Welche Strategien die Lernenden im Unterricht anwenden, hängt zu einem guten Teil von der Gestaltung des Unterrichts durch die Lehrperson ab. Die Lernenden werden tiefen- und metakognitive Strategien eher dann einsetzen, wenn sie im Unterricht gefordert und gefördert werden.
Gefordert werden sie, wenn ihnen anspruchsvolle und anregende Aufgaben zur Bearbeitung vorliegen, die sie nur durch den Einsatz von Tiefenstrategien bearbeiten können. Lernende haushalten in der Regel mit ihren Kräften. Deshalb müssen sie in Situationen gebracht werden, die sie nur durch den Einsatz von metakognitiven Strategien bewältigen können.
Gefördert werden die Lernenden dann, wenn die Lehrperson ihnen gezielte Rückmeldungen gibt, wie gut sie durch den individuellen Einsatz von Ressourcen und persönliches Engagement Fortschritte erzielen konnten, und wenn die Lehrperson ihren Unterricht immer wieder nach dem direkten oder indirekten Verfahren variieren kann.
Aus diesem Begriffsverständnis leiten wir folgende Schlussfolgerungen ab:
Ein kompetenzorientierter Unterricht ist ausgerichtet auf die Entwicklung …
–von kognitiven Strategien,
–von metakognitiven Strategien,
–und von motivationalen Strategien.
Durch anspruchsvolle und anregende Aufgaben und den Einsatz von Methoden, die den Aufbau bestimmter Ressourcen unterstützen, tragen wir viel dazu bei, dass die Lernenden ihr Lernen und Arbeiten selbst in die Hand nehmen und künftige Herausforderungen in Arbeit und Beruf – dank gezieltem Einsatz von Ressourcen – bewältigen können.
1.3Unterrichten mit AVIVA – vier Vorteile
Kompetenzorientiert unterrichten bedeutet, die fünf Phasen nach dem AVIVA-Modell bei der Planung und Durchführung des Unterrichts stets sorgfältig zu beachten, den Lernenden den Weg mit verschiedenen Methoden – mehr oder weniger strukturiert, je nach den Voraussetzungen der Lernenden – vorzugeben und sie durch die Wahl der Methoden in Situationen zu versetzen, die sie nur durch den klugen Einsatz von Ressourcen meistern können. Der gezielte (und kreative) Einsatz von geeigneten Ressourcen selbst ist dann das, was wir als (Lern-) Kompetenz bezeichnen könnten. Das AVIVA-Modell bringt somit die wesentlichen Elemente eines gut strukturierten, kompetenzorientierten Unterrichts in einen praxisgerechten und klaren Ablauf. Daraus lassen sich vier Vorteile ableiten:
Das AVIVA-Modell verschafft Klarheit.
Wie bedeutsam das Merkmal «Klarheit der Lehrperson» für die Unterrichtsqualität ist, zeigen die Befunde aus der Studie Visible Learning von John Hattie. Es erreicht mit einer Effektstärke von 0.75 einen sehr hohen Wert und führt zu einer deutlichen Steigerung der Lernleistungen. Klarheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Lehrpersonen alle Planungsschritte im Hinblick auf die Ziele, Inhalte, Methoden und Medien benennen, begründen und beispielhaft darlegen können kann (Hattie & Zierer, 2016, 47–48).
Das AVIVA-Modell ist ein Koordinationsinstrument.
Ein Unterricht, der nach dem AVIVA-Modell geplant und durchgeführt wird, ist auch von außen beobachtbar und beschreibbar. Kolleginnen und Kollegen, die den Unterricht besuchen, können ihre Beobachtungen nach drei Aspekten gliedern: Phasen nach AVIVA, Aktivität der Lehrperson, Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler. Die aufgeführten Kriterien ermöglichen es allen Beteiligten, den Unterricht zu analysieren, um daraus Optimierungsmöglichkeiten abzuleiten.
Das AVIVA-Modell ist Analysemittel und Orientierungsraster zugleich.
Mit AVIVA hat die Lehrperson ein Analysemittel zur Hand, das ihr zeigt, welche Ressourcen in welcher Phase mit welchen Methoden sinnvoll aufgebaut werden. Es werden also nicht beliebig Ressourcen aufgebaut und Kompetenzen gefördert; beides steht vielmehr in einem direkten Zusammenhang mit den Inhalten (vorgegeben durch die verschiedenen Phasen) und der Art und Weise, wie die Lehrperson die Inhalte vermittelt.
Mit dem AVIVA-Modell lässt sich selbstverantwortetes Lernen fördern.
Wenn die Lehrperson den Lernenden das AVIVA-Modell erklärt, wird es ihnen besser gelingen, Ressourcen systematisch und gezielt aufzubauen und ihr Lernen zunehmend selbst zu steuern, also kompetente, selbstverantwortliche Lerner zu werden.
In den folgenden Kapiteln stellen wir die fünf Phasen nach dem AVIVA-Modell näher vor und zeigen, mit welchen Methoden die Lehrperson die Lernenden gezielt dazu anregen kann, bestimmte Ressourcen und Strategien aufzubauen. Bei den aufgeführten Methoden handelt es sich selbstverständlich nur um eine Auswahl. Jede Lehrperson kann und muss ihr Methodenrepertoire ihren Lernenden, dem Fach und den persönlichen Kompetenzen anpassen.
2Das AVIVA-Modell: Phase für Phase
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.