Anne Richter - Fremde Zeichen
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Vielleicht würde in der Ferne alles seinen Sinn bekommen, hatte Sonja schließlich gedacht.
Rechts, wo der weiße Kieselsteinstrand verlief, rannten mehrere Kinder ungestüm in Sonjas Richtung, bald auf den trockenen kreidigen Steinen, bald mit den Füßen im Wasser. Sonja würde nach der Geburt des Kindes wieder hierherkommen, weil es ein Ort war, an dem sich Kinder jenseits der großen Straßen ungehemmt bewegen konnten, kein vollkommen stiller, doch ein friedlicher Ort, auch zum Rückzug nach einem heftigen Streit mit Laurent geeignet.
Obwohl das Kind seit einer Weile unablässig gegen Sonjas Bauchdecke stieß, empfand sie nun zum ersten Mal einen leichten Schmerz rechts neben dem Nabel. Spürte es, wenngleich Sonja weder gesprochen noch ihre Sitzhaltung geändert hatte, ihre tiefe Beunruhigung? Darüber, dass kein Tag verging, ohne dass sie Laurent, mit dem sie gemeinsam das Kind großziehen wollte, bekämpfte.
Die fremden Kinder, sie waren vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, spielten jetzt in ihrer Nähe, bemüht, aus dem Kieselsteinsand Burgen und Wälle zu bauen, die, von unbeständiger, haltloser Form, sogleich zusammenbrachen. Daraufhin fuhren sie mit kleinen Kreidesteinen über ihre Waden und Füße, als ob sie etwas darauf zeichnen wollten. Weil nur rote Striemen sichtbar wurden, warfen sie die Steine mit lauten Rufen ins Wasser und wetteiferten, wessen Stein am weitesten flöge.
Sonja versuchte sich vorzustellen, wie ihr eigenes Kind in ein paar Jahren mit anderen Kindern spielte. Es gelang ihr nicht, dem Ungeborenen ein Aussehen zu verleihen. Stattdessen sah sie sich selbst, die nun Erwachsene, wie aus früheren Fotografien herausgelöst und in eine andere Umgebung versetzt.
Sie warf noch einmal einen Blick auf die Linie, die hellblau oder meeresblau sein konnte. Dann zog sie ihre Strümpfe und Schuhe wieder an, stand vorsichtig auf und verschränkte die Hände kurz unter ihrem Bauch, ehe sie dem Meer den Rücken zuwandte und mit den Füßen tastend über die allmählich flacher werdenden Steine in Richtung der Küstenstraße ging.
Kommunistenzicke
Margret · 1965
Heute Morgen begegnete ich meinem Vater im Hof der Universität. Unsere Schritte hallten im Karree der jahrhundertealten Gemäuer. Mein Vater wich meinem Blick aus, bis wir voreinander stehen blieben, uns verlegen musterten und er mich schließlich fragte, wie meine Prüfungen liefen und was ich in den Semesterferien vorhabe. Ich erzählte ihm, dass ich mit Hans gemeinsam eine kleine Reise plane.
Die Wut, die sein verständiges, unzugängliches Nicken einst hervorgerufen hatte, war verflogen. Ich nahm es hin, dass mein Vater weder Überraschung zeigte noch nachfragte, wohin wir reisen wollten.
Auf seiner Stirn zogen sich die beiden vertrauten Linien zu seinen Augen hin, die seinem Gesicht – wie ein Student mir gegenüber einmal behauptet hatte – den Ausdruck fortwährender Nachdenklichkeit verliehen. Seine sorgfältig gepflegte Kleidung erinnerte mich an Marie, die Haushaltshilfe, die ihm die Hemden und Krawatten bügelte, seine Fliegen zurechtzupfte, an ihr selbstbewusstes Stapfen durch unser Haus, ihr leises Ächzen beim Putzen der Badewanne und den Geruch nach Reinigungsmittel. Mein Vater hingegen roch nach süßlichem Pfeifentabak, ich schloss kurz die Augen und schwankte, weil ich müde vom nächtelangen Lernen war und weil sich mir Erinnerungsbilder aufdrängten.
Um unser Schweigen zu brechen, fragte ich ihn nach meiner Mutter. Er erwiderte, dass es ihr ganz gut gehe. Als er verstohlen auf seine Armbanduhr schaute, drehte ich mich um und hob meinen Kopf zu der großen Uhr am Turm des Universitätsgebäudes. Er schien es nicht zu bemerken. Beim Abschied streckte er mir seine Hand entgegen, die merkwürdig ungelenk und ohne Spannung in der Luft hing. Sie war warm, und ich konnte die Hornhaut auf seinen Fingerkuppen spüren.
