Was macht dieses Buch so wertvoll?
Gedruckte und online verfügbare Auflistungen von Übungen gibt es viele. Mehr als genug, wie ich finde. Was dieses Buch dagegen bietet, konzentriert sich wirklich auf das, was wenig kostet und schnell zu beschaffen ist, bzw. idealerweise sogar vor Ort frei zugänglich ist. Zudem führt die Unterteilung in Handlungsräume dazu, dass Sie schnell eine ganze Reihe von Aktivitäten finden können, die sich für die Räumlichkeiten eignen, die Ihnen speziell zur Verfügung stehen. Die Übersicht am Ende des Buches soll dies zusätzlich erleichtern.
Quellennachweise und Würdigung
Die Übungen und Gedanken, die hier zusammen getragen sind, stammen nur zum Teil von mir. Mehrere wertvolle Quellen sind hier ausdrücklich zu nennen und zu würdigen.
Allen voran geht ein großer Dank an Claudia Seuffert vom Centrum für Erlebnispädagogik Volkersberg (CEP), die eine Phase lang an der Entstehung dieses Buches maßgeblich beteiligt war, und z.B. mit dem Kapitel „Nacht“ einen zentralen Beitrag geleistet hat. Auch im Kapitel „Wald“ und an anderen Stellen sind wertvolle Erfahrungen und Ideen von ihr eingeflossen. Die Einteilung der Kapitel in Handlungsräume entstand ebenfalls in Zusammenarbeit mit ihr. Mein ausdrücklicher Dank hierfür.
Unseren langjährigen Kollegen Annekatrin Vogler, Holger Haug, Carsten Waider und Florian Fries vom Centrum für Erlebnispädagogik Volkersberg (CEP) sei ein herzlicher Dank für die wertvolle Teamarbeit und die Bereitschaft zum Ausprobieren und Weiterentwickeln einiger der hier präsentierten Übungen. Aus dem CEP-Lehrtrainerteam stammt auch das Wellenmodel, das in der Einleitung verkürzt vorgestellt wird.
Die restlichen Übungen wurden in SimpleThings-Seminaren und/oder von mir entwickelt, oder stammen aus nicht mehr ganz nachzuvollziehenden Quellen. Soweit sie uns bekannt waren, sind fremde Quellen am Ende einer Übung angegeben. Wie bei den meisten Trainern basiert allerdings vieles in unserem Methodenkoffer auf Erfahrungen, die man als Teilnehmer oder Trainer über die Jahre hinweg irgendwo miterlebt, sich aneignet, und die wir dann nach unseren eigenen Neigungen verändern und weiter entwickeln. Ein Quellennachweis ist also oft schwierig, und wir bitten dafür um Verständnis.
Abschließend sind noch drei Menschen zu würdigen, die ebenfalls einen maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung und Qualität dieses Buches hatten: Claudia Herbig, die die großartigen Illustrationen gezaubert hat, welche die folgenden Kapitel zieren und die beschriebenen Aktivitäten zu erklären helfen. Heike Hildmann, die die Texte immer wieder einer konstruktiv kritischen Korrektur unterzogen hat, und sie dadurch sprachlich und inhaltlich immens aufgewertet hat. Und Werner Michl, der mir mit warmen, warnenden und beratenden Worten auch für dieses Projekt ein unschätzbarer Mentor war. Euch gilt mein herzlicher Dank!
Viel Freude beim Lesen und praktisch Anwenden!
Jule Hildmann
1 = Lediglich damit es sich leichter lesen lässt, wird in diesem Buch grundsätzlich die männliche Form verwendet. Weibliche Teilnehmerinnen, Trainerinnen und ich selbst sind dabei stets mit eingeschlossen.
Einführung ins Buch
Das Leben kann so einfach sein! Ein Plädoyer für die Einfachheit.
Das Ende der großen Materialschlachten ist eingeläutet! Der Minivan mit Seilkisten und Gurtzeug für erlebnispädagogische Veranstaltungen kann zu Hause bleiben und die Trainer können bequem und umweltfreundlich mit einer überschaubaren Reisetasche und der Bahn anreisen. Eine Anregung dessen, was in dieser Reisetasche – wahlweise auch Roll- oder Moderationskoffer im Baukastenprinzip – enthalten sein könnte, ist in Abb. 1 dargestellt. Solche und ähnliche, einfach zu beschaffende Gegenstände reichen aus, um die hier vorgestellten Übungen zu ermöglichen. Und zumindest einiges davon sollte auch am jeweiligen Handlungsort vorhanden sein, so dass es nicht einmal eingepackt werden muss.
