Anne Richter - Fremde Zeichen
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Mein Vater hatte nun, als er die Treppe hochstieg, seine steife Körperhaltung und seine häufig grüblerische Mimik aufgegeben. Unsicher, doch froh, dass er den Weg zu mir gefunden hatte, lächelte ich ihn an und bat ihn herein. Ohne sich umzuschauen lief er durch den Flur in die winzige Küche und setzte sich auf einen Stuhl, den ich ihm hinschob, den einzigen gepolsterten, den ich besaß. Ich bot ihm Brot und Wein oder Limonade an, doch er sagte, er wolle es kurz machen. Er bitte mich darum, dass ich mich nicht in seine beruflichen Angelegenheiten einmische. Wenn ich mich für Philosophie interessiere, so freue ihn das, aber es sei mir wohl kaum um Philosophie gegangen, sondern darum, ihn vor den anderen zu brüskieren. Warum, das sei ihm unklar. Ob es mit meiner Mutter zu tun habe? Ob ich ihm die Schuld an ihrer Krankheit gebe?
Ich schwankte zwischen Bestürzung und einer Spur bewahrter Hoffnung, die Sekunde um Sekunde schwand, während unser Schweigen das Zimmer erfüllte und ich darüber nachsann, was er soeben gesagt hatte. Reden, dachte ich verzweifelt, würde uns beiden nicht mehr helfen.
Als ich klein war, hatte ich zwei Mütter: meine leibliche und meine große Schwester Rosa, die mich tröstete, wenn meine Mutter mein Geschrei nicht ertrug, mir von ihrem Essen abgab, wenn meine Mutter bereits alles aufgeteilt hatte, und mich in den Luftschutzkeller trug, wenn meine Mutter unsere andere Schwester Tanja huckepack nahm.
Rosa war dünn und reichte meiner Mutter bis zu den Achselhöhlen. Sie weinte nie, schrie oder lachte nicht. Nach dem Krieg, als mein Vater wieder bei uns wohnte und Rosa meiner Mutter bis zum Kinn reichte, stürzte sie manchmal zu unserem Vater hin und vergrub ihr Gesicht in seiner grauen, wollenen Jacke. Mein Vater strich dann flüchtig über ihr dunkles Haar und schob sie mit behutsamer Geste von sich.
Die Strickjacke trug mein Vater im Winter wie im Sommer. Wenn er die Jacke über der Lehne des rauen Wohnzimmersessels ablegte oder sie im Badezimmer vergaß, roch auch ich zuweilen an der kratzenden Wolle, an welcher der milde Geruch des Pfeifentabaks haftete.
Als wir ein paar Jahre später ein Einfamilienhaus bezogen, stellte mein Vater den Wohnzimmersessel in sein neues Arbeitszimmer. Wurde es ihm während einer Mahlzeit zu warm, stand er auf, ging hinüber in sein Zimmer und kam ohne Jacke wieder. Nur einmal entdeckte ich die Jacke an der Klinke unserer hinteren Haustür, die in den Garten führte. Mein Vater ging dort auf und ab. An diesem Märztag war es draußen wärmer als in unserem Haus. Im Vorbeigehen griff ich unauffällig in die Wolle hinein.
Meine Mutter fand das Haus viel zu groß. Mein Vater benötigte einen Raum für seine Bibliothek, er hatte eine Professorenstelle an der Universität angetreten und verdiente gut. So bestand meine Mutter darauf, einen Gärtner und eine Haushaltshilfe zu engagieren. Tagsüber lag sie meist auf dem Sofa und erhob sich nur, um der Haushälterin Geld für den Einkauf zu geben oder Tanja und mich an unsere Hausaufgaben zu erinnern.
Wir vermieden es, unserer Mutter zu widersprechen, weil wir ihre sich überschlagende Stimme fürchteten. Eure Mutter muss sich schonen, sie hat ein schwaches Herz, hatte der Hausarzt bei einer seiner Verabschiedungen eindringlich gemahnt. Tanja und ich hatten beschämt genickt. Einige Tage darauf legte Tanja ihre Hand auf meine linke, noch flache Brust, und ich presste meine Hand neben die leichte Wölbung, die sich bei ihr an derselben Stelle befand. »Mein Herz ist stärker als deins, hörst du?«, kicherte ich. »Du musst deine Hand richtig drauflegen«, erwiderte Tanja, aber ich traute mich nicht. Wir hockten hinter einem Haselnussstrauch im hinteren Teil des Gartens, wo wir oft spielten, weil wir hofften, dass man uns von dort aus nicht hörte.