Als ich wieder allein auf dem Hofplatz stand, suchten meine Augen die Fenster nach Zeugen unserer Begegnung ab. Erleichtert schweifte mein Blick weiter zum mittäglich hohen Himmel, an dem ein Mauersegler kreiste. Mir schwindelte erneut, so dass ich den Blick auf die Pflastersteine hinabsenkte und ein paar Schritte bis zur Wand des Universitätsgebäudes ging. Der flüchtige Geruch des Pfeifentabaks begleitete mich.
Was ist das für ein Mensch?, fragte ich mich, gegen die Mauer gelehnt. Vergangenen Herbst habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass er mich als sein Kind erkennt, mir Gedanken, gar Empfindungen widmet. Bei meinem letzten Versuch, ihn aus seiner Höhle zu locken, sprang er tatsächlich heraus, doch nur, um mich, den Angreifer, mit misstrauischem Knurren zu vertreiben und sich anschließend wieder in seinen Bau zurückzuziehen.
Während seiner Vorlesung für Hörer aller Fakultäten, die ich von Zeit zu Zeit besuchte, setzte ich mich gewöhnlich in eine der hinteren Reihen. An jenem Tag aber fand ich nur noch einen Platz in der Mitte des Hörsaals. Mein Vater sprach über die Aufgaben der jungen Generation bei uns und in Westdeutschland, über Bücher, die helfen könnten, diese Aufgaben zu erfüllen. Die jungen Leute, insbesondere im Westen, müssten lernen, gegen die Generation ihrer Eltern aufzubegehren und die faschistische Vergangenheit in Frage zu stellen. Die meisten Studenten beugten sich über ihre Hefter oder starrten meinen Vater unverwandt an. Obwohl ich die politischen Ansichten meines Vaters gut zu kennen glaube und sie sogar meist teile, reizte es mich in dem Moment, ihm zu widersprechen.
Meine Vermutung, dass mein Vater mich bislang in seiner Vorlesung nicht bemerkt hatte, schien sich zu bestätigen, als ich meinen Arm hob und langsam aufstand. Es erfüllte mich mit Genugtuung, dass ihn meine Anwesenheit beunruhigte. Seine glatte, stets rasierte und blasse Gesichtshaut rötete sich, er drehte sich vom Pult weg und lief einige Schritte in Richtung des hinteren Ausgangs, als ob er aus dem Saal flüchten wollte. Kurz bevor er die Tür erreichte, machte er überraschend kehrt, legte seinen Kopf in den Nacken und forderte mich mit einer unmerklichen Handbewegung zum Reden auf. Ich erschrak, errötete ebenfalls und sagte, mit starrem Blick zur hinteren Ausgangstür, dass ich nicht wisse, egal unter welchen Umständen, ob ich mit meinem Vater brechen könnte. Während ich eilig wieder Platz nahm, spürte ich die Blicke der Studenten auf mir ruhen. Dann klatschte jemand, andere begannen zu flüstern, einer erhob sich und sprach erregt von den Gaskammern, den Lagern, Leichenbergen, vom Schweigen der Massen. Im nächsten Augenblick schämte ich mich für meine Aussage.
Nachdem der Student zu Ende gesprochen hatte, sagte mein Vater mit fester Stimme, einem Zuhörer nach dem anderen ins Gesicht blickend: »In unseren Zeiten hat sich das Private dem Gesellschaftlichen unterzuordnen.«
Ein leises Murren zog durch den Raum; wessen Stimme an dem Geräusch beteiligt war, blieb unergründbar. Es stimmte mich nicht milder, endlich die Gewissheit zu haben, dass mein Vater mich und meine Schwestern nicht einfach vergaß, sondern dass sein Mangel an Aufmerksamkeit seiner Weltanschauung entsprach. So rief ich, ohne ein weiteres Mal aufzustehen, dass er schon einmal mutiger gewesen sei, damals, geriet aber ins Stammeln, weil ich merkte, dass ich kaum etwas darüber wusste. Es hatte ein Parteiverfahren gegeben, dessen genaue Umstände ich nicht kannte.
Mein Vater ging nicht darauf ein und setzte seine Vorlesung fort. Da seiner Rede jedoch nun der übliche Elan fehlte, wuchs in mir die Hoffnung, einen wunden Punkt berührt zu haben, und diese Hoffnung war noch auf dem Heimweg von der Universität stärker als jedes andere Gefühl. Je länger ich allerdings darüber nachdachte, desto unpassender kam mir mein Auftreten während der Vorlesung vor.
Einige Tage später läutete es am Abend zweimal an meiner Tür. In den vergangenen Tagen hatte ich bei jedem Klingeln gehofft, dass es noch einmal ertönen würde, weil zweimaliges Läuten unser Familienzeichen war. Wenn ich als Schulkind den Schlüssel vergessen oder in den ersten Studienjahren gelegentlich meine Eltern besucht hatte, erkannten sie an der Anzahl der Töne, dass es unnötig war, sich umzuziehen, benutzte Kaffeetassen vom Tisch zu räumen oder rasch ein Fenster zu öffnen, damit der Essensgeruch verschwand.
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