von Marx, Lessing, Büchner und Schiller. Wenn Lehrlinge oder Landarbeiter vorübergingen, versuchte ich, ihre Bemerkungen zu überhören. Am Ende des Praktikums entschied ich, dass ich Deutschlehrerin werden wollte.
Danach sah ich Hans ab und an in der Universität, wir redeten ein paar Worte miteinander, bis wir uns im vergangenen Jahr, es war ein sehr klarer, frühlingshafter Tag Ende Februar, bei einem Spaziergang durch den Botanischen Garten begegneten. Wir gingen nebeneinanderher wie einst. Hans erklärte mir die Namen der Bäume und Blumen und pflückte, als wir den Botanischen Garten verlassen hatten, für mich auf einer Wiese einige Gänseblümchen mit winzigen, zarten Blüten. Ich bedankte mich, indem ich ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange gab, so wie Rosa früher oft im Vorübergehen meine Wange mit ihren Lippen gestreift hatte.
Später sprachen wir über Gedichte, die wir mochten, über unser Studium und über die Gründe, aus denen wir beide zeitig in die Partei eingetreten waren. Hans sagte, wir hätten in unserem Land eine besondere Aufgabe zu erfüllen, und ich nickte. Er begleitete mich bis zu meiner kleinen Wohnung, in die ich zu Beginn meines Studiums eingezogen war, nahm mit einer unbeholfenen Bewegung seine Brille ab und küsste mich in der schützenden Dunkelheit des Abends. Noch immer, wenn ich ihn jetzt tagsüber umarme oder küsse, errötet er, und obwohl ich es ihm mehrmals anbot, ist er bis jetzt nicht ein Mal über Nacht geblieben.
In zwei Jahren wird er mit dem Studium fertig sein, und dann, vielleicht auch eher, wollen wir heiraten und uns eine gemeinsame Wohnung suchen, die wir mit frischen und getrockneten Blumen schmücken werden.
Kurz vor dem Besuch meines Vaters im letzten Jahr habe ich Hans meinen Eltern einmal vorgestellt, doch wir blieben nur eine knappe Stunde. Damals fuhr ich noch gelegentlich mit der Straßenbahn zum Elternhaus, ertrug das Schweigen meines Vaters und das Zetern meiner Mutter, die ich für ein paar Stunden umsorgte wie ein guter Ehemann. Jedes Mal war ich auf eine Weise froh, wenn ich ankam, und auf eine andere, wenn ich ging.
Ich zeigte Hans unseren Garten, und wir küssten uns an der Stelle neben der Hausmauer, wo Rosa häufig gestanden hatte. Zum ersten Mal seit langem sah ich wieder Eichhörnchen die Baumstämme hochflitzen und von Baum zu Baum springen. Wie Kinder sammelten wir, bevor wir aufbrachen, die Haselnüsse unter dem alten Strauch ein. Hans entdeckte eine blauschwarze Vogelfeder, die er bewundernd betrachtete, einem Eichelhäher zuordnete und schließlich vorsichtig in seine Jackentasche steckte. Zu Hause legte er sie auf meinen Schreibtisch neben meine kleine gläserne Blumenvase, und wenn später zuweilen Sonnenlicht auf die Vase fiel, schien auch die Feder ein wenig zu schillern. Die Haselnüsse mahlte ich in meiner kleinen Kaffeemühle und rührte sie in den Teig ein, aus dem ich Hans und mir einen Kuchen buk. Am Abend ging Hans wie immer fort, und ich beschäftigte mich mit einem Buch für Schüler der Oberstufe.
Heute denke ich, dass es vor allem darum geht, die richtige Lektüre für unsere Schüler auszuwählen. Bücher, die ihnen verdeutlichen, wie sie unsere Gesellschaft mitgestalten können. Man muss auch bei denjenigen, die selten lesen, ein Interesse für die Zukunft wecken, der unser Land entgegenstrebt, indem es sich vom Vergangenen abgrenzt. Die Jugendlichen kennen noch die Armut, doch nicht den Krieg. Für sie sind Bücher geschrieben worden, die davon, aber auch vom Heute und Morgen erzählen.
Sehe ich die Schüler vor mir, einige mit gelangweilten Gesichtern, andere aus Elternhäusern, in denen Vergangenes verschwiegen wird, fürchte ich, sie mit meiner Botschaft nicht zu erreichen. Was sage ich ihnen, wenn sie von den modischen Kleidern ihrer Verwandten schwärmen, von der Musik, die Gleichaltrige auf der anderen Seite der Mauer hören? Dass sie, wenn sie mithelfen, in ein paar Jahren die gleichen Vorzüge genießen werden? Wohlstand bedeutet mir wenig. Und wenn alle Fragen ausbleiben? Andere Menschen anschreien, wie meine Mutter, die vor dem Krieg auch Lehrerin war, möchte ich nicht.
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