»Hör mal, Sanders …« Neuhaus faltet ansatzlos ein Stück Pizza mit den Fingern. »Was auch immer du von mir willst, vergiss es! Ich brauch meinen Job. Gerade jetzt.«
Sanders mustert die Wasserflecke auf dem zerkratzten Aluminiumbesteck. »Konrad Trasseur«, sagt er. »Schon mal gehört?«
Neuhaus’ fettglänzende Lippen verziehen sich zu einem Lächeln. Entspannt schüttelt er den Kopf.
»Ein Notar mit Kanzlei in Westend. Mein Vater glaubt, Trasseur hat ihm ein faules Investment aufgeschwatzt.« Es fällt Sanders schwer, sich auf Ermitteln und Essen gleichzeitig zu konzentrieren. Eine Pizza ist chaotisch, unordentlich. Ermitteln bedeutet, Ordnung in die Dinge zu bringen. »Ich wüsste gern, ob ihr was über Trasseur habt.«
»Betrug? Nicht mein Ressort. LKA 2. Gothaer Straße.« Neuhaus genießt es, am Drücker zu sein.
»Ich frage nicht für mich«, erinnert ihn Sanders, vielleicht mit einem Hauch Schärfe zu viel.
»Hey, jetzt stress mal nicht rum!« Neuhaus zeigt mit einem Pizzastück auf Sanders’ Brust. »Überhaupt, du siehst schlecht aus, Sanders. Ausgebrannt. Du arbeitest zu viel.«
Sanders geht darüber hinweg. Er weiß, im Grunde ist Neuhaus ein anständiger Kerl mit einem ungeheuer schlechten Gewissen. »Und wenn du schon dabei bist, kannst du auch den Sohn abfragen. Oliver Trasseur. Ebenfalls im Immobiliengeschäft.«
»Du musst auch mal an was Schönes denken, nicht immer nur an das Leben der anderen, Junge. Geh doch mal wieder weg. Silke sagt, ihr seid früher ganz gern ins Kino gegangen?«
Sanders hört nur halb zu. Auf keinen Fall kann er diese Pizza einfach so essen. Seine Regel lautet: Man schaut auf der Speisekarte nach, in welcher Reihenfolge die Zutaten aufgeführt sind. Blechpizza mit Champignons, Peperoni und Käse bedeutet: Zuerst isst man die braunen Champignons, dann die grünen Peperoni, dann den gelben Käse und erst ganz zum Schluss den Boden mit der roten Tomatensoße.
»Hast du noch Kontakt zu dieser Verrückten?«, fragt Neuhaus.
»Liberty? Wenig.«
Sanders’ Gabel sucht und findet die Champignons.
»Schade.« Neuhaus legt die Stirn in Falten, knabbert an einer Peperoni. »Wahnsinnsfrau! Da würde sich jeder die Finger nach lecken, Alter.«
»Ich will nicht unhöflich sein, Hannes.« Sanders lässt den Wein im Glas rotieren. »Aber mir wär’s lieber, wenn du nicht an jeder Frau lecken wollen würdest, die mir gefällt. Wird langsam zur Gewohnheit.«
Neuhaus boxt ihm mit der olivenölverschmierten Hand gegen die Schulter. »Sie gefällt dir, was?«
Sanders sortiert die Peperoni. »Sie hat ein wildes Herz.«
Neuhaus’ klebrige Finger fühlen sich warm an auf Sanders’ Handrücken. »Bisschen frischer Wind tut dir gut. Glaub mir.«
Sanders hebt den gelben Käse von der Tomatensoße, faltet ihn mit der Gabel beiseite. Der Teig weiß wie Schnee, die Tomatensoße rot wie Blut. Sie nehmen das Blut deiner Frau , wie Pawel Krawczyk es ausgedrückt hat. Das darf nie mehr passieren. Er kann niemanden mehr lieben und verlieren, in diesem Leben nicht mehr, erst recht keine schöne Frau.
Außerdem kann sich Sanders nicht so einfach in die Hände von jemand anderem begeben. Wieso sollte sich ein Mann einem anderen Menschen ausliefern? Trotzdem muss er lächeln, wenn er an Libby denkt.
»Junge«, kommentiert Hannes, »du bist so verklemmt, du wirst ja schon rot, wenn du ’n Ausziehtisch siehst.«
Sanders legt das zerkratzte Alubesteck beiseite und steht auf. »Wenn du mir helfen willst, Hannes, besorg mir die Informationen.« Er gönnt jedem Glücklichen sein Glück. Selbst Neuhaus. Aber es gibt Grenzen. Sanders wirft seine Serviette auf den Tisch und seinen Trenchcoat über den Arm. »Meine Empfehlung an die Frau Gemahlin.«
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