Katrin Rönicke - Emanzipation. 100 Seiten

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Emanzipation. 100 Seiten: краткое содержание, описание и аннотация

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Wer bei Emanzipation ausschließlich an die Frauenbewegung denkt, liegt falsch. Schließlich stammt das Wort bereits aus dem alten Rom. Damals bezeichnete es noch die Entlassung eines Sklaven aus dem Frondienst. Und gründete Kants Aufruf, sich aus der «selbstverschuldeten Unmündigkeit» zu befreien, nicht auch auf einem emanzipatorischen Prinzip? Emanzipation betrifft alle, die den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Woher sie kam, was sie heute bedeutet und was jeder bzw. jede für sie tun kann, erklärt die Journalistin und Bloggerin Katrin Rönicke.

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Eines Tages beschloss eine Schülerin aus der Clique, dass sie meiner überdrüssig war. Es folgte eine Mobbingkampagne gegen mich, an der sich beinahe alle Mädchen aus meiner Klasse beteiligten. Bei gemeinsamen Treffen zog man dermaßen über mich vom Leder, dass ich am liebsten sterben wollte. Als Reaktion auf diese Ausgrenzung entwickelte ich selbstzerstörerisches Verhalten in Form einer Essstörung. Und obwohl diese Mädchen mich so tief verletzt hatten, wollte ich immer noch nur eines: dazugehören. Ich hatte mich selbst und mein eigenes Glück davon abhängig gemacht, ein Teil dieser Gruppe zu sein, und ich brauchte ein ganzes Jahr, um zu begreifen, wie erniedrigend und zerstörerisch meine Sehnsucht war. Erst dann begriff ich, dass ich damit meine psychische Gesundheit gefährdete, die sogar schon ganz schön ramponiert war. Nur dank einer guten Freundin aus der ehemaligen DDR wurde mir bewusst, dass es besser war, alleine zu sein, als weiter um die Freundschaft dieser Leute zu betteln. Von einen Tag auf den anderen sagte ich alle Cliquentreffen ab, hörte ich auf, die Musik meiner Freunde zu hören, ihre Kleidungsordnung zu befolgen, um ihre Anerkennung zu werben. Ich zog einen Schlussstrich unter diese Zeit, um etwas Neues zu beginnen. Nicht sie bestimmten, was ich tat, trug, hörte und nachmittags unternahm – ich selbst bestimmte nun.

Tatsächlich blieb ich gar nicht lange alleine. Schnell entwickelte sich eine Freundschaft zu einem Mädchen, das einige Zeit vor mir schon einmal die Außenseiterin der Klasse gewesen war und das Mobbing kannte – auch sie hatte sich längst von dem Ideal verabschiedet, von den anderen »cool« genannt zu werden. Plötzlich war da außerdem ein Junge, der mich knutschen wollte, und noch einer, der mit mir gehen wollte – womit meine kühnsten Teenieträume wahr wurden, überraschenderweise ganz ohne dass ich zu den Coolen gehört hätte. Dann traf ich einen Jungen, der auch aus dem Osten kam. Er wurde mein erster Freund und wir verbrachten tolle Jahre miteinander. All das gelang mir, weil ich gelernt hatte, aus mir selbst heraus Sinn und Freude zu ziehen. Genau das machte mich dann für andere unwiderstehlich. Emanzipierte Menschen werden oft von anderen bewundert, denn sie haben meistens Mut bewiesen, Stärke und meistens auch Klugheit, indem sie eine Abhängigkeitssituation überhaupt als solche erkannt und sich dann entschieden haben, diese zu beenden. Sie wagen es, hinterher mit nichts von vorne anzufangen.

So pathetisch das klingt: Die erste Emanzipationserfahrung kann mir keiner nehmen. Immer wieder hilft mir diese Erinnerung aus meiner Jugend dabei, Beziehungen und Verhältnisse zu hinterfragen sowie immer wieder neu zu entscheiden, ob es wirklich so weitergehen soll oder ob ich besser neu anfange. Im Studium, im Job, bei Freundschaften, im Netz. Für uns westliche Menschen mögen keine ganz großen Emanzipationen mehr nötig sein, wie sie damals von den Suffragetten erkämpft wurden, die dafür sorgten, dass Frauen überhaupt wählen können. Wir brauchen keinen Mahatma Gandhi, um uns aus der Kolonialherrschaft zu befreien. Aber wir brauchen immer noch viel Mut, wenn wir das Studium schmeißen, den Vater unserer Kinder verlassen, den Twitteraccount löschen oder den Job an den Nagel hängen wollen.

Adam und Eva und die Folgen bis ins Mittelalter In der biblischen Geschichte - фото 2

Adam und Eva und die Folgen bis ins Mittelalter

In der biblischen Geschichte von Adam und Eva emanzipieren sich die Menschen von Gott. Gerade noch lebten sie in Frieden und ohne Leid oder unerfüllte Bedürfnisse im Paradies, da setzen sie auch schon die ganze Sache aufs Spiel, denn sie wollen vom verbotenen Baum essen, dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Waren sie eben noch eins mit der Natur, verstoßen sie nun gegen die Regeln, die Gott aufgestellt hat. Seitdem ist der Mensch, wie er nun einmal ist: Er leidet wie ein Hund im Kampf um sein Überleben, er weiß, dass er sterben muss, er fühlt sich seltsam abgetrennt vom Rest der Natur wie auch von den anderen Tieren und so fort. Menschsein ist eine Zumutung – immer schon. Die Geschichte von Adam und Eva wurde erfunden, um diese Zumutung zu erklären und zu bewirken, dass sie sich weniger ungerecht anfühlt. Adam und Eva, so diese Erklärung, haben eine Sünde begangen, indem sie sich über Gottes Gebot hinweggesetzt haben. Also ist das, was der Mensch heute ist, nichts anderes als dessen gerechte Strafe für diese Ungehörigkeit!

Man könnte aber auch anders an die Sache herangehen und sagen: Hey cool – Adam und Eva haben sich von Gott emanzipiert! So sieht es auch der Philosoph Erich Fromm (1900–1980), der bereits 1941 in seiner Schrift Die Furcht vor der Freiheit bemerkte: »Vom Standpunkt der Kirche aus […] ist diese Handlung eine Sünde. Vom Standpunkt des Menschen aus bedeutet sie hingegen den Anfang der menschlichen Freiheit.« Fromm sieht in den beiden Wesen, die Gott da im Paradies beherbergt, nicht einmal wirkliche Menschen, wenn er außerdem diese »Sünde« als »erste menschliche Tat« bezeichnet und das Leben im Paradies als »vormenschlich«. Kurz: Erst die Emanzipation von Gott macht den Menschen zum Menschen. Darin sind sich Fromm und die Kirche zumindest einig. Doch die Kirche trägt diese Begebenheit lange als eine Schreckensgeschichte vor: Da die beiden gesündigt haben, müssen seither alle Menschen büßen.

Mit einem Schaudern denken deswegen viele Menschen an das Mittelalter. Die Historiker können diese Zeit sicherlich besser erklären, als ich es kann, aber so viel habe ich doch verstanden: Die Strukturen im Mittelalter basierten in erster Linie darauf, dass man keine Wahl hatte. Man wurde in einen bestimmten Stand hineingeboren und gelangte so an einen Platz, der unverrückbar war. »Als Bauer geboren, als Bauer gestorben – Bauer ein Leben lang«, wie der kleine Ritter Trenk in der gleichnamigen Geschichte von Kirsten Boie. Tatsächlich rechtfertigte man diese Unfreiheit indirekt mit der Geschichte vom »Sündenfall«, also von Adam und Eva, denn das, was man war, was einem widerfuhr, das war von Gott genau so gewollt. Deswegen nahm man es auch so hin. Egal, wie arm oder reich einer war, wie gesund oder krank – Gott wollte es eben so. »Das Leben besaß für ihn einen Sinn, der keine Zweifel aufkommen ließ«, sagt Erich Fromm: »Jeder war mit seiner Rolle in der Gesellschaft identisch.« – Fast ein bisschen wie im Paradies also. Das Mittelalter bot damit auch ein gewisses Maß an Sicherheit – nur war diese an Knechtschaft gebunden.

Hinzu kamen verschiedene Macht- und Wissensmonopole, die zur Aufrechterhaltung dieser Knechtschaft notwendig waren. Diese Macht und das Wissen teilten sich die Herrscher – Könige und Fürsten – mit dem Klerus, also den Kirchenoberhäuptern. Die Geschichte von Adam und Eva zum Beispiel wurde mitsamt der ganzen Bibel von den Priestern und Bischöfen überliefert und interpretiert, da die Leute einerseits meistens nicht lesen konnten und andererseits die Bibel bis zur Übersetzung durch Martin Luther nur in der lateinischen Sprache vorlag. Daher hatte die normale Bevölkerung keine Möglichkeit, die Aussagen des Klerus über Gebote, Regeln, Pflichten und Bestimmungen zu prüfen. Vermutlich wären sie auf diese Idee aber ohnehin nicht gekommen, denn ein kritisches Wesen, das hinterfragt und reflektiert, war der Mensch damals noch nicht. Der Historiker Jacob Burckhardt beschrieb diesen Zustand als »träumend oder halbwach«, wie unter einem Schleier seien die Menschen damals in »Glauben, Kindesbefangenheit und Wahn« gefangen gewesen. Dieser Zustand änderte sich mit dem Ende des Mittelalters vor allem durch zwei Faktoren: Erstens kam die Reformation, zweitens eröffnete der Kapitalismus dem Bürgertum eine Möglichkeit, den eigenen Stand zu verlassen.

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