Familie Colletidae :Die Unterschiede zwischen den Vertretern der Colletidae sind so groß, dass die einzelnen Unterfamilien auch eigenständige Familien darstellen könnten. Der überwiegende Teil der mehr als 2000 Arten umfassenden Colletidae -Bienen ist in Südamerika und Australien beheimatet, lediglich die Masken- (Hylaeus) und Seidenbienen (Colletes) sind auf der Nordhalbkugel zu finden. Colletidae -Bienen leben stets als Solitärbienen. Sie variieren in ihrer Größe zwischen 3 und 15 Millimetern.
Die Hosenbiene gehört der Familie Melittidae an. Die Weibchen sind gut durch ihre charakteristischen Haarbürsten an den Hinterbeinen zu erkennen. Außerdem weisen sie auffällige weiße Haarbinden an ihrem Hinterleib auf.
Familie Andrenidae :Die meist solitär lebenden Vertreter dieser Familie, zu der u.a. Sand-, Erd- und Zottelbienen zählen, sind bis auf Australien, Neuseeland und Madagaskar überall auf der Welt zu finden. Bemerkenswert ist die große Artenvielfalt: Allein in der zur Unterfamilie Andreninae gehörenden Gattung der Sandbienen (Andrena) sind über 1400 verschiedene Arten bekannt, von denen mindestens 120 in Deutschland beheimatet sind.
Familie Halictidae : Halictidae -Bienen fliegen abgesehen von Antarktika auf jedem Kontinent der Welt. Charakteristische Mundwerkzeuge weisen die rund 2000 Arten dieser Familie einer gemeinsamen Gruppe zu, die sich im Hinblick auf ihr Sozialverhalten alles andere als einheitlich zeigt: Viele Halictidae -Vertreter leben als Solitärbienen, andere gründen temporäre Zweckgemeinschaften, wieder andere zählen zu den staatenbildenden Bienen mit hochsozialer Lebensweise. Doch es gibt auch parasitär lebende Arten wie die mit einem auffälligen roten Hinterleib versehene Blutbiene: Sie dringt in die Nester anderer Bienen ein, tötet eventuell vorhandene Wächter, bricht die Brutzellen der Wirtsbiene auf, verzehrt das dort befindliche Ei und legt an dessen Stelle ein eigenes Ei ab. Die sich daraus entwickelnde Larve verzehrt den vorhandenen Proviant und verpuppt sich. Zählt die Blutbiene aufgrund ihres rot gefärbten Hinterleibs bereits zu den optisch auffälligeren Bienen, so stechen die metallisch funkelnden Körper manch anderer Halictidae -Vertreter noch weit mehr ins Auge. Das gilt zum Beispiel für die zur Unterfamilie der Halictinae zählenden Augochloropsis metallica , bei der Kopf, Brust und Hinterleib metallisch-grün glänzen, oder die Schmalbiene Lasioglossum pilosum , die durch ihren gold-schimmernden Körper auffällt.
Familie Melittidae :Die Familie der Melittidae umfasst rund 200 Arten, die alle solitär ohne Arbeitsteilung leben und nicht selten zu den Pollenspezialisten zählen, die sich bei der Nahrungssuche auf eine bestimmte Pflanzenart oder -familie beschränken. Einige Vertreter der Melittidae zeichnen sich dadurch aus, dass sie Pflanzenöle, sogenannte Lipide, statt Nektar für die Aufzucht ihrer Larven verwenden, die mit Pollen vermischt werden. Ein Beispiel für dieses Sammel- und Fütterverhalten ist die in Südafrika beheimatete Rediviva emdeorum . Die meisten Arten der Melittidae sind auf dem afrikanischen Kontinent zu finden, in Deutschland beheimatet sind die zur Unterfamilie der Melittinae zählenden Sägehorn- (Melitta) , Schenkel- (Macropis) und Hosenbienen (Dasypoda) . Die Männchen dieser Gattungen sind zumeist Einzelschläfer, finden sich aber zuweilen auch in friedlichen Schlafverbänden zusammen: So kann man mit einigem Glück mehrere Exemplare schlafend in einer Malve oder Glockenblume finden oder zusammengeknubbelt an Fruchtständen, wo sie sich mit ihren Mundwerkzeugen festbeißen.
Familie Megachilidae :So unterschiedlich die Lebensformen der Megachilidae -Bienen sein mögen – es gibt ein Merkmal, das alle Weibchen der nichtparasitären Arten teilen: Sie verfügen über ein auffälliges Haarpolster an der Unterseite des Hinterleibs. Diese Bauchbürste wird zum Sammeln von Pollen genutzt. Darüber hinaus zeichnen sich zahlreiche Vertreter dieser großen Gruppe durch ein ausgefallenes Nestbauverhalten aus: Osmia papaveris beispielsweise, die Mohn-Mauerbiene, gräbt mehrere, rund vier Zentimeter lange Röhren in Sandböden. Den Erdaushub belässt die extrem scheue und selten gewordene Biene dabei nicht rund um das gegrabene Loch, sondern verteilt diesen im Umkreis von rund einem Meter. Um die Nisthohlräume auszukleiden, fliegt sie die purpurfarbenen Blütenblätter des Klatschmohns an, beißt kleine Stücke ab und transportiert diese zu den Nestern. Da auch das Eingangsloch nach der Eiablage mit Blütenblättern und grobem Sand verschlossen wird, sind die Nester der Mohn-Mauerbiene nur sehr schwer zu entdecken. Auch die Blattschneiderbiene (Megachile) beißt Stücke aus Blättern zur Auskleidung der Nester aus. Im Gegensatz zur Mohn-Mauerbiene zerknüllt sie diese jedoch nicht, sondern transportiert diese ovalen oder runden Stücke zu den Nestern, die sie in Mauerspalten, Erdhöhlen, Hohlräumen von Baumstümpfen und Pfosten oder gar in hohlen Stängeln verschiedener Pflanzen anlegt. Der Flug mit den im Vergleich zur Körpergröße der Bienen oft beeindruckend großen Blattstücken ist ein sehenswertes Schauspiel, das wir auch in unseren Breitengraden genießen können, da die Blattschneiderbiene weit verbreitet und zudem häufig nahe menschliche Behausungen anzutreffen ist.
Die Pelzbiene
Mit ihren gedrungenen, zwischen 8 und 18 Millimetern langen und mit einem dichten Haarpelz versehenen Körpern weisen Pelzbienen auf den ersten Blick durchaus Ähnlichkeiten mit einigen Hummelarten auf, mit denen sie im Übrigen auch die Fähigkeit teilen, bereits in der Morgendämmerung oder zur fortgeschrittenen Abendzeit, wenn die meisten anderen Bienen ihre Schlafstätten bereits angeflogen haben, noch Pollen zu sammeln. Die Nester der Pelzbiene befinden sich an lehmverfugten Gemäuern, zuweilen in Totholz, doch vor allem an Steilwänden und Hängen aus Lehm und Löss, wo die Insekten einfache oder mehrfach verzweigte Gänge graben und dort bis zu zehn hintereinander liegende Brutzellen anlegen. Pelzbienen beeindrucken zudem durch eine überraschend hohe Flug- und Sammelgeschwindigkeit, wobei sie in ihrem Flug oft abrupte »Bremsmanöver« und rasante Drehungen vollführen .
Familie Apidae :Mit geschätzten 14.000 Arten bildet die Familie der Apidae die mit Abstand größte Gruppe unter den Bienen. Wer glaubt, dass die uns so vertraute Honigbiene einen bemerkenswerten Anteil an dieser Vielfalt trägt, täuscht gewaltig: Die Honigbiene Apis ist weltweit mit nur neun Arten vertreten, von denen acht im asiatischen Raum beheimatet sind. Bleibt demnach nur eine einzige, in 30 Rassen zu differenzierende Honigbienenart, Apis mellifera , die auf der Nordhalbkugel und in Afrika beheimatet ist. Sie wird von Imkern zur Honigproduktion und zur Bestäubung von Kulturpflanzen eingesetzt. Daneben zählen die mit über 50 Arten in Europa vertretenen Hummeln ebenso zur Gruppe der Apidae wie stachellose Bienen, die dauerhafte Kolonien gründen und ihre Nester über mehrere Generationen bewohnen.
Blattschneiderbienen bauen ihre Nester in Baumlöchern, Mauerspalten, Erdhöhlen und anderen vorhandenen Hohlräumen oder sie graben ihre Nester selbst in markhaltigen Stängeln, Totholz oder im Boden. Die Brutzellen werden mit abgeschnittenen Blattstücken verschlossen.
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