«Die Staatsanwältin heisst Kummer», informierte ich Norah, als wir die Staatsanwaltschaft betraten.
«Kummer?», sagte Norah. «Wie passend.» Wieder begann sie, hysterisch zu kichern. Das konnte heiter werden.
Zwei Stunden später stand ich vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft. Halbzeit. Norah hatte um eine Pause gebeten. Sie war noch drinnen auf dem Klo. Ich war vorausgegangen; ich brauchte dringend eine Zigarette, ich lechzte richtiggehend danach. Norah hatte ihre Sache ganz gut gemacht. Sie hatte zwar öfters den Faden verloren, oder es musste ihr mehrere Male die gleiche Frage gestellt werden, aber alles in allem hatte sie den Ablauf der Ereignisse wiedergeben können, wie sie es mir erzählt hatte, nur detaillierter. Auch Fragen nach Jans beruflicher Tätigkeit waren gestellt worden, nach dem Geschäft, den Finanzen. In diesem Zusammenhang hatte ich Paul Petersen erwähnt. Die Kummer hatte mir einen gelangweilten Blick zugeworfen.
«Den befragen wir auch noch», hatte sie gesagt.
Norahs Reaktion war da schon um einiges interessanter gewesen. Sie war zusammengezuckt bei der Erwähnung seines Namens. Ich fragte mich, was dahintersteckte.
Im zweiten Teil würden die persönlichen Verhältnisse zur Sprache kommen: Familie, Beziehungen, Freunde, Feinde. Das würde erfahrungsgemäss der belastendere Teil werden.
Nachdem ich mir gerade einen Glimmstängel angezündet hatte, gesellte sich zu meiner Überraschung Staatsanwältin Kummer zu mir, ebenfalls heftig an einer Zigarette ziehend.
Sie bemerkte meinen Blick und zuckte leicht verschämt mit den Schultern. «Ich komme einfach nicht dagegen an.»
«Ich auch nicht.» Wir grinsten uns in einem kurzen Moment komplizenhaft an. Dann wurden wir wieder ernst.
«Was halten Sie von ihr?»
Ich war irritiert. Es war eine unübliche Frage für eine Staatsanwältin. Immerhin war ich Norahs Anwältin. «Von Norah Krüger, meinen Sie?»
Kummer nickte.
«Sie ist meine Mandantin.» Ich stiess Rauch aus.
Kummer verstand, liess aber noch nicht locker. «Sie ist sehr schön.»
Darauf hatte ich keine Entgegnung parat. Es schien auch keine erforderlich zu sein.
«Sie scheint verwirrt zu sein», fuhr Kummer fort.
«Ihr Mann wurde gerade ermordet. Es wäre eigentümlich, wenn sie nicht verwirrt wäre.»
«Trotzdem …» Kummer wollte offenbar noch etwas loswerden, doch da trat Norah durch die Tür und kam auf uns zu. Ich hielt ihr eine Flasche Cola hin.
Die Kummer drückte ihre Zigarette im überquellenden Aschenbescher aus, der an der Wand befestigt war. «Bis gleich», meinte sie und ging wieder hinein.
Ich widmete mich Norah. «So weit alles gut?», fragte ich.
Sie gab keine Antwort. Immerhin trank sie ein paar Schlucke Cola.
«Was wollte sie?» Sie machte eine Kopfbewegung zur Eingangstür.
«Die Kummer? Eine rauchen.»
«Sonst nichts?» Norah musterte mich misstrauisch.
Ich zögerte. «Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was sie wollte», sagte ich dann.
Norah fragte nicht weiter nach. Sie trank noch ein paar Schlucke, schraubte den Deckel zu. «Können wir ein paar Schritte gehen?»
Ich nickte. Norah ging neben mir her. Auf der Höhe des Gefängnisses zog sie ein silbernes Etui aus der Hosentasche.
«Tut mir leid, Moira. Aber ohne steh ich das nicht durch.» Sie nahm einen vorgerollten Joint aus dem Etui und steckte ihn in den Mund.
«Bist du wahnsinnig?» Ich zerrte sie am Arm um die Ecke auf die Hermann-Götz-Strasse. Hier konnte man uns von den Fenstern der Staatsanwaltschaft aus nicht sehen. «Kannst du damit nicht warten, bis wir fertig sind?»
Norah hatte sich den Joint bereits angezündet, und sein süsslicher Geruch hüllte mich ein. Schnell trat ich einen Schritt zur Seite.
«Nein», antwortete Norah. «Kann ich nicht. Entweder ich bin bekifft, oder ich habe Heulkrämpfe. Such dir was aus.»
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