1 ...6 7 8 10 11 12 ...20 Gilt
, d. h. stimmen die individuell optimalen Lösungen der Brauerei (A) und der Glashütte (P) überein, so ist das Koordinationsproblem gelöst. Für den Fall
ergibt sich nur dann eine standort- bzw. unternehmensübergreifende Lösung, wenn
• die Glashütte (P) sich an die optimale Bestellpolitik der Brauerei (A) anpasst 
Abb. 1-14: Lagerbestandsverläufe bei integrierter Bestell- und Produktionspolitik
• die Brauerei (A) sich an die optimale Produktionspolitik der Glashütte (P) anpasst
oder
• sich die Brauerei (A) und die Glashütte (P) auf eine andere gemeinsame Bestell- und Produktionspolitik einigen 
Die folgende Tabelle 1-7a zeigt die individuell optimalen Bestell- bzw. Produktionspolitiken sowie die daraus resultierenden Kosten des jeweils anderen Supply Chain-Akteurs.
Tab. 1-7a: Bestell- und Produktionspolitiken sowie resultierende Kosten
In unserem Beispiel der Bier-Supply Chain besteht offensichtlich das Koordinationsproblem, dass sich die Brauerei (A) und die Glashütte (P) auf eine gemeinsame Bestell- und Produktionspolitik
einigen müssen, da
gilt. Es existieren darüber hinaus konfliktionäre bzw. konkurrierende Beziehungen zwischen den (Kosten-)Zielen der beiden Akteure, d. h. mit der Erfüllung des Ziels eines Akteurs geht die Beeinträchtigung der Erfüllung des Ziels des jeweils anderen Akteurs einher. Wie kann nun dieses Koordinationsproblem bei konfliktionären Zielbeziehungen gelöst werden? Banerjee (1986) schlägt hierzu vor, eine integrierte Bestell- und Produktionspolitik derart zu wählen, dass die Summe der entscheidungsrelevanten Kosten der Akteure (A) und (P) minimiert wird:
Die optimale, integrierte Bestell- und Produktionspolitik
[ME] lässt sich durch Nullsetzen der ersten Ableitung der Funktion (1.3-9) nach x Germitteln:
Im Beispiel ergibt sich die integrierte Bestell- und Produktionspolitik mit
= 6831,3 [ME]. Die Kostenwirkungen dieser Bestell- und Produktionspolitik sind in der folgenden Tabelle 1-7b sowie in der folgenden Abbildung 1-15 den Kosten der individuell optimalen Politiken gegenübergestellt.
Tab. 1-7b: Bestell- und Produktionspolitiken sowie resultierende Kosten
Mit
= 6831,3 werden zwar die geringsten Supply Chain-weiten Kosten realisiert, aber im Vergleich zu den jeweiligen individuell optimalen Lösungen stellen sich beide Akteure durch die Wahl der integrierten Bestell- und Produktionspolitik schlechter, d. h. es liegt eine Lose-Lose-Situation vor. Damit die Brauerei (A) und die Glashütte (P) diese Lösung zumindest als fair empfinden, schlägt z. B. Fleischmann (1999) eine Aufteilung der Gesamtkosten im Verhältnis von
vor, d. h. in unserem Beispiel im Verhältnis von 
Auch wenn eine »faire« Aufteilung der Gesamtkosten einer integrierten Bestell- und Produktionspolitik erfolgt, besteht weiterhin eine Lose-Lose-Situation. Bei der
Abb. 1-15: Bestell- und Produktionspolitiken sowie und resultierende Kosten der Akteure
von Banerjee (1986) vorgeschlagenen Lösung – auch bei einer »fairen« Kostenaufteilung – handelt es sich entscheidungstheoretisch um ein so genanntes Kompromissmodell, da es die Zielvorstellungen der beiden Akteure, repräsentiert durch die Zielfunktionen (1.3-1) und (1.3-5), in der Kompromisszielfunktion (1.3-9) zusammenfasst. Das bereits oben genannte Problem der konkurrierenden Zielbeziehungen besteht jedoch weiterhin, d. h. akzeptiert ein Akteur die mit Hilfe eines Kompromissmodells generierte Lösung nicht und fordert die Realisierung einer anderen Lösung, welche ihn besser stellt, so impliziert dies zwingend, dass der andere Akteur schlechter gestellt wird, was dieser ablehnen wird (Knörzer, 2002). Sowohl die Glashütte (P) als auch die Brauerei (A) haben somit zunächst kein Interesse daran, von ihrer jeweils individuell optimalen Lösung abzuweichen und eine wie auch immer ermittelte Kompromisslösung zu akzeptieren (
Tab. 1-7c).
Tab. 1-7c: Bestell- und Produktionspolitiken sowie resultierende Kosten
Eine Möglichkeit, eine von beiden Akteuren akzeptierte Lösung herbeizuführen, sind Verhandlungen. Die Koordination in Supply Chains auf Basis von Verhandlungen ist ein weites Forschungsgebiet (Hezarkhani/Kubiak, 2010, Shen et al., 2018) und wir werden in einem späteren Kapitel näher darauf eingehen. Bereits jetzt kann jedoch festgestellt werden, dass eine Verhandlungslösung immer auch davon abhängig ist, welcher der Akteure über die größere Macht verfügt: »A firm’s power reflects its potential for influence on the decision making and behavior of another firm« (Frazier et al.,1988, S. 58).
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