Höchst aktuell wird über das Sterbehilfegesetz in Karlsruhe am Bundesverfassungsgericht diskutiert.
Es liegen mehrere Verfassungsbeschwerden gegen den § 217 des Strafgesetzbuches vor, welches lautet: „Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, macht sich strafbar und es droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. „
Diese Diskussion entstand durch den früheren Hamburger Senator Roger Kusch, welcher Sterbehilfevereine wie „Exit“ oder
„Dignitas“ aus der Schweiz auch in Deutschland etablieren wollte.
Im Netz berichtet eine damals 79 jährige Frau, die eine Krebsbehandlung gegen einen Knoten in ihrer Brust abgelehnt hatte, dass es äußerst schwer sei in Deutschland sein Leben zu einem Zeitpunkt zu beenden, an dem man dazu bereit sei und sich das Lebensende herbeiwünschte. Sie fühlte sich nicht in der Lage sich einen Revolver oder geeignete Medikamente zu beschaffen.
Die Dame klagte nicht über Schmerzen, aber ein Pflegeheim betonte sie, würde sie nie betreten wollen, das könne sie nicht ertragen! Abhängigkeit von Menschen käme für sie nicht in Frage und zu groß war die Angst vor Fremdbestimmung!
Jeder Bewohner eines Altenheimes oder ein Patient im Krankenhaus ist vornehmlich fremdbestimmt.
Mit diesem Buch möchte ich einen Beitrag dazu leisten, den Blick wieder stärker auf den alten, evtl. kranken Menschen zu richten und auf das medizinisch und menschlich-sozial Sinnvolle.
Das eigene Handeln nicht nur mit den Bewohnern oder Patienten und Angehörigen, sondern auch mit allen Kollegen des Hauses aufmerksam und kritisch zu betrachten und zu hinterfragen.
„Gehe ich mit meinen Mitmenschen so um, wie ich möchte, dass mit mir umgegangen werden soll?“
Leider geschieht dies in den seltensten Fällen.

„Menschsein“
bedeutet ein selbstbestimmtes und gutes Leben bis in den Tod!
Meine unterschiedlichen Stationen:
Ein Seniorenheim mit 80 Plätzen für pflegebedürftige, alte Menschen mit Wohn-, Pflege- und Betreuungsangebot. Grundsatz dieses Heimes ist es, durch Freundlichkeit den Menschen ein schönes zu Hause zu geben mit dem Ziel, das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden der Bewohner zu erhalten und zu fördern.
Ein erst 2014 eröffnetes Seniorenheim für 80 ältere und pflegebedürftige Menschen. Jeder Bewohner hat ein Einzelzimmer zur Verfügung, mit eigenem barrierefreien Bad. (Ist heute Standard)
Ein Pflegeheim mit 88 Bewohnerplätzen mit einem geronto-psychiatrischen Schwerpunkt, welches sich für fürsorgliche und individuelle Pflege ausspricht.
Ein ambulanter privater Pflegedienst, mit dem Leitbild für höchste, berufliche Kompetenz seines Pflegepersonals. Sieht die Hauptaufgabe darin, den Patienten und/oder die Angehörigen in hilfebedürftigen Situationen zu Hause zu begleiten und zu unterstützen.
2 Fachseminare für Altenpflege durfte ich besuchen, vom Inhalt der Lehren natürlich nahezu gleich, jedoch in der Struktur und Ausführung sehr unterschiedlich.Ein Fachseminar für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V., welches staatlich anerkannte Ausbildungen im Bereich der Altenpflege anbot. Es war eines der größten Ausbildungszentren in NRW mit über 300 Auszubildenden.Das 2. Fachseminar für Altenpflege war als Trägergesellschaft Teil einer Gruppe einer GmbH, mit Gesellschaftern und Teilhabern von christlichen Kirchengemeinden. Diese Schule hatte jedes Jahr nur jeweils 1 neuen Kurs für Altenpflege und Altenpflegehelfer und war somit recht klein.
Erfahrungen an der Rezeption
Die Arbeit an der Rezeption machte mir sehr viel Spaß, ich liebte den täglichen Kontakt zu den Bewohnern, die sich in meinem Arbeitsumfeld aufgehalten haben oder zum Essen an mir vorbei kamen.
