Anders als AdamsAdams, John Quincy und ClayClay, Henry wollte JacksonJackson, Andrew kein konstruktives Regierungsprogramm verwirklichen, sondern den „einfachen Mann“ von den Klammern befreien, mit denen der Bundesstaat und mächtige Wirtschaftsinteressen angeblich seine Entfaltung behinderten. Ideologisch gab es viele Berührungspunkte zum Jefferson’schen RepublikanismusRepublicans (Jefferson), dessen Sprache sich der Präsident und seine Anhänger geschickt zu bedienen wussten. Mit größtem Misstrauen begegneten sie der Zusammenballung wirtschaftlicher Macht und allem, was auf Privilegien und Monopole hindeutete. Eingriffe des Bundesstaates, selbst in Form von sozialen und kulturellen Reformen, schienen nur den Unternehmern und Bankiers des Nordostens zugutezukommen, nicht aber der Masse der Farmer, Handwerker und ArbeiterArbeiter. Deren Anliegen ließen sich nach Meinung der Jacksonians am ehesten auf lokaler Ebene, an den grassroots artikulieren, und sie konnten besser von den Regierungen und Parlamenten der Einzelstaaten als von der Bundesregierung verwirklicht werden. Die Idole der Jacksonian Democracy Jacksonian Democracy waren Männer wie David CrockettCrockett, David, ein Indianerkämpfer an der Siedlungsgrenze, Humorist und Politiker, der 1821 in das Parlament von TennesseeTennessee gewählt wurde. Mit seiner „natürlichen Klugheit“ (bei der es sich oft eher um Gerissenheit handelte) und seiner Respektlosigkeit gegenüber der sozialen Elite verkörperte er den Wandel der politischen Kultur.
Die Vorstellungen, die JacksonJackson, Andrew selbst von der Rolle der Bundesregierung und der Präsidentschaft hatte, waren im Wesentlichen negativ; er scheute sich nicht, seine Philosophie mit dem Instrument des Vetos durchzusetzen, das er häufiger gegen Gesetzesinitiativen des Kongresses einlegte als alle seine Vorgänger im Weißen Haus zusammen. Von einer reinen „Verhinderungspolitik“ zu sprechen, wie es zuweilen geschieht, wird aber weder JacksonsJackson, Andrew Persönlichkeit noch den komplexen politischen Zusammenhängen gerecht. Schon zu Beginn seiner Amtszeit bewies der Präsident in der Indianerfrage, dass er sehr wohl aktiv handeln konnte, wenn die Interessen der Union, wie er sie verstand, dies erforderten.
JacksonsJackson, Andrew IndianerpolitikNative AmericansAntebellum
Aus seinen Feldzügen gegen Stämme an der südlichen Frontier Frontier zu Beginn des Jahrhunderts hatte JacksonJackson, Andrew die Lehre gezogen, dass der Versuch, die Indianer zu „zivilisieren“, aussichtslos war und nur eine strikte Trennung von den Weißen helfen würde. Wie viele seiner Landsleute hielt er die Ureinwohner für „Wilde“ ( savages ), deren Lebensformen man nicht zu respektieren brauchte und die weichen mussten, damit die republikanische Vision des Empire of Liberty im WestenWesten in Erfüllung gehen konnte. In seiner ersten Botschaft an den Kongress kündigte er 1830 an, er werde dafür sorgen, dass alle Indianer, die sich noch im Osten der USA aufhielten, in Gebiete jenseits des MississippiMississippi (Fluss) verbracht würden. Das betraf in erster Linie die so genannten „fünf zivilisierten Stämme“ der CherokeeCherokee, CreekCreek, ChickasawChickasaw, ChoctawChoctaw und SeminolenSeminolen, die in South CarolinaSouth Carolina, GeorgiaGeorgia und FloridaFlorida – z.T. unter dem Schutz von Bundestruppen – Ackerbau und Handel betrieben. Ihre Assimilation ging so weit, dass sie eine Schrift einführten, Verfassungen entwarfen und sogar Sklaven hielten. Den Präsidenten ließ das kalt: Als Sofortmaßnahme zog er das Militär ab, wodurch die Stämme unter stärkeren Druck der Einzelstaaten und der weißen Siedler gerieten, die ein Auge auf das für den Baumwollanbau geeignete fruchtbare Land geworfen hatten. Wenig später verabschiedete der Kongress mit knapper Mehrheit den Indian Removal Act Native AmericansIndian Removal Act (1830), der Land westlich des MississippiMississippi (Fluss) als Entschädigung bereitstellte und auf dessen Grundlage Agenten der Bundesregierung – häufig unter mehr als zweifelhaften Begleitumständen – fast 100 UmsiedlungsverträgeNative AmericansUmsiedlung nach 1820 mit IndianerstämmenNative AmericansAntebellum abschlossen. Juristischen Widerstand gegen den Indian Removal leisteten vor allem die Cherokees, die den Staat Georgia vor dem Supreme CourtSupreme CourtNative Americansverklagten, weil er ihre 1827 verabschiedete VerfassungVerfassung nicht anerkannte und ihr Land unter fünf Counties aufteilen wollte. Das Oberste GerichtNative AmericansSupreme Court erklärte sich 1831 zwar mit der Begründung für unzuständig, die Cherokees seien keine „foreign nation“ im Sinne der US Constitution und hätten deshalb kein Klagerecht. Chief Justice John MarshallMarshall, John nutzte aber die Gelegenheit, in seiner schriftlichen Stellungnahme zum Fall Cherokee Nation v.GeorgiaGeorgiaCherokee Nation v.Georgia (1831) die nordamerikanischen Indianerstämme als „einheimische abhängige Nationen“ ( domestic dependent nations ) zu definieren, die in einem ganz speziellen Abhängigkeits- und Treuhandschaftsverhältnis zur Bundesregierung stünden. Diese Betonung der bundesstaatlichen Autorität in allen Indianerangelegenheiten entsprach ganz der Linie, die MarshallMarshall, John bereits 1823 im Fall Johnson v.McIntoshJohnson v.McIntosh (1823) vorgezeichnet hatte, als er den IndianernNative AmericansSupreme Court einen Rechtsanspruch auf ihr Stammesland zubilligte, den nur die Bundesregierung durch vertraglich vereinbarten Kauf oder militärische Eroberung ablösen könne.
Die Klage zweier weißer Missionare, die ohne Erlaubnis des Staates GeorgiaGeorgia bei den Cherokees lebten und deshalb von einem Staatsgericht zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren, lieferte MarshallMarshall, John 1832 eine Handhabe, die rechtliche Stellung der IndianerNative AmericansAntebellumNative AmericansUmsiedlung nach 1820 im amerikanischen Verfassungssystem noch präziser zu fassen. Unter seinem Vorsitz entschied der SupremeSupreme CourtNative Americans Court im Fall Worcester v.GeorgiaWorcester v.Georgia (1832)Georgia, dass die Missionare zu Unrecht verurteilt worden seien und das entsprechende Gesetz GeorgiasGeorgia gegen die Gesetze und die VerfassungGewaltenteilungUnion der Union verstoße. Über seine Darlegungen in CherokeeCherokee Nation v.Georgia hinaus bescheinigte MarshallMarshall, John nun den Indianerstämmen, sie hätten sich von jeher mit eigenen Institutionen und Gesetzen selbst regiert und besäßen deshalb als „a distinct people“ einen ähnlichen Status wie die Einzelstaaten. Die Stämme seien von der Bundesregierung stets als „Nationen“ behandelt worden, und sie blieben auch nach dem Abschluss von Verträgen separate politische Gemeinschaften, die innerhalb ihrer territorialen Grenzen uneingeschränkte Hoheit ( exclusive authority ) ausübten. Ihr Recht auf das von diesen Grenzen umschlossene Land werde von den Vereinigten Staaten nicht nur anerkannt, sondern sogar garantiert. Offensichtlich wollte der Federalist John MarshallMarshall, John – auf dem Höhepunkt des „NullifikationsNullifikations-Streit“-Streits zwischen Präsident JacksonJackson, Andrew und der Regierung von South CarolinaSouth Carolina – mit diesem Urteil einerseits die Kompetenzen der Bundesregierung gegen Übergriffe von Einzelstaaten stärken, andererseits aber auch die von Präsident und Kongress verfolgte Indianerpolitik in Frage stellen. Angesichts der Popularität des Removal -Konzepts dachte JacksonJackson, Andrew aber gar nicht daran, sich in dieser Hinsicht vom SupremeNative AmericansSupreme Court CourtSupreme CourtNative Americans Vorschriften machen zu lassen. MarshallMarshall, John habe sein Urteil gefällt, so soll er gesagt haben, und nun müsse der Chief Justice auch selbst zusehen, dass es befolgt werde.
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