Abb. 1: Solche einfachen Gegenstände – und das, was am jeweiligen Ort verfügbar ist – benötigen wir für die Aktivitäten in diesem Buch. Mehr nicht!
Das Leben kann bzw. sollte auch insofern einfach sein, weil großer (Material)Aufwand tieferen Entwicklungsprozessen sogar im Wege stehen kann. In der Praxis mit verschiedenen Zielgruppen lassen sich action-intensive Sportangebote mit solchen vergleichen, die auf den ersten Blick deutlich weniger reizvoll wirken, wie etwa Achtsamkeitsübungen und Kommunikationsaufgaben mit einfachem Arbeitsmaterial. Die Adrenalinausschüttung und Geschwindigkeit, Lautstärke und Bewegungsintensität bei Abenteuer-Aktivitäten vermag zwar nachhaltige und besonders eindrückliche Erlebnisse schaffen. In erster Linie beziehen sich diese allerdings meist auf körperliche Grenzerfahrungen (z.B. Höhe beim Klettern) und Wow-Effekte. Je minimalistischer – und manchmal, aber nicht immer, ruhiger – eine Aktivität dagegen ist, umso weniger Ablenkungen gibt es für die Teilnehmer, und die Auseinandersetzung mit sich selbst und den anderen Gruppenmitgliedern rückt deutlich in den Vordergrund. Hier entsteht in der Regel viel schneller und zuverlässiger der geschützte Rahmen, in dem tiefer liegende Bedürfnisse, Erlebens- und Deutungsprozesse aufgedeckt und wachstumsorientiert bearbeitet werden können. Welches davon später mehr als „Erlebnis“ erinnert wird, ist zum Teil erstaunlich. Denn nicht selten sind es diese letzteren Momente und Erfahrungen, die von den Teilnehmern als besonders einprägsam und nachhaltig rückgemeldet werden. Dieses Wissen können wir bei der Gestaltung von Programmen gezielt nutzen.
SimpleThings – Erlebnispädagogik mit Alltagsmaterial
Diese aufkommende Erkenntnis war einer der zentralen Motoren, die zur Entwicklung des SimpleThings-Konzepts geführt hat. Der andere war der wachsende Wunsch von Lehrern, Jugendarbeitern und anderen finanziell eher schwachen Anbietern, mit ihren Zielgruppen erlebnispädagogisch zu arbeiten. Solange dafür ein kostspieliger Materialaufwand und umfassende Fachsportqualifikationen erforderlich waren, waren viele Anbieter automatisch von diesem erfolgreichen pädagogischen Ansatz ausgeschlossen. Daher begann die Suche und aktive Entwicklung von Aktivitäten, die erlebnispädagogische Grundprinzipien und Ziele verfolgen, und die man mit einfachsten Mitteln aus dem Hut zaubern kann (vgl. Hildmann, 2015). Als Alltagsmaterial gelten dabei alle Dinge und ggf. Besonderheiten, die an einem vor Ort ohne Weiteres verfügbar sind. Dass dies in einem Schulungsraum anderes umfasst als in einer Fußgängerzone oder im Wald, erklärt sich von selbst und ist durchaus beabsichtigt. Es geht also darum, die vorhandenen Ressourcen zunächst einmal wahrzunehmen und dann kreativ zu nutzen.
Über die Jahre hinweg habe ich dieses Konzept erheblich weiterentwickelt, so dass inzwischen nicht nur Kooperationsaufgaben darunter gefasst sind, sondern alle möglichen Aspekte prozessorientierter Erlebnispädagogik, wie z.B. die Gestaltung fließender Übergänge zwischen einzelnen Übungen, Auswertungsmethoden, die Entwicklung von Metaphern und Rahmengeschichten, ein leicht verständliches Sicherheitskonzept, u.v.A.m. Diese sind z.T. an anderen Stellen veröffentlicht (Hildmann, vorr. 2017), und werden in Fortbildungen und einer Ausbildung am Centrum für Erlebnispädagogik Volkersberg vermittelt.
Gebrauchsanweisung – unbedingt lesen!
Dieses Buch soll ein schnell und einfach zu nutzendes Nachschlagewerk für Trainer und Pädagogen sein, die bereits Sicherheit haben in der Durchführung und Auswertung erlebnispädagogischer Angebote. Die Übungsbeschreibungen selbst sind auf einige zentrale Punkte beschränkt und thematisch wie optisch durchstrukturiert. Genaueres dazu siehe im nächsten Abschnitt. Dies soll das Nachschlagen und Anwenden einzelner Aktivitäten erleichtern.
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