Oft besuchten sie mich auch für einen kurzen netten Plausch oder baten um kleine Gefälligkeiten wie z.B., einen Brief vorzulesen oder einen Antrag auszufüllen, oder auch nur einen Schuh zuzuschnüren.
Von Hause aus habe ich Respekt im Umgang mit anderen Menschen gelernt. Fiel z.B. einer alten Dame ein Taschentuch zu Boden, hob ich dieses selbstverständlich auf.
Schön waren auch die Spielabende von Bewohnern vor dem Bereich der Rezeption während meiner Spätdienste.
Dieses Ritual der Damen und Herren liebte ich und habe sie dabei auch gerne bewirtet und auch oft mitgespielt. Natürlich veränderten sich manche Bewohner mit der Zeit. Der eine konnte weniger hören, die andere erzählte immer wieder die gleichen Geschichten und die, die noch relativ fit waren, lästerten gerne über die Zustände der anderen Bewohner.
Das ist der Lauf der Dinge und so tickt das Leben.
Aber das wirklich wunderschöne war, die Damen und Herren haben all abendlich mal für einen kleinen Moment vergessen wo sie leben und wie alt sie sind. Sie waren in dem Moment, in dem sie darüber nachdenken mussten lege ich jetzt rot oder schwarz, glücklich, mehr war nicht wichtig.
Ich wusste genau, welcher Bewohner wann die eine oder andere Zeitung liest und wer an welchem Tag mit wem telefonieren möchte. Die liegengebliebene Strickjacke konnte ich zuordnen und die Verwandtenbesuche habe ich versucht, nach meinen Möglichkeiten, schön zu gestalten.
Leider sahen dies einige Verwaltungsmitarbeiter anders, sie nahmen an meinem Service orientierten Verhalten Anstoß, mit der Begründung: An meinen freien Tagen, würde von den Bewohnern diese Serviceleitung ebenso angefordert und dies sei nicht ihre Aufgabe!
Es fehlte ihnen an Empathie und dem nötigen Feingefühl für die Senioren. Diese Menschen sind kaum geeignet für dieses empfindliche soziale Umfeld und wären besser in einer Firma ohne Kundenkontakt aufgehoben. Es fehlt die Fähigkeit, darüber nachzudenken, wie es wäre dieselben Gefühle und Empfindungen zu haben, wie die zu betreuenden Menschen.
Die Rezeption war Dreh- und Angelpunkt des Hauses, die Poststelle, die Telefonvermittlung, die Wäscheausgabe usw.
Hier versammelten sich Mitarbeiter aus allen Bereichen des Hauses, sei es der Hausmeister, der Koch, die Putzfrau, Damen und Herren aus der Pflege, Praktikanten aber auch Angehörige von Bewohnern und vom Personal und auch die Heimleitung kam ab und an zu einem netten Gespräch zu mir. Inhalte des Gespräches der Kollegen waren leider zu 70%, wie manche Menschen so sind, schlechte Arbeitsbedingungen oder auch das Herziehen über andere Kollegen.
Bei ca. 100 Angestellten kann es nicht nur liebe Worte übereinander geben, aber schon damals habe ich mich gefragt, warum
z.B. ein Teil des sozialen Dienstes sich „unsozial“ verhält oder warum gerade einige Menschen aus der Pflege, so schlecht miteinander umgingen.
Durch fast das ganze Haus ging eine negative Stimmung und ich verstehe es bis heute nicht, warum ein Mensch als Hausmeister in einem Altenheim arbeitet, wenn er sich dort, nach eigener Aussage, absolut nicht wohlfühlt und zudem kein Gespür für ältere Menschen hat.
Auch warum Menschen allein aufgrund des Schichtdienstes und der hohen Anforderungen sowieso schon schweren Berufen, sich nur für negative Dinge in ihrem beruflichen Umfeld interessieren.
Der Blick für die schönen Momente war bei vielen Arbeitnehmern nicht mehr oder noch nie vorhanden.
Es ist den meisten Menschen nicht bewusst, dass sie selbst der Gestalter ihres eigenen Lebens sind!
Was auch immer bis jetzt im Leben passiert ist, es hat keinen Einfluss darauf, wie derjenige von jetzt an sein Leben gestaltet. Jeder trifft ganz allein für sich die Entscheidungen. Der Mensch ist nicht so zerbrechlich, dass er evtl. vorangegangenen Traumata einfach ausgeliefert wäre.
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