Hedwig, die kleine Blaue, ist allerdings weniger Hundefreundin als begeisterte Botanikerin. Es gibt hier wohl kaum eine Pflanze, die sie nicht schon per Auge und Schnabel konzentriert und systematisch untersucht hätte. Von Hedwig lernte die Hühnerbande, wie lecