Berufsbilder hochsensibler Männer
Die Berufstätigkeit von HSP-Männern hat ähnliche Trends gezeigt wie die Berufstätigkeit von hochsensiblen Frauen. Bei der Umfrage zeigten sich jedoch noch weitere Differenzierungen. 16 % gaben an, einen künstlerischen Beruf auszuüben, 12 % arbeiten in der IT-Branche, 6 % als Wissenschaftler, 8 % als Handwerker und 15 % im Gesundheitswesen, 16 % sind nicht berufstätig aufgrund von Burnout oder anderen Erkrankungen. Die Mehrheit der Männer arbeitet als Angestellte (42 %) und 18 % sind Freiberufler. Interessant sind auch die Kommentare zu Mehrfachberufen, die hochsensible Männer aufgrund ihrer vielen Interessen und Begabungen ausüben.
Männerfreundschaften
Immerhin berichtete jeder zweite Mann in der Umfrage, dass er hochsensible Freunde habe. Jedoch gaben noch 30 % der Männer an, dass sie in ihrem Umfeld keine hochsensiblen Freunde haben. Das ist traurig. Denn nur durch Gleichgesinnte können wir unsere Einzigartigkeit positiv kennenlernen. Typisch für Hochsensible ist auch, dass die deutliche Mehrheit angab, wenige Freunde zu haben. Nur 9 % berichteten darüber, viele Freunde zu haben. Allgemein bevorzugen es die meisten Hochsensiblen, lieber wenige, tiefere Freundschaften zu pflegen, als viele oberflächliche Kontakte zu haben.
Männergruppen
Kreise unter Männern können viele wachstumsanregende Impulse geben. Besonders für hochsensible Männer, deren Väter eher ein negatives Bild hinterlassen haben, können diese Gruppen wichtige Heilungsimpulse geben. Es gibt unterschiedliche Formen von Männergruppen: Ein Großteil der angebotenen Gruppen bietet Seminare mit intensiver Naturerfahrung an, was vielen HSP-Männern entgegenkommt. Dazu gehören archaische Angebote wie das Feuermachen, Kanufahren, Fischen, indianische Schwitzhütten und Überlebenstrainings. Darüber hinaus gibt es die Gesprächsrunden unter Männern, in denen offen über Themen wie männliche Identität, Gefühle, Partnerschaft und Sexualität, Lebensphasen, Vaterschaft usw. gesprochen werden kann. Hier können hochsensible Männer endlich offen und in einem geschützten Rahmen über ihre innere Welt sprechen und heilsame, neue Impulse aufnehmen.
Es ist Zeit für ein neues Bild von Männlichkeit!
Die Integration der weiblich konnotierten Aspekte wie Emotionalität, Empathie, Mitgefühl, Kreativität und Naturverbundenheit könnte vielen männlichen Männern ganz guttun. Deshalb werden hochsensible Männer in unserer Gesellschaft dringend gebraucht. Unserer Kultur fehlt es an Impulsen sensibler Männer, die sich vielfach im Alltag zu sehr zurückziehen. Noch immer werden viele Unternehmen von jenen Männern geleitet, die den Kampf um Leistung, Effizienz und Gewinnmaximierung oft in unmenschlicher Weise vorantreiben. Generationenübergreifendes Denken gibt es in unserer Industriewelt kaum. In der kranken, männlich orientierten Welt der Wirtschaft und des Geldes wurde das weibliche Prinzip nahezu ausgelöscht. Das Ergebnis bekommen unsere Kinder präsentiert, die eine Erde vorfinden, die am Rande ihrer Kräfte ist. Mutter Natur wird so sehr ausgebeutet, dass viele Ökosysteme auf dem Land und im Wasser kurz davor sind, zusammenzubrechen. Der Raubbau an den Ressourcen der Natur und die unbändige Gier nach Bodenschätzen, Öl, Gas und Tieren haben schon viele Regionen der Erde zerstört. Da es nur wenige Vorbilder für hochsensible Männer gibt, ist es von unschätzbarer Wichtigkeit, dass Männer sich untereinander in ihrer Entwicklung gegenseitig unterstützen und Mut machen.
Welche Impulse können hochsensible Männer in die Gesellschaft einbringen?
•Die Entwicklung eines neuen Familienbildes
•Vorbilder für hochsensible Kinder sein
•Tiefe seelische Verbindungen in einer Partnerschaft leben
•Eine sensible, spirituelle, einfühlsame Sexualität leben
•Kreativität, Musikalität und Fantasie zur Entwicklung von Kunstprojekten
•Fähigkeit zu tiefen Gefühlen
•Die Welt menschlicher machen
•Die Integration weiblicher Aspekte in einer männlichen Identität
•HSP-Männer als Unterstützung und Stärkung von Frauen und der weiblichen Energie
•Ausgleich schaffen, Extreme abmildern
•Leichtigkeit, Humor einbringen
•Innovationen vorantreiben
•Philosophische Gedanken entwickeln
•Spiritualität leben und verwirklichen
•Durch Verbundenheit Verantwortung für Tiere und Menschen in Not übernehmen
•Dem Erwartungsdruck unserer Leistungsgesellschaft nicht entsprechen
Hochsensible Frauen
INTERVIEW MIT CHRISTINA (58 JAHRE)
Woran bemerkst du deine Hochsensibilität im Alltag?
Ich ertrage die Gesellschaft von mehr als zwei Menschen nicht – und auch die zwei schon nur schwer. Ich bin sehr lärmempfindlich. Ich kann nicht in Supermärkten einkaufen oder samstags in der Stadt sein oder Urlaub machen in einem Hotel. Wenn ich in der Straßenbahn fahre oder einen öffentlichen Raum betrete, nehme ich die Gesamtstimmung wahr und auch die Befindlichkeiten der Einzelnen – das ist sehr „laut“. Manchmal ist es, als werde ich angebrüllt. Ich höre die Menschen mit meinen inneren Ohren und kann mich nicht dagegen schützen.
In welchen Lebensbereichen empfindest du deine Hochsensibilität als Bereicherung? Wo eher als Last?
Im Kontakt mit meiner Familie und mit Freunden, mit Menschen, denen ich vertraue und die mir nah sind, ist es eine große Bereicherung, dass ich den anderen Menschen so differenziert und deutlich wahrnehmen kann. Haben diese Menschen Probleme, die sie mit mir besprechen, hilft es, weil ich die Untertöne hören kann. Ich sehe die Aura eines Menschen und die vorherrschende Farbe, das mag ich sehr gern, und es hilft, den anderen zu verstehen. Eine Last ist die Hochsensibilität, weil die Welt für mich zu laut und zu voll ist. Schwierig wird es, wenn ich Kontakt auf einer sachlichen Ebene habe, weil ich den anderen Menschen in all seinen Farben sehe und das Unausgesprochene wahrnehme. Wenn die Eindrücke stark sind, fällt es mir schwer, sachlich zu bleiben, ich gerate leicht auf eine andere Ebene. Ich sehe die Aura, spüre viel, und der Mensch scheint mir vertraut, er kennt mich aber nicht und will natürlich in einer solchen Situation nicht über Privates sprechen, und vermutlich will er auch nicht, dass ich davon weiß.
Wo siehst du deine Stärken?
Ich kann Menschen dabei helfen, klarer zu werden, zu erkennen, was sie quält und behindert. Ich kann leicht vermitteln, dass ich den anderen Menschen akzeptiere und nicht beurteile. Ich kann durch meine Anwesenheit schlichtend und ausgleichend wirken.
Wie würdest du deine Hochsensibilität gern in die Gesellschaft einbringen?
Ich würde gern als Mediatorin arbeiten. Mein größter Wunsch ist, die Geschichten aufzuschreiben, die ich um mich herum „höre“, die um mich herumschweben, und damit mehr Farbe in die Welt zu bringen.
Was bedeuten Gefühle für dich?
Ich lerne gerade, dass ich fühlen muss, will ich weiter wachsen, will ich meinen eigenen Raum finden. Das ist ein großes Abenteuer für mich und macht mir Angst …
Umfrage mit hochsensiblen Frauen
Ähnlich wie bei den HSP-Männern habe ich mit hochsensiblen Frauen eine Umfrage im Internet gestartet. Die Anzahl der Teilnehmenden war bei beiden Umfragen gleich. Ob sich die Ergebnisse als repräsentativ für die Gesamtgruppe der Hochsensiblen auswerten lassen, ließe sich nur durch zukünftige Umfragen klären. Dennoch sind die Trends eindeutig.
Partnerschaftsthemen von hochsensiblen Frauen
Im Vergleich zu den hochsensiblen Männern gibt es unter den HSP-Frauen weniger Singles. Während jeder zweite hochsensible Mann in der Umfrage Single war, betraf dies bei den Frauen nur 30 %. Ob es sich dabei um Alleinstehende oder um Geschiedene handelt, wurde nicht näher beleuchtet. Bei dieser Umfrage gaben 65 % der Frauen an, dass ihr Partner nicht hochsensibel sei, und 35 % hatten einen hochsensiblen Partner. Ca. 35 % hatten Kinder. über 60 % der Singles wünschten sich eine neue Beziehung. (Weitere Informationen zu Partnerschaftsthemen können Sie in Kapitel 3vertiefen.)
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