Orsini erklärte ihr kurz die Details, die er für notwendig hielt und sagte dann: „Natürlich weiß ich, was ich von dir verlange, und ich verstehe auch, wenn du nein sagst.“
Paula starrte geradeaus, strich sich unruhig mit einem Finger über die Wange und streifte dabei die Narbe.
„Wenn du darüber reden willst“, setzte er an, wurde aber barsch unterbrochen.
„Dieser Posa...“
„Posamentenhändler“, half Orsini.
„Dieser Händler, wieso kommst du auf die Idee, dass da etwas nicht stimmen könnte?“
„Um ehrlich zu sein, ich weiß es selbst nicht genau, aber ...“
„War ja noch nie anders bei dir.“
„Also“, fragte Orsini besorgt, „könntest du mir die nötigen Unterlagen besorgen? Falls du mir überhaupt hilfst ...“
Paula räusperte sich. Ihr Zorn hatte sich in etwas verwandelt, das sie noch nicht begriff. Plötzlich fragte sie sich, ob er sich immer noch gleich anfühlte, ob er immer noch ... „Okay Conrad, ich helfe dir.“
„Danke.“ Ein kleiner Etappensieg.
„Aber auf keinen Fall was Schriftliches! Alles, was du wissen willst, erfährst du direkt von mir.“
„Ist okay.“
„Und, es gibt noch eine Bedingung!“
„Welche Bedingung?“
Paula zögerte.
„Babysitten.“
„Wie, Babysitten?“
„Auf ein Kind aufpassen eben.“
„Was für ein Kind“, fragte Orsini erstaunt, obwohl er die Antwort ahnte.
„Meines. Ich hab eine kleine Tochter.“
„Eine Tochter ...“
„Ja, eine Tochter“, ahmte Paula ihn mit leicht angespannter Stimme nach, die Orsini nur allzu gut kannte, und beobachtete ihn kühl, wie er in sich zusammenschrumpfte.
„Ich ..., ich ..., ich kann das nicht.“
„Dann musst du es eben lernen. Außerdem sind’s nur ein paar Stunden. Also entweder ...“, verschärfte sich Paulas Tonfall.
„Ja. Ja, gut, ich mach’s. Wenn’s sein muss. Wann?“
„Morgen um zwanzig Uhr, bis ... bis ich alles habe, was du brauchst. Kann dauern. Ich hoffe, dass nichts dazwischen kommt!“
„Ich brauch jetzt einen Espresso“, griff Orsini das Wort auf, „du auch?“
„Ja, bitte.“
„Schwarz, ein Löffel Zucker – wie früher?“
Paula nickte kurz, ohne ihn anzusehen. Froh, die Situation entschärft zu haben, stand er rasch auf und holte die zwei kleinen dunklen Beschleuniger.
„Muss ich etwas ..., etwas Spezielles mitnehmen?“, fragte er, nachdem er die Schale vor Paula auf den Tisch gestellt hatte.
„Nein, ist alles da. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, um die Zeit schläft sie sowieso meistens.“ Ihr Tonfall hatte sich wieder normalisiert. Trotzdem trank sie ihren Kaffee in einem Zug aus, erhob sich und sagte, während sie in den Mantel schlüpfte und sich den Schal überwarf: „Bis morgen Conrad, zwanzig Uhr, ich verlass mich auf dich.“
„Ja, bis morgen. Zwanzig Uhr. Hat mich gefreut, dich wieder mal zu sehen!“
„Mich auch“, gab sie Conrad einen angedeuteten Kuss auf die Wange, drehte sich um und ging, ohne Orsini noch einmal angesehen zu haben. Überrumpelt von der kurz angebundenen Verabschiedung sah er ihr noch bewundernd nach, bis sie verschwunden war und erstarrte, nachdem sich ein unangenehmer Gedanke durchgesetzt hatte.
Der Gedanke verwandelte sich zu einem Problem, das konkrete Gestalt annahm und auch einen Namen trug.
Nämlich Anneliese Zechner, die junge, hilfsbereite Bankbeamtin, mit der Orsini ein Treffen vereinbart hatte, und zwar um neunzehn Uhr des gleichen Tages, jedoch an einem anderen Ort. Unentschlossen verließ er das Institutsgebäude. Nach so langer Zeit Paula wiederzusehen, tat gut und er merkte, dass er noch immer etwas für sie empfand. Ob das auch umgekehrt zutraf? Monatelang keine Verabredungen und jetzt am selben Tag gleich zwei, ärgerte er sich dennoch.
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