Anne Richter - Fremde Zeichen

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Umfangreiche Familiensaga über drei Generationen. Einfühlsam, persönlich, präzise. Anne Richters großer Deutschlandroman gibt Geschichte und Gegenwart ein menschliches Antlitz. In ihrem Romandebüt erzählt die Teilnehmerin am Bachmann-Preis 2011 davon, wie persönliche und gesellschaftliche Brüche Menschen verändern. Sie erweist sich dabei als sensible Chronistin in unruhigen Zeiten, die das feine Netz aus unausgesprochenen Gefühlen eindrucksvoll zwischen den Zeilen zu spannen weiß.-

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Mit Tanja hatte ich wenig zu tun. Wir begegneten uns oft auf dem Hof oder dem Flur des Schulhauses und alberten kurz herum, ehe jede zu ihren Freundinnen zurückkehrte.

In der ersten Zeit fuhr ich regelmäßig auf Besuch nach Hause. Sobald ich eintraf, warf meine Mutter mir die Unsauberkeit meiner Kleider, die durch mich zusätzlich entstehende Arbeit, gleichzeitig aber meine seltenen Besuche vor. Sie beklagte sich über ihre Müdigkeit, ihre Gelenk- und Kopfschmerzen und darüber, dass sie in Vielem eingeschränkt sei. Meinen Vater bekam ich nur zu den Mahlzeiten und zur Begrüßung und Verabschiedung zu Gesicht.

Ich wusch gemeinsam mit Marie meine Wäsche und die Wäsche meiner Eltern, überredete meine Mutter zu Spaziergängen, rieb ihre Gelenke und ihren Rücken mit Salbe ein und schob die verwirrenden Empfindungen beiseite, die der Anblick und die Berührung ihres weichen, aufgeschwemmten Körpers in mir auslösten.

Zurück im Internat machte ich mir jedes Mal Vorwürfe, dass ich meiner Mutter nicht mehr Zeit widmete. Einmal sprach ich Tanja darauf an, die unbekümmert erwiderte, dass dies nicht unser Problem sei. Mir missfielen ihre Worte, und obwohl ich zugleich Unwillen verspürte, öfter als notwendig nach Hause zu fahren, fuhr ich immer wieder hin.

Eines Tages – es war im letzten Schuljahr – erhielt ich einen Brief von meinem Vater, den ersten, seitdem ich im Internat wohnte. Zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, was ich studieren wollte. Ich interessierte mich für Pflanzen und fragte mich häufig nach ihrem Namen, ihrer Bedeutung, ihrem Nutzen, ging aber auch gerne mit Menschen um und war fasziniert von dem Einfluss, den unsere Lehrer auf mich ausübten. Es erschien mir sehr erfüllend, Kinder oder Jugendliche zu erziehen, die miteinander in Eintracht arbeiten und wie wir im Internat in einer frohen Gemeinschaft leben würden.

Nun schrieb mein Vater, er und meine Mutter wünschten sich, dass ich vor Beginn des Studiums eine Zeit lang praktisch arbeite, da der Kontakt mit Arbeitern oder Bauern in unserem Staat eine wichtige Erfahrung sei, die sie selbst mir leider nicht hätten vermitteln können. Zudem würde ich einen eigenen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes leisten.

Ich sah die schmalen Hände meines Vaters vor mir, mit denen er einmal über die Rinde eines Baumes gestrichen, ein anderes Mal mit der Schere ungeschickt eine Blume im Garten abgetrennt hatte, um sie in ein Wasserglas auf seinem Schreibtisch zu stellen, sah seine flinken Tippbewegungen auf der Schreibmaschine, seine vom Lesen entzündeten Augen und die Linien auf seiner Stirn. Im Übrigen kam mir sein unerwartetes Interesse an meiner Entwicklung sonderbar vor. Doch es ging wohl nur insofern um mich, als ich, ein Teil der Gemeinschaft, eine Aufgabe zu erfüllen hatte, deren Sinn mir einleuchtete.

Zum Abschied von der Schulzeit fuhr ich mit einigen Mädchen zwei Wochen ans Meer.

Ehe wir bei unserer Rückkehr am Bahnhof auseinandergingen, umarmten wir einander lange. Ich nahm die Straßenbahn und stieg unweit unseres Hauses aus. Je näher ich dem Elternhaus kam, desto deutlicher vernahm ich die Stimme meiner Mutter. Ich öffnete das Gartentor und ging zum Küchenfenster, in der Erwartung, dass mich jemand bemerke. Meine Mutter stand knapp einen Meter von meinem Vater entfernt und schrie ihm ins Gesicht. Plötzlich strich sie behutsam über seine Wangen und sein Haar, bevor sie, in Schluchzen ausbrechend, auf einen Stuhl niederfiel. Mein Vater sprach leise mit ihr, ohne sie zu berühren. Ich hätte mich gern umgedreht und wäre davongerannt. Wenngleich ich die Szenen seit meiner Kindheit kannte, schmerzte mich der Anblick meiner Eltern auf unerwartete Weise. Gleichzeitig wollte ich verstehen, was zwischen ihnen vorging.

Doch auch in den folgenden Wochen redeten meine Eltern kaum mit mir. Mein Vater hatte sich auf meinen Wunsch hin um einen Praktikumsplatz gekümmert. Das Versuchsgut gehörte zur Universität und umfasste unzählige Felder und Weideflächen. Ich kannte das unmittelbar an die Stadt grenzende Dorf von Spaziergängen und hatte gesehen, wie das Getreide vor der Ernte in der Sonne noch einmal aufleuchtete, wie die Kühe friedlich grasten und wie Pferde die Ernte in Hängern über die Dorfstraße in Richtung Hof zogen. Die Bauern hatten uns Spaziergängern freundlich zugenickt oder uns nicht beachtet.

Anfang August war die Luft des alternden Sommers drückend und heiß, die Dorfstraße gesäumt von Pferdeäpfeln. Am Hoftor traf ich auf eine Bäuerin, die ein Pferd unter dem Torbogen durch eine mit Sägespänen gefüllte Mulde führte. Es roch scharf nach Desinfektionsmittel. Die Frau musterte kurz meine Kleidung und rief mir zu, ich solle meine Schuhe gründlich säubern, es gebe Maul- und Klauenseuche.

Meine Schuhe sanken tief in die feuchten Sägespäne ein, die sich an meinen Rocksaum hefteten. Im Hof setzte ich mich auf eine Holzbank unter einer kleinen Linde und zupfte die Späne aus meinem Wollrock. Ein paar junge Leute, vermutlich Lehrlinge, liefen in Gummistiefeln und verdreckten blauen Arbeitshosen an mir vorüber und grinsten mich spöttisch an. Erst später begriff ich, dass das Grinsen mich meinte, weil ich die Tochter eines Akademikers war.

An manchen Tagen gab ich beinahe auf. Das zeitige Wecken war ich gewohnt, die harte körperliche Arbeit hingegen fiel mir schwer. Sie war kaum vergleichbar mit den landwirtschaftlichen Tätigkeiten während meiner Schulzeit, als wir nachmittags Kartoffeln oder Rüben ernteten, Hühner fütterten und Blumenbeete bepflanzten.

Nun jedoch spürte ich abends befriedigt, wie der Schmerz aus meinen Gelenken wich, der Druck der Düngerwannen gegen meinen Bauch und das Gewicht der Kartoffelkörbe an meinen Unterarmen nachließ. Ich gewöhnte mich an den Anblick der braunen Ränder meiner Fingernägel, die im Mondlicht gespenstisch wirkten, aber die Arbeit auf dem Feld und im Stall forderte mir das Äußerste an Anstrengung ab. Dennoch schien meine Kraft auszureichen – bis zu jenem Tag Mitte September.

Ich war mit einigen Landarbeiterinnen und den Mädchen aus meinem Zimmer, die Landwirtschaft studierten, zum Räumen hochgewachsener Schosser eingeteilt worden. Wir standen in der Mitte eines Feldes in zwei langen Reihen an den Rändern einer handgemähten Schneise, der jeweiligen Feldseite zugewandt. Vor mir sah ich die gelbgrünen Blütenstängel, von denen ich wusste, dass sie wertvolle Samen bargen. Nachdem der Traktor, den Mähbalken voran, an mir vorübergefahren war, griff ich mit einer Sichel mehrere Schosser, die ich hinter mir ablegte. Rasch ging ich einen Meter weiter und räumte die nächsten hinter mich. Am Ende meines fünfzehn Meter langen Streifens verrankten sich die dicht verzweigten Stängel einiger Pflanzen ineinander. Während ich mit der Sichel an ihnen zerrte, um sie voneinander zu trennen, sah ich am rechten Feldrand den Traktor erneut anrücken. Meine Kraft und meine Konzentration schwanden, mein Arm wurde taub. Als ich ihn kurz schüttelte, rollte der Traktor bereits wieder an mir vorüber.

Während des Mittagessens raunte es vom Tisch der Landarbeiter herüber: »Die Tochter des Professors mag ja hell im Kopf sein. Aber in den Armen ist sie lahm.« Jemand lachte. Ich wurde rot und senkte den Kopf. Beim Verlassen des Speisesaals blickte ich niemandem ins Gesicht.

Am Abend lief ich zwischen den Feldern entlang, wobei sich die Erde in dicken Klumpen an meine Schuhe heftete. Ich lief so lange durch die Dunkelheit, bis mir im Gehen fast die Augen zufielen. Kaum lag ich im Bett, umgeben von den schlafenden Mädchen, kreisten die Gedanken abermals in meinem Kopf. Ich knipste das kleine Licht am gemeinsamen Tisch an und drehte die Lampe zur Wand. Dann begann ich, einen Brief an meine Eltern zu schreiben. Ich erwähnte, dass ich sehr erschöpft sei und hier wohl nicht recht herpasse, nichts Konkretes. Anschließend zerriss ich den Brief.

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