Götzl Wie war das Verhalten von Herrn B. während der Vernehmungen?
Ralf B. Absolut kooperativ. Er hat sich sehr bemüht, sich zu erinnern, das gelang nicht immer. Er hat auch zu Hause Unterlagen rausgesucht, um Erinnerungen aufzufrischen und um Belege und Fakten zu finden, die für die Ermittlungen dienlich sein könnten, was auch der Fall war.
Verteidigerin Sturm Sie haben wiederholt von »Trio« gesprochen. Hat Herr B. diesen Begriff gewählt?
Ralf B. Er hat von »den dreien« gesprochen.
Verteidigerin Sturm Sollte er konkretisieren, wen er jeweils meint?
Ralf B. Wir haben wirklich versucht, darauf zu achten. Wenn er von allen dreien sprach, hat er alle drei gemeint.
(Der nächste Zeuge ist der Beamte Christian V., der Max-Florian B. ebenfalls vernommen hat.)
Christian V. Die Vernehmung am 5.1.2012 fand in den Räumen der Bundesanwaltschaft statt. Herr B. machte einen relativ ruhigen und souveränen Eindruck, er war kooperativ. Es gab zunächst mehrere Vorhalte aus früheren Vernehmungen. Wen er meinte mit »den dreien«? Er sagte, die drei seien für ihn als Einheit aufgetreten, er könne da niemanden herausheben. Er habe zum Beispiel immer mit Mundlos telefoniert, aber er hatte das Gefühl, dass dieser immer für alle drei sprach. Den Funkscanner habe zwar Böhnhardt benutzt, aber da habe er gemerkt, dass alle drei ein Interesse hatten. Auch seien alle drei nervös geworden, als ein Polizeiwagen in der Straße auftauchte. Er berichtete von der Erstellung des Pogromly-Spiels, dass alle drei beteiligt gewesen seien an der Fertigung. Böhnhardt habe ihm gesagt, dass er niemandem erzählen solle, dass er die drei untergebracht habe. Herr B. sagte, das sei ihm grundsätzlich klar gewesen, dass er dichthalten sollte. Zur Rolle von Frau Zschäpe gab er an, dass sie aus seiner Sicht eine absolut gleichberechtigte Rolle einnahm. Sie sei auf keinen Fall nur das Mäuschen gewesen, das den beiden bloß das Essen gekocht hat. Die hätten gesagt, dass sie sich ihr Leben verbaut hätten. Er habe das Gefühl gehabt, dass sie auch nicht mehr in der Szene seien. Herr B. sagte, dass er sich gedacht habe, dass alle drei gesucht werden und nicht nur wegen der Sachen, die sie ihm erzählt hätten. Er habe aber nicht gewusst, dass sie echte Bomben bauen und Morde begehen.
26. März 2014
Manfred Götzl, Richter. Juliane W., 32, Verkäuferin in Jena. Herbert Diemer, Vertreter der Bundesanwaltschaft. Wolfgang Stahl, Verteidiger von Beate Zschäpe. Olaf Klemke, Verteidiger von Ralf Wohlleben. Angelika Lex, Anwältin der Nebenklage.
Götzl Wann haben Sie Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt, Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben kennengelernt?
Juliane W. Den Ralf hab ich kennengelernt, als ich fünfzehn war. Irgendwann waren wir halt zusammen. Die anderen habe ich dann halt auch kennengelernt, im Jugendklub, weil das ja auch sein Freundeskreis war. Es könnte 96 oder 97 gewesen sein. Anfang ’99 haben wir uns getrennt.
Götzl Wann war das letzte Zusammentreffen mit Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe?
Juliane W. Der letzte Kontakt mit Herrn Böhnhardt war am Tag des Verschwindens der drei. Da haben Böhnhardt und Henck mich bei der Schule abgeholt mit dem Satz: Du musst mitkommen, sonst muss der Ralf ins Gefängnis. Als junger Mensch geht man dann halt mit. Mit dem Volker Henck bin ich dann nach Erfurt gefahren, um den Ralf zu informieren. Das ging alles viel zu schnell an dem Tag, ich kann das nicht so wiedergeben, wie Sie das vielleicht gerne hätten.
Götzl Erzählen Sie doch einfach mal den Ablauf.
Juliane W. Ich bin mit Volker Henck nach Erfurt gefahren, um dem Ralf das mitzuteilen, dass eine Durchsuchung erfolgt, und ich bin getrennt vom Ralf wieder mit dem Volker nach Jena gefahren. Ralf ist separat gefahren.
Götzl Wie ging es dann weiter?
Juliane W. So weit ich mich erinnern kann, wurde ich zu Herrn Mundlos an die Wohnung gefahren, wo die Polizei auch schon vor Ort war. Ich sollte ursprünglich Sachen aus der Wohnung holen: T-Shirts, Pullis, keine Ahnung. Natürlich habe ich dann keine Sachen mitgenommen. Ich bin gegangen. Mir wurde dann gesagt, dass ich noch zur Beate in die Wohnung soll. An dem Tag habe ich nichts weiter gemacht.
Götzl Waren Sie denn jetzt in Beates Wohnung?
Juliane W. Ich denke schon.
Götzl Ich habe Sie belehrt, dass Sie nichts verschweigen dürfen.
Juliane W. Ich kann mich ja nur auf das berufen, was ich bei der Polizei gesagt habe.
Götzl Sie sagen mir, was Sie wissen! Und zwar vollständig!
Juliane W. Ich kann mich an zwei blaue Tüten erinnern.
Götzl Wie kamen Sie in die Wohnung?
Juliane W. Meine Vermutung: Ich hab einen Schlüssel bekommen.
Götzl Von wem?
Juliane W. Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sagen.
Götzl Was haben Sie mitgenommen?
Juliane W. Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht.
Götzl Was haben Sie mit den Sachen gemacht?
Juliane W. Ich habe sie zu Herrn Henck ins rote Auto gebracht, das stand vor der Tür. Ich habe dann nicht mehr mitgemacht. Ich bin dann nach Hause gegangen.
Götzl Wie sind Sie nach Hause gekommen?
Juliane W. Zu Fuß. Oder mit der Linie 13.
Götzl Was haben Sie mit dem Schlüssel gemacht?
Juliane W. Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.
Götzl Noch mal zurück zu dem Zeitpunkt, als man Sie an der Schule abgeholt hat. Wie soll ich mir das Gesprach vorstellen?
Juliane W. Herr Henck und Herr Böhnhardt waren bei mir an der Schule. Sie haben mich aus dem Unterricht geholt. Ich soll mitkommen, da Ralf sonst ins Gefängnis muss. Ich bin dann wieder rein, habe dem Lehrer gesagt, dass ich krank bin. Und als ich wieder raus bin, war der Uwe Böhnhardt nicht mehr da. Ich bin dann mit Volker mitgefahren.
Götzl Wie haben Sie das denn eingeordnet mit dem Gefängnis?
Juliane W. Ich konnte das gar nicht einordnen, weil ich gar keine Informationen hatte. Auch von der Garagendurchsuchung habe ich erst aus den Medien erfahren.
Götzl Klingt nicht überzeugend, Frau W. Ich kann es auch gar nicht nachvollziehen. Ralf müsste eventuell ins Gefangnis, Sie sollten ihn informieren. Was haben Sie ihm denn gesagt?
Juliane W. Weiß ich nicht. Ich war sehr jung, ich hatte Angst um meinen Freund, ich wusste nicht, worum es geht, definitiv nicht.
Götzl Zu welchem Zweck fuhren Sie jetzt nach Erfurt?
Juliane W. Ich habe mir Sorgen um meinen Freund gemacht. Ab wann und was ich mit ihm gesprochen habe, kann ich Ihnen nicht sagen. Keine Ahnung, ob man das nachvollziehen kann. Wenn man sich Sorgen macht um seinen Freund, versucht man schon, alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass man mit ihm spricht.
Götzl Was haben Sie denn später gemacht in der Wohnung von Herrn Mundlos?
Juliane W. Sie machen es mir echt schwer.
Götzl Ja, ich mache es Ihnen schwer. Aber Sie machen es mir auch schwer.
Juliane W. Ich konnte keine Sachen rausholen, weil die Polizei da war. Mir wurde nur gesagt, ich sollte die Sachen holen. Ich wusste nichts. Ich wusste auch nichts von der Flucht. Ich war damals sehr jung, naiv. Ich war 17. Ich habe eigentlich nur gemacht, was mir gesagt wurde.
Götzl Wie war es denn mit Herrn Kapke – hatten Sie an dem Tag mit ihm Kontakt?
Juliane W. Kann ich Ihnen nicht sagen.
Götzl (schweigt länger)
Juliane W. Sie merken ja auch selbst: Das Schildern fällt mir schwer. Deshalb habe ich auch gebeten, dass Sie konkrete Fragen stellen.
Götzl Ich stelle die ganze Zeit Fragen, Frau W.!
Verteidiger Stahl (zu Götzl) Seien Sie nicht böse, ich würde mir wünschen, dass Sie mal einen BKA-Beamten, der sich nicht erinnern kann, so befragen. Sie fragen ganz schön scharf!
Götzl Das steht Ihnen in dem Moment nicht zu! Es ist notwendig, dass man nachfragt! (Götzl schickt die Zeugin aus dem Saal.)
Читать дальше