Manchmal, während ich mit Tanja den Eichhörnchen hinterherkletterte oder Fangen spielte, lehnte Rosa an der Hausmauer und schaute in Richtung eines bestimmten, entfernten Baums, den sie kaum wahrzunehmen schien. Erst wenn mein Vater einen halben Meter neben ihr das Fenster seines Arbeitszimmers öffnete und laut rufend um Ruhe bat, oder wenn meine Mutter in die Tür trat und schrie: Soll Marie die ganze Arbeit allein machen? oder: Wie sieht das Badezimmer oben aus? oder: Komm die Treppe fegen!, schrak Rosa zusammen und stakste auf ihren mageren Beinen ins Haus. Tanja und ich versteckten uns hinter dem Haselnussstrauch und beobachteten von dort das Geschehen hinter den Fenstern.
Rosa verließ uns von einem Tag auf den anderen. Sie zog einem hageren Militärarzt hinterher, über dessen zackiges Gebaren Tanja und ich oft lachten. Obwohl ich selten mit Rosa gespielt hatte, vermisste ich sie sehr. Zwar hatte sie sich in letzter Zeit schattengleich durchs Haus bewegt, doch war mir mit einem Mal, als ob die Abwesenheit dieses Schattens mir einen Schutz nähme, ohne den ich mich unsicher und ängstlich fühlte. Zu Rosa hatte ich gehen können, wenn ein Mitschüler über mich gespottet hatte oder ich ohne ersichtlichen Grund traurig gewesen war.
Nach Rosas Auszug ging ich auf den Vorschlag meiner Eltern ein, ab der neunten Klasse ein Internat zu besuchen. Dass Tanja bereits ab nächstem Herbst dort wohnen und ich, zwei Jahre später nachfolgend, für die erste Internatszeit ihrer Nähe sicher sein würde, erleichterte mir die Entscheidung. Außerdem klang Freie Schulgemeinde nach einem Ort, an dem sich niemand über geräuschvolles Spielen oder Lachen beklagte.
Fangen spielten wir jetzt nicht mehr. Tanja brachte Freundinnen mit nach Hause, mit denen sie hinter vorgehaltener Hand flüsterte, und ich stimmte in ihr schallendes Gelächter ein, ohne den Grund dafür zu kennen. Unser unvermittelt ausbrechendes und minutenlang anhaltendes Lachen störte meinen Vater beim Arbeiten und brachte meine Mutter aus der Fassung, so dass Tanjas Freundinnen mit der Zeit fortblieben und Tanja ihren Auszug schließlich herbeisehnte.
Um zum Internat zu gelangen, fährt man zuerst mit dem Zug durch eine Ebene und danach mit dem Bus hoch zu Dörfern, die zwischen weiten Wäldern liegen. Von der Haltestelle am Waldrand läuft man die Dorfstraße entlang, um rechter Hand in das Schulgelände einzubiegen. Die Dorfbewohner recken jeden September ihre Hälse nach den neuen Schülern, aber sie stecken ihnen auch Essen zu, Wurst und Honig, den Jungen Schnaps und Zigaretten. Tanja hatte einen Freund im Wohnhaus »Junger Patriot«, der sich mit anderen Jungen heimlich zum Kartenspielen traf. Sie erzählte mir, sie habe oft beobachtet, wie die Jungen an den darauffolgenden Morgen verstohlen Pfefferminzbonbons lutschten und bei Gesprächen mit Lehrern oder mit dem Hausältesten den Kopf zur Seite wandten.
Ich wohnte in der »Roten Fahne«, einem Häuschen mit Glockenturm. Heute würde ich den dumpfen Glockenton vielleicht als angenehm empfinden, doch damals riss er mich jeden Morgen dröhnend aus dem Schlaf. Bevor wir uns auf dem Schulhof zum Morgenappell einfanden, blieben uns zehn Minuten zum Zähneputzen, Waschen, Anziehen und fünfzehn zum Frühstücken.
Die Enge des Sechsbettzimmers störte mich nicht. Wir redeten und musizierten miteinander, machten uns über unsere Eigenheiten lustig, ohne einander zu verletzen. Hier nannte mich niemand Kommunistenzicke . Gemeinsam arbeiteten wir auf dem Feld und im Hühnerstall, badeten im Sommer im angrenzenden kühlen Teich, sammelten Pilze in den schattigen Wäldern oder fanden uns an Winterabenden im Speisesaal ein, wo unsere Lehrer, unter uns sitzend, leiser als im Unterricht sprachen. Der Kamin in der Mitte des Saals verbreitete bis zu den letzten Stuhlreihen eine behagliche Wärme. Wenn ich an anderen Abenden Ruhe suchte und allein sein wollte, zog ich mich in die Bibliothek des Internats zurück. Sobald ich ein Buch aufschlug und mich in die Lektüre vertiefte, erfasste mich eine sonderbare Erregung. Ich tauchte in das Erzählte ein und nahm meine Umgebung erst wieder wahr, wenn die Bibliothekarin prüfend durch die Reihen ging und die letzten Lesenden zum Aufbruch mahnte.
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