Abb. 1-28: Prozess- und Ressourcenebene der Supply Chain (Quelle: Sucky/Hönscheidt, 2008, S. 134)
Die Anzahl der Standorte (Knoten), die Anzahl der Verbindungen (Pfeile) sowie die Orientierung der Pfeile determinieren die Struktur der Supply Chain auf der Prozess- und Ressourcenebene. Die Menge der Standorte, an denen – bezüglich der Prozessart und der Positionierung im Leistungsprozess – gleichartige, ortsgebundene Wertschöpfungsprozesse realisiert werden, bilden dann eine Wertschöpfungsstufe (Schulte, 2013). Abbildung 1-28 zeigt beispielhaft die Prozess- und Ressourcenebene einer Supply Chain mit 5 Stufen. Die Struktur die Supply Chain ist somit durch die Zahl der Standorte je Stufe, ihrer räumliche Positionierung sowie der Zuordnung zu Standorten auf vor- und nachgelagerte Stufen gekennzeichnet. Für die von uns betrachtete Brauerei kann sich beispielsweise folgender Ausschnitt der Prozess- und Ressourcenebene ergeben (
Abb. 1-29).
In Abhängigkeit der Anzahl von Quellknoten und der Anzahl von diesen zugeordneten Senkeknoten können allgemein baumartige und flächige Netzwerkstrukturen unterschieden werden (Kaupp, 2004). Wird – ausgehend von einem Produktionsstandort – die Distribution (one-to-many network) oder der Bereich der Beschaffung (many-to-one network) betrachtet, können baumartige Netzwerke identifiziert werden, d. h. die Pfeile münden entweder konzentrisch in einer Senke oder starten vor ihrer Auffächerung in einer Quelle (Bretzke, 2006). Während one-to-many Netzwerke mit einer Quelle, mehreren Umschlagknoten und mindestens zwei Senken eine divergierende Struktur aufweisen, sind many-to-one Netzwerke mit mindestens zwei Quellen, mehreren Umschlagknoten und genau einer Senke durch eine konvergierende Struktur gekennzeichnet. In real existierenden Supply Chains können jedoch neben one-to-many Teilnetzwerken und many-to-one-Teilnetzwerken auch Cross Docking- bzw. Zentrallager-Teilnetzwerke (many-to-one-to-many) identifiziert werden. Allgemein sprechen Beamon/Chen (2001) dann von einer »general structure« (
Abb. 1-30).
Flächige Netzwerkstrukturen sind im Gegensatz zu Baumstrukturen durch mindestens zwei Quellen und mindestens zwei Senken gekennzeichnet (many-to-many network). Auch sind flächige Netzwerke durch multidirektionale Güterflüsse geprägt, d. h. durch die Knoten fließen Güterströme in eingehender und ausgehender Richtung (Bretzke, 2006).
Abb. 1-29: Ausschnitt der Prozess- und Ressourcenebne der Bier-Supply Chain (Quelle: Sucky, 2008)
Abb. 1-30: Strukturen der Prozess- und Ressourcenebne von Supply Chains
Schließlich wird die Struktur der Prozess- und Ressourcenebene von Supply Chains durch Art und Umfang der Konsolidierung beeinflusst. Zur Realisierung von Economies of Scale können z. B. in many-to-one Netzwerken die Güterflüsse mehrerer Quellen in einen Umschlagknoten münden, um sie dort zielknotenspezifisch zu konsolidieren (
Abb. 1-31).
Abb. 1-31: Konsolidierung in Supply Chains (Quelle: Sucky, 2018b, S. 23)
2.2.2.4 Interdependenzen der Supply Chain-Ebenen
In den entwickelten Partialnetzwerken der Supply Chain erfolgt eine Trennung der institutionellen, der informatorischen und der prozess- und ressourcenorientierten Perspektive der Supply Chain. Dadurch gelingt eine konsistente, je nach Analysegegenstand auf eine bestimmte Ebene beschränkte Darstellung des betrachteten Netzwerks. Zwischen den einzelnen Partialebenen bestehen jedoch weitreichende Interdependenzen. So bestehen Verantwortlichkeiten der Knoten auf der institutionellen Ebene über die disponierbaren Ressourcen zur Durchführung der ortsgebundenen und nicht-ortsgebundenen Prozesse auf der informatorischen Ebene und der Prozess- und Ressourcenebene. Auch vollziehen sich Verhandlungen über die Ausgestaltung von vertraglich zu vereinbarenden Lieferkonditionen zwischen den Beteiligten auf der institutionellen Ebene der Supply Chain, während das Ergebnis solcher Verhandlungen den Materialfluss und damit den Vollzug von Wertschöpfungsprozessen auf der prozess- und ressourcenorientierten Ebene determiniert. Zur Planung und Steuerung der Prozesse auf der Prozess- und Ressourcenebene wiederum werden IuK-Technologien auf der informatorischen Ebene eingesetzt.
Mit Hilfe der Graphentheorie können diese Interdependenzen visualisiert und problemadäquat abgebildet werden. Betrachten wir hierzu beispielhaft die Interdependenzen zwischen der institutionellen Supply Chain-Ebene und der Prozess- und Ressourcenebene der Supply Chain. Die Institutionen (OEM, Zulieferer, Logistikdienstleister, Dienstleister, Groß- und Einzelhandelsunternehmen, Endkunden, etc.) sowie deren Beziehungen werden durch die Knoten
und die Pfeile
abgebildet, mit i, j = 1,2,3, …, I und (
Abb. 1-32).
Abb. 1-32: Institutionelles Netzwerk (Quelle: Sucky, 2004c, S. 11)
Auf der Prozess- und Ressourcenebene werden die Knoten mit
bezeichnet, wobei der Index p = 1,2,3,...,P einen bestimmten, stationären Wertschöpfungsprozess kennzeichnet. Mit dem Index r = 1,2,3,...,R können gleichartige, stationäre Wertschöpfungsprozesse hinsichtlich der Lokalisierung der zu ihrer Realisation notwendigen Ressource differenziert werden. Ein Pfeil
zeigt beispielsweise eine potenzielle Transportverbindung an (
Abb. 1-33).
Abb. 1-33: Prozess- und Ressourcennetzwerk (Quelle: In Anlehnung an Sucky, 2004c, S. 14)
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