Die Management- und Koordinationsaufgaben in Supply Chains werden dadurch bestimmt, dass einerseits das Netzwerk selbst – bzw. die einzelnen Partialnetzwerke – Gegenstand des Supply Chain Managements sind. Andererseits ist die Koordination der einzelnen Prozesse im Netzwerk expliziter Bezugspunkt des Managements von Supply Chains (Halldórsson et al., 2007, Halldórsson et al., 2015 und Sydow, 1992).
Koordination bedeutet im Kontext von Supply Chain Management, die einzelnen Handlungen der Supply Chain-Akteure so auszurichten, dass die Gesamtaufgabe zielgerichtet gelöst wird. Bereits Meyer (1959, S 18) betont, dass »[…] Koordination das systematische gegenseitige Ausrichten von Dingen und Handlungen, die miteinander verbunden sind oder zueinander in Beziehung stehen, zum Erreichen einer Übereinstimmung, eines harmonischen Ganzen, harmonischen Zusammenwirkens oder Gleichlaufs bedeutet, d. h. ihr gegenseitiges In-Einklang-Bringen, ihre Abstimmung.« Kirsch (1971, S. 61-62) definiert Koordination als die Abstimmung der Entscheidungen »[…] interdependenter Entscheidungsträger in wünschenswerter Weise.« Die Extrempunkte des Spektrums potenzieller Koordinationsmechanismen bilden die reine marktliche sowie die reine hierarchische Koordination (Asdecker, 2014). Bei der erstgenannten Alternative wirken Preise als Koordinationsinstrument, wohingegen sich die reine hierarchische Koordination Weisungen und Plänen bedient (Jost, 2013 und Fandel et al., 2009), d. h. in Hierarchien übernehmen bestimmte Institutionen die Koordinationsaufgabe (Kaupp, 2004).
Frese (1998, S. 69) hebt schließlich den Zielbezug der Koordination hervor: »Koordination bedeutet das Ausrichten von Einzelaktivitäten in einem arbeitsteiligen System auf ein übergeordnetes Gesamtziel.« Als Ziele des Supply Chain Managements dienen Größen, die sich hauptsächlich hinsichtlich des Disaggregationsgrads unterscheiden und allgemein von der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit (z. B. Kotzab, 2000 und Stadtler, 2015), über den Endkundennutzen (z. B. Heusler, 2004 und Corsten/Gössinger, 2008) und die Kostensenkung (z. B. Hahn, 2000, Heusler, 2004 und Kotzab, 2000) bis zur speziellen Realisierung von Zeit- oder Qualitätsvorteilen (z. B. Hahn, 2000 und Heusler, 2004) reichen.
Im Kontext von Supply Chain Management taucht auch der Begriff coopetition auf. Auch wenn Supply Chain Management auf Kooperation und Kollaboration abstellt, bestehen aufgrund konfliktionärer Zielbeziehungen zwischen Abnehmern und Lieferanten in Supply Chains Konkurrenzbeziehungen. Die Begriffe Konkurrenz und Wettbewerb werden i. d. R. auf Unternehmen der gleichen Wertschöpfungsstufe angewandt. Aber auch zwischen Lieferanten und Abnehmern kann eine der Konkurrenz analoge Beziehung identifiziert werden (Leavy, 1994). »Es ist Kooperation, wenn Lieferanten und Kunden zusammenkommen, um erst einmal Werte zu schaffen. Doch wenn der Kuchen aufgeteilt werden muss, drängen Kunden auf niedrigere Preise, und Lieferanten wollen auch ihren Schnitt machen. So kommt es bei der Aufteilung des Kuchens zur Konkurrenz« (Nalebuff/Brandenburger, 1996, S. 47). Zur Beschreibung dieses Spannungsfeldes zwischen Kooperation und Wettbewerb in Zulieferer-Abnehmer-Beziehungen haben Nalebuff/Brandenburger (1996, S. 48) den Begriff coopetition geprägt, eine Wortschöpfung, die sich aus cooperation und competition zusammensetzt. »To encourage thinking about both cooperative and competitive ways to change the game, we suggest the term coopetition« (Brandenburger/Nalebuff, 1995, S. 59). Sie wurden zu dieser Wortschöpfung durch Ray Noorda, dem Gründer des Computerherstellers Novell, inspiriert, der zu den Beziehungen zwischen Lieferanten und Abnehmern in der Computerindustrie ausführt: »You have to cooperate and compete at the same time.« (zitiert nach Brandenburger/Nalebuff, 1995, S. 58). In der deutschsprachigen Literatur findet sich in diesem Zusammenhang auch der Begriff Koopkurrenz als Wortschöpfung aus Kooperation und Konkurrenz (Reiß, 2001, S. 139).
Die Zusammenführung der genannten Aspekte bzw. Elemente des Supply Chain Managements mündet in folgendem Begriffsverständnis, welches diesem Lehrbuch zu Grunde gelegt wird (
Abb. 1-35): Supply Chain Management beschreibt die an den Kundenbedürfnissen ausgerichtete, kooperative Planung, Steuerung und Kontrolle von produkt- oder produktgruppenbezogenen, unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsnetzwerken mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit sowohl der einzelnen Supply Chain-Akteure als auch der gesamten Supply Chain zu erhöhen. Supply Chain Management umfasst dabei sowohl die zielgerichtete Gestaltung der einzelnen Supply Chain-Ebenen als auch die zielgerichtete Koordination der Prozesse in der Supply Chain.
Abb. 1-35: Elemente der Supply Chain-Definition
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