Vierte Szene:Erfolgreicher ist Stauffacher bei Tells Schwiegervater Walther Stauffacher bei Walther FürstFürst. Dieser hat dem jungen Arnold von Melchthal Unterschlupf gewährt, der aus seinem väterlichen Haus in Unterwalden nach Uri geflüchtet ist, weil er einen in Diensten des Vogtes von Landenberg stehenden Mann verletzt hat. Stauffacher berichtet von Baumgartens Schicksal und davon, dass der Vogt dem alten Melchthal für die Tat seines Sohnes die Augen habe ausstechen lassen. Dieser verzweifelt darüber, seinen Vater im Stich gelassen zu haben, und schwört blutige Rache. Die Männer beschließen im Namen der drei Waldstätte, denen sie angehören, sich gegen die habsburgische Zwangsherrschaft zur Wehr setzen zu wollen. Ein Treffen mit jeweils zehn Getreuen auf dem Rütli soll das weitere Vorgehen klären.
Erste Szene:Die Frage, wie der österreichischen Fremdherrschaft zu begegnen sei, sorgt für eine Entzweiung zwischen dem greisen Freiherrn von Attinghausen und sein Neffe RudenzAttinghausen und seinem Neffen Rudenz. Der Onkel muss mit Schmerz sehen, wie wenig dem jungen Mann die Werte von Volksverbundenheit und Unabhängigkeit bedeuten. Die Mahnung, sich seiner Herkunft zu besinnen, bleibt fruchtlos: Der Opportunist Rudenz hat sich auf die Seite der Österreicher geschlagen, weil er sich dadurch nicht nur gesellschaftliches Ansehen, sondern auch die Gunst Berthas erhofft.
Zweite Szene:Auf der Rütliwiese treffen die Männer aus Unterwalden, Schwyz und Uri zusammen, um als Volksversammlung eine RütlischwurEntscheidung über ihr gemeinsames Vorgehen zu treffen. Private Interessen stehen gegenüber der allgemeinen Sache zurück: So berichtet Melchthal, wie er seinem blinden Vater begegnet sei und auf die Ausübung seiner Rache verzichtet habe, um als Kundschafter notwendigere Aufgaben für die Gemeinschaft zu leisten. Streitparteien vergessen über dem verbindenden Ziel alten Hader, und auch die Frage, wem die Ehre des Vorsitzes gebühre, wird mit der Wahl des Altlandammanns Reding zur Zufriedenheit aller gelöst. Stauffacher umreißt den Zweck der Zusammenkunft: Es gelte, die alte Eidgenossenschaft zu erneuern. Um die gemeinsamen Wurzeln lebendig in Erinnerung zu rufen, erzählt er von der Herkunft der Schweizer, wie sie sich unter den Schutz des Kaisers gestellt und sich im Gegenzug dazu verpflichtet hätten, ihm beim Schutz des Reiches beizustehen. Diese alte Ordnung sei jedoch durch Unterdrückung und Willkür aufgelöst worden. Der Anschluss an Österreich und die Anrufung des obersten Herrschers als schlichtende Autorität werden als Lösungsmöglichkeiten gleichermaßen verworfen; als einziger Ausweg bleibt somit der gewaltsame Widerstand gegen die Tyrannei. Über die Frage, ob man zuwarten oder einen schnellen Schlag riskieren solle, erhebt sich ein Disput, der aber sofort beigelegt wird. Der gemeinsame Beschluss, einig handeln und dabei besonnen vorgehen zu wollen, wird mit einem Eid feierlich besiegelt.
Abb. 1: »Rütlischwur«, Fresko von Ernst Stückelberg in der Tellskapelle. – Wikimedia Commons / Roland Zumbühl, Arlesheim / CC BY-SA 3.0
Erste Szene:Hedwig, der die Kühnheit ihres Gatten schon immer große Sorge bereitet hat, will Tell davon abhalten, in Tell bricht nach Altdorf aufAltdorf seinen Schwiegervater zu besuchen, weiß sie doch, dass der Landvogt im Dorf weilt. Die Erzählung Tells, wie er Geßler einmal im Gebirge begegnet sei, kann die Frau nicht beruhigen, zumal ihr Gatte den Vogt dabei in einem Augenblick der Schwäche erlebt hat. Trotz ihrer Warnung, vor Geßlers Unversöhnlichkeit auf der Hut zu sein, bricht Tell zusammen mit seinem Sohn Walther auf.
Zweite Szene:Während einer Jagd nutzt Rudenz die Gelegenheit, mit Bertha und RudenzBertha unter vier Augen zu sprechen. Bestürzt muss er feststellen, dass es die falsche Taktik war, sich Österreich anzudienen, um dadurch das Herz der Geliebten zu gewinnen, denn Bertha steht auf der Seite des einfachen Volks. Rudenz glaubt sich deshalb von ihr verachtet, doch gesteht sie ihm ihre Zuneigung und muntert ihn zum Handeln für seine Landsleute auf. Zusammen entwerfen sie das Bild einer gemeinsamen Zukunft, in der sie ihr Glück mit dem des Volkes teilen.
Dritte Szene:Auf einer Wiese bei Altdorf wachen zwei Söldner darüber, dass jeder Vorübergehende den Hut auf der Stange grüßt. Tell erzählt seinem Sohn vom freien Leben in den Bergen und vom unfreien in der Ebene. Er versäumt dabei, den Hut zu grüßen, worauf ihn Frießhart, der Diensteifrigere der beiden Wächter, verhaften möchte. Die Landleute sind empört, der Ausbruch eines Tumults wird aber durch Geßler und dessen Gefolge verhindert. Der Landvogt lässt sich den Vorfall berichten und verfügt, dass Tell – als Meisterschütze bekannt – zur Probe seines Könnens seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießen solle. Selbst unter Geßlers Begleitern ist das Entsetzen über diese unmenschliche Forderung groß: Weder Berthas Bitte noch das Flehen der Schweizer vermag das Herz des Despoten zu rühren, und Rudenz, der dem Vogt vorwirft, nicht im Sinne des Kaisers zu handeln, ist sogar bereit, sein Schwert zu ziehen – da ertönt der allgemeine Jubelruf, dass der ApfelschussSchütze den Apfel getroffen habe. Der verblüffte Geßler will von Tell wissen, warum er vor seinem Schuss einen zweiten Pfeil beiseitegetan habe; der Befragte zögert anfänglich, doch als ihm der Vogt sein Leben zusichert, antwortet er, dass er ihn damit getötet hätte, wäre sein Knabe beim Apfelschuss ums Leben gekommen. Der Landvogt lässt Tell – wie versprochen – nicht umbringen, hat aber einen Vorwand, ihn zur Abschreckung aller gefangennehmen und per Schiff zur Burg nach Küßnacht bringen zu lassen.
Erste Szene:Um die Sache der Schweizer steht es nicht gut: Tell ist gefangen, und der alte Attinghausen liegt im Sterben. Über dem Vierwaldstättersee tobt ein furchtbares Unwetter – für den Fischer am Ufer nichts anderes als die Empörung der Natur über den Frevel der Unterdrücker. Draußen auf dem Wasser kämpft das Schiff des Landvogts mit den Elementen. Damit er es sicher durch das Unwetter steuern kann, hat Tell von Geßler die Tells FluchtFesseln gelöst bekommen, später aber mit einem kühnen Sprung an Land seine Freiheit wiedergewinnen können. Der Fischer, dem Tell von seiner Rettung erzählt, gibt ihm seinen Sohn als Führer nach Küßnacht mit und macht sich auf, um Hedwig von der glücklichen Wendung zu berichten.
Zweite Szene:Am Sterbebett Attinghausens TodAttinghausens haben sich dessen Freunde versammelt. Hedwig kann es nicht fassen, dass ihr Mann mit dem Apfelschuss das Leben des Sohnes aufs Spiel gesetzt hat, und macht seinen Freunden zum Vorwurf, nichts zu Tells Befreiung beigetragen zu haben. Bei Attinghausen flackert ein letzter Lebensfunke auf; um ihn nicht ohne Hoffnung für sein Vaterland sterben zu lassen, enthüllen ihm Melchthal, Walther Fürst und Stauffacher das Geheimnis des Rütlischwurs. Mit der Vision einer Schweiz, die frei aus blutigen Kämpfen erstehen werde, und mit der Aufforderung zur Einigkeit schließt der Greis seine Augen für immer. Sein Neffe Rudenz kommt zu spät. Als neuer Lehensherr will er das Freiheitswerk seines Onkels weiterführen, doch begegnen die Versammelten seinem Gesinnungsumschwung zunächst mit Misstrauen. Er eröffnet ihnen, dass er vom Rütlischwur gewusst, aber Stillschweigen bewahrt habe, und überredet die Anwesenden zu entschlossenem Handeln, da Bertha von Geßler entführt worden ist.
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