Martin Knoll - Europäische Regionalgeschichte

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Das Begriffspaar «Region» und «regional» ist allgegenwärtig. Was genau eine Region ausmacht, bleibt aber häufig unklar. Dieses Studienbuch führt in grundlegende Begriffe und Konzepte rund um «Region» in der Geschichtswissenschaft ein und skizziert Perspektiven, Methoden und Theorien der Europäischen Regionalgeschichte.
Den Kern dieser Einführung bildet eine Sondierung regionalhistorischer Themen und Zugänge: Politikgeschichte, Mikrogeschichte, Globale und Transterritoriale Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Kulturgeschichte, Umweltgeschichte, Stadtgeschichte, Religions- und Konfessionsgeschichte, Tourismusgeschichte, Migrationsgeschichte, Geschichte von Einzel- und Gruppenbiografien, Geschlechtergeschichte, Regionalgeschichte im schulischen Kontext.

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Regionalität im Gefüge sozioökonomischer Realitäten, kultureller Identitäten, integrativer Marketingsprache, nationaler, supra- und subnationaler Politik ist kompliziert. Ein anekdotisches Beispiel mag als Andeutung genügen: Zur Feier der zweihundertjährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich im Jahr 2016 veranstaltete das Bundesland Salzburg eine breite Palette an Festlichkeiten, u. a. eine Landesausstellung. Der Salzburger Landeshauptmann (was einem Ministerpräsidenten in Deutschland entspricht) wurde anlässlich einer Pressekonferenz zu den Vorbereitungen des Jubiläums mit folgenden Worten zitiert:

Salzburg hat 600 Jahre zu Bayern gehört und war 500 Jahre ein selbständiger Staat. Jetzt sind wir 200 Jahre bei Österreich – nur um die Relation etwas zurecht zu rücken (200 Jahre bei Österreich, sn.at).

Nun zeigt genau dieses Zitat, wie anfällig für Missverständnisse die Konstruktion von Regionalität ist. Im Manuskript der Rede für Salzburg , die der Schriftsteller Karl-Markus Gauß zu eben demselben 2016er-Jubiläum gehalten hat, heißt es:

Als der letzte geistliche Herr Salzburgs aus der Stadt floh, ging in Wirren und Kriegen, mit Besatzungen und Plünderungen eine Epoche zu Ende. Dreimal wurde das Land jetzt von französischen Truppen besetzt, auf eine erste österreichische Ära folgten sechs Jahre, in denen Salzburg unter bayrische Herrschaft gestellt war; sechs Jahre, von denen ich kürzlich aus einer Sendung im deutschen Fernsehen erfuhr, sie hätten nicht weniger als sechshundert Jahre gedauert. Bis 1816 wäre Salzburg ununterbrochen sechs Jahrhunderte lang ein Teil Bayerns gewesen, zwei Jahrhunderte gehöre es nun zu Österreich, deswegen hegten viele Salzburger noch heute eine heftige Abneigung gegen Wien, während sie sich einen sentimentalen Hang zu München bewahrt hätten: Solches erfuhr die bildungshungrige deutsche Fernsehnation, was uns nicht zu ärgern, nicht einmal zu wundern braucht. Schließlich leben wir in Zeiten einer historischen General-Amnesie, in der etliche europäische Staaten, die periodisch Hunderttausende ihrer Bürger in die Flucht zwangen, in Panik geraten, wenn sie einmal in ihrer Geschichte nicht Menschen vertreiben, sondern selber ein paar Tausend Vertriebener aufnehmen sollen; und in Zeiten, in denen überhaupt die größte Konfusion darüber herrscht, was die Europäer in der fundamentalen europäischen Krise von heute eigentlich damit meinen, wenn sie von Europa sprechen und die europäischen Werte beschwören (Gauß 15. 01. 2016).

Interessant am Gauß-Zitat ist an dieser Stelle nicht das Leiden des Autors am traurigen Zustand des Gegenwarts-Europas – auch wenn er hier mit gutem Grund leidet. Interessant ist sein Hinweis auf die Rezeption des Salzburger Jubiläums im deutschen Fernsehen. Ohne die Sendung zu kennen, auf die Gauß sich bezieht und die behauptet habe, vor 1816 habe Salzburg über sechshundert Jahre zu Bayern gehört, drängt sich der Verdacht auf, wie die deutschen Fernsehleute auf diese Lesart gekommen sein mögen: Sie könnten jenes denkwürdige Zitat des Landeshauptmannes einfach gründlich in den falschen Hals bekommen haben. Sie mögen nicht gut zugehört haben – und etwas geschichtsvergessen werden sie wohl gewesen sein. Aber das Missverständnis hat – wenn man so will – doch auch Salzburger Wurzeln. Und: Karl-Markus Gauß setzt auf ein Missverständnis noch ein weiteres drauf. Denn ohne es zu wollen, reduziert er ein Thema regionaler Identität auf eine nationalstaatliche Lesart, wenn er hier das Agieren deutscher Medienmacherinnen und -macher stereotyp über einen Kamm schert.

Regionale Identitäten sind komplex. Darüber hinaus wird ein Detail in diesem anekdotischen Beispiel weder von den deutschen Fernsehleuten angesprochen noch von Gauß: Es gab im Verfassungsorganismus des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, dessen Kaiser die meiste Zeit in Wien saß, die Ebene der Reichskreise, eine Zwischenebene zwischen den einzelnen Fürstentümern und dem Reich. Und Salzburg gehörte über Jahrhunderte hinweg und bis 1803 zum Bayrischen Reichskreis. Wer Salzburg in der berühmten Topographia Germaniae sucht, einer Sammlung von illustrierten Landesbeschreibungen des Verlegers Matthäus Merian des Älteren (1593–1650) 1aus dem 17. Jahrhundert, wird nicht im Band mit dem Titel Topographia Provinciarum Austriacarum , der Österreich-Topografie, sondern im Band mit dem Titel Topographia Bavariae , der Bayern-Topografie, fündig.

Historikerinnen und Historiker, die regionalhistorisch arbeiten, aber auch diejenigen, die sich als Landeshistorikerinnen und -historiker verstehen, eint, dass es ihnen einigen Spaß bereitet, solche alltäglichen Gegenwartsbefunde in ihrer historischen Dimension aufzuschlüsseln und zu deuten.

Spatial Turn

Beide können sich eines Umstandes sicher sein: Der sogenannte Spatial Turn in den Kulturwissenschaften, die Rückkehr des Raumes – auch in der Geschichtswissenschaft – hat den Gegenständen und Diskussionen der landeshistorischen und der regionalhistorischen Forschung neue Aufmerksamkeit, aber auch neue Impulse beschert. Im Raume lesen wir die Zeit , so lautet ein vielzitierter Buchtitel des Historikers Karl Schlögel (2003). „Was lesen wir im Raume?“, lautet die titelgebende Gegenfrage des Literaturwissenschaftlers Jörg Döring und des Geografen Tristan Thielmann in der Einleitung ihres Sammelbandes (Döring & Thielmann 2009) zum Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Der Raum (Günzel 2020) und seine Lektüren hatten lange einen schweren Stand. Im Zeichen von Globalisierung und Digitalisierung glaubten die Kulturwissenschaften an ein Schrumpfen oder gar ein Verschwinden des physischen Raumes und an eine Entmaterialisierung und Deterritorialisierung von Kommunikation. Zugleich war – nicht zuletzt in der Geschichtswissenschaft – ein geografischer Materialismus, wie ihn Friedrich Ratzel (1844–1904) geprägt und Karl Haushofer (1869–1946) geopolitisch ausgedeutet und in die völkisch-nationalsozialistische Raumforschung eingespeist hatte, gründlich diskreditiert. Dass freilich die Raumkategorie nie komplett vom Radar der Geschichtswissenschaft verschwand, dafür liefert nicht zuletzt die geografisch informierte Geschichtsschreibung der französischen Annales -Schule (Burguière 2009; Schöttler 2015) ein beredtes Beispiel. In der jüngeren, durch den Spatial Turn geprägten Diskussion wurden nun verstärkt Inputs aus der Sozialgeografie, wie das handlungstheoretische Regionalisierungsverständnis von Benno Werlen (2017), oder aus der Soziologie, wie die relational argumentierende Raumsoziologie von Martina Löw (2017), rezipiert und diskutiert.

Was noch in der aufklärerischen Universalgeschichte des 18. Jahrhunderts außer Frage stand, dass sich nämlich – in den Worten Reinhart Kosellecks (1923–2006) – das Verhältnis zwischen Raum und Geschichte zwischen den Polen der „Naturvorgegebenheit jeder menschlichen Geschichte“ und den Räumen bewegt, „die sich der Mensch selber schafft,“ wurde nun auch in der Geschichte verstärkt zum Thema – und damit auch die räumliche Skalierung von Territorialität (Koselleck 2000, zitiert nach Piltz 2009, 78). Auf das historiografische Verständnis von Regionen gemünzt haben dies die Wirtschafts- und Sozialhistoriker Peter Ainsworth und Tom Scott einmal auf den griffigen Nenner gebracht, „that regions may be seen as the product both of reality (or nature) and of imagination (or human agency)“ (Ainsworth & Scott 2000, 19).

1.2 Landesgeschichte oder Regionalgeschichte?

Doch ein entscheidender Unterschied bleibt: die Landesgeschichte ist an die politischen Grenzen des Raumes gebunden; die Regionalgeschichte schafft sich ihre Grenzen durch ihre Fragestellung selbst (Hanisch 2000/2001, 47).

Über das Für und Wider der einen oder anderen Perspektive wurde schon viel geschrieben. Ebenso vielstimmig ist mittlerweile der Chor derjenigen, die die Diskussion über Landesgeschichte und Regionalgeschichte als Alternativen für überwunden halten. Der Historiker Ernst Hinrichs (1937–2009) hatte bereits 1985 auf die Vielfalt der Traditionen und Ansätze hingewiesen, die aus seiner Sicht Landesgeschichte ausmachten und daraus die Forderung einer „offenen Landesgeschichte“ abgeleitet, die sowohl selbstreflexiv als auch relational denke und sich durch ihre methodische Offenheit neues Terrain erobere. „Dann“, so Hinrichs, werde „es auch müßig sein darüber zu streiten, ob man sie Regionalgeschichte nennen sollte oder ob man bei der alten Bezeichnung bleibt“ (Hinrichs 1985, 18). Auch bei der Lektüre von Winfried Speitkamps Gedanken zum „Dilemma der Landesgeschichte“ (Speitkamp 2015) kommt das Projekt einer solchen als zeitgemäße „historische Regionalwissenschaft“ (Ebd., 85) zum Vorschein. Diese interessiert sich weniger für die Kategorie „Land“ als einen (vermeintlich) ontologischen Raum, denn für die Region als eine historisch wandelbare, vernetzte und durch unterschiedliche politische, wirtschaftlich-soziale, ökologische und kulturelle Faktoren konstituierte Kategorie.

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