»Ausziehen!«
»W-w-was?«
»Ausziehen!« Er zerrte am Ärmel ihrer Bluse. »Ich will deine Titten sehen!«
Julie starrte ihn an, unfähig, auch nur einen Finger zu bewegen.
Das ist falsch! , schrie eine Stimme in ihr. Das ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe! Ich will hier raus!
Doch der Schmerz in ihrem linken Oberarm und das steinerne Gesicht des Fahrers sagten ihr, dass es dafür zu spät war.
»Wird’s bald?«
Marionettenhaft und ohne hinzusehen begann Julie, ihre Bluse aufzuknöpfen. In den Gläsern der Sonnenbrille erschien ihr Gesicht ebenso weiß wie die Bluse.
Der Mann in der schwarzen Uniform ließ ihren Arm los, damit sie die Bluse abstreifen konnte. Sie warf einen verzweifelten Blick nach hinten. Der Fahrer blockierte die offene Tür, niemals würde sie an ihm vorbeikommen.
Sie reichte dem Beifahrer die Bluse. Er knüllte sie zusammen wie ein benutztes Taschentuch und warf sie zu Boden. Dann wies er auf ihren Büstenhalter. Er sagte nichts, doch das war auch gar nicht nötig.
Mit bebenden Fingern öffnete Julie den Verschluss des BHs und nahm ihn ab. Ihre Brüste waren größer als der Durchschnitt, die Warzenhöfe dunkel. Ungläubig registrierte sie, dass sich ihre Brustwarzen aufrichteten. Sie schrieb es der Kälte zu, die im Inneren des Transporters herrschte.
Der Mund des Fahrers verzog sich zu einem breiten Grinsen. Da seine Augen verborgen waren, sah es unecht aus. Als ob ein Roboter zu lächeln versuchte.
Julie nestelte am Gürtel ihrer hautengen, ausgebleichten Jeans herum, doch der Mann schüttelte den Kopf. Er öffnete eine der Gittertüren, packte Julies Handgelenk und schob sie in das schmale Abteil. Julie erblickte den Schalensitz mit dem Lederriemen sowie die Fußeisen am Boden, und die Angst schnürte ihr die Kehle zu.
Der Mann drückte sie rücklings in den Sitz. Bevor Julie eine abwehrende Bewegung machen konnte, hatte er den Lederriemen bereits unter ihren Brüsten straffgezogen und in der Wand eingeklinkt. Dann kniete er nieder, platzierte ihre Fußgelenke in die Eisen und verschloss diese. Julie war gefangen.
Doch noch war er nicht fertig mit ihr. Aus einer Tasche seines Gürtels zog er eine Augenbinde und streifte sie Julie über den Kopf. Dunkelheit umgab sie mit einer Plötzlichkeit, als wäre sie in einen tiefen Brunnen gestürzt, und in einem Anfall von Panik öffnete sie den Mund zu einem Schrei. Doch dazu kam es nicht mehr, denn im nächsten Augenblick steckte etwas Rundes, Glattes in ihrem Mund und erstickte alle Lautäußerungen. Dann begann sich der Knebel zu vergrößern, bis er ihren Rachen beinahe vollständig ausfüllte. Erst als Julie befürchtete, ersticken zu müssen, endete sein Wachstum.
Sie spürte, wie der Mann sich an ihrem Nacken zu schaffen machte. Offensichtlich befestigte er den Knebel, damit sie ihn nicht ausspeien konnte. Sie schüttelte den Kopf und schlug mit den Armen um sich, doch schorfige Pranken schlossen sich um ihre Handgelenke und fesselten sie mit eisernen Schellen an die metallene Wand, hoch über Julies Kopf. Sie war nun völlig hilflos.
Seine Hände griffen nach ihren Brüsten.
Julie schrie in den Knebel. Die Berührungen des Mannes waren nicht sanft und anregend, sondern hart und brutal. Er presste ihre Brüste zusammen, als wollte er die Euter einer Kuh melken. Julie wand sich in ihren Fesseln, ohne ihrem Peiniger entkommen zu können. Der Schmerz verursachte ihr Übelkeit.
Er wird mich vergewaltigen! , schoss es ihr durch den Kopf.
Doch in diesem Moment ließen die Hände ab von ihr. Schritte entfernten sich, die Gittertür rastete ein. Zwei Männer sprangen hinaus, die Hecktür schlug zu. Kurz darauf setzte sich der Transporter in Bewegung, mit unbekanntem Ziel.
Julie weinte haltlos. Das alles hatte nichts zu tun mit den sanften Fesselungsphantasien ihrer einsamen Nächte und Wochenenden. Von dieser Behandlung stand nichts in ihrem Urlaubsantrag .
Sie erkannte: Irgendetwas war gründlich schiefgelaufen.
3
»Mister Hunter.«
Das Gesicht des Polizisten war ausdruckslos, als er den Führerschein zurückgab.
»Was kann ich für Sie tun?«
Walt Hunter sah zum Nachbarschreibtisch. Der Stuhl war herangerückt, die Arbeitsplatte leer. Sogar das Namensschild fehlte.
»Bisher hatte ich mit Officer Mattingly zu tun …«
»Officer Mattingly wurde nach Wisconsin versetzt. Sie müssen mit mir vorliebnehmen. Worum geht es?«
Walt klappte die Brieftasche auf, die er noch nicht wieder eingesteckt hatte, und zeigte Leutnant Wilberforce – so das Namenschild – das Foto. »Um meine Vermisstenanzeige für diese Frau. Angela Gilbert.«
Der Leutnant warf nicht einmal einen Blick auf das Bild. Er zog die Computertastatur heran und betätigte ein paar Tasten. »Angela Gilbert. Wann war das?«
»Vor über zwei Monaten. Officer Mattingly hat mir versprochen …«
»Ich sehe schon. Alter 22, Haarfarbe blond, Augenfarbe braun, Größe 1,71 Meter, keine besonderen Kennzeichen. Keine Verwandten.« Er warf Walt einen kalten Seitenblick zu. »Und keine Vermisstenmeldung von anderer Seite, nur von Ihnen.«
»Ihre Eltern sind tot, und die Leute in dem Modegeschäft, in dem sie arbeitet …«
»Mister Hunter.« Leutnant Wilberforce schob die Tastatur an ihren angestammten Platz vor dem breiten Flachbildschirm zurück und verschränkte die Arme auf der Schreibtischplatte. »Miss Gilbert ist volljährig, und es gibt keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen. Kein Gesetz verbietet es jemandem, einfach zu verschwinden, wenn ihm oder ihr danach ist. Gab es irgendwelche … Unstimmigkeiten zwischen Ihnen?«
Aufwallende Wut ließ Walts Finger zittern, als er die Brieftasche einsteckte. »Wenn Sie sich die Mühe machen würden weiterzulesen, würden Sie sehen, dass Angela aus einem einwöchigen Urlaub nicht zurückgekehrt ist.«
»Wo wollte sie denn hin?«
Walts breite Schultern sanken herab. Der Dialog kam ihm bekannt vor, er hatte ihn schon ein paarmal hinter sich gebracht. »Das weiß ich nicht.«
Leutnant Wilberforce hob die linke Augenbraue. Sonst regte sich kein Muskel in seinem breiten Gesicht. »Das wissen Sie nicht?«
»Sie hatte den Urlaub offensichtlich schon länger geplant. Sie tat sehr geheimnisvoll.« Warum, zum Teufel, verschwende ich meine Zeit hier?
»Ich verstehe. Mister Hunter, haben Sie bitte Verständnis dafür, dass die Polizei nur nach solchen Vermissten suchen kann, die minderjährig oder dement sind. Wenn es Hinweise auf ein Verbrechen gibt, werden wir natürlich auch tätig. Aber so …«
»Sie wäre niemals freiwillig verschwunden!«, brach es aus Walt heraus. Die Beamten an den anderen beiden Schreibtischen im Raum hoben die Köpfe und blickten herüber. »Die Wohnung in der Clinton Street läuft immer noch auf ihren Namen, und der Briefkasten quillt über!«
»Ich verstehe. Hat sie Mietrückstände?«
Walts Lippen bebten. Sekundenlang konnte er nicht antworten. Er schluckte das Brennen in seiner Kehle hinunter und stieß hervor: »Vergessen Sie’s! Ich werde Sie nicht mehr belästigen!«
Mit einem wuterfüllten Ächzen wirbelte er auf dem Absatz herum und stampfte aus dem Raum. Die Tür knallte hinter ihm ins Schloss. Seine Schritte hallten auf den Fliesen des leeren Flurs.
Draußen blinzelte er in die Nachmittagssonne. New York City im August konnte heißer als die Hölle sein, und dies war ein solcher Tag.
Was nun? , fragte er sich, während er zum Parkplatz ging.
Er stieg in den schwarzen und nur drei Monate alten Acura TL, ließ den Motor an und rangierte aus der Parkbucht. Ziellos quälte er sich durch den Freitagnachmittagsverkehr, aber erst als er von der Madison Street auf die Clinton Street abbog und den Acura zwischen den kreuzförmigen Hochhäusern hindurchsteuerte, bemerkte er, dass ihn sein Unterbewusstsein zu Angelas Wohnung geführt hatte. Dabei war er erst vorgestern hier gewesen, mindestens zum zwanzigsten Mal seit ihrem Verschwinden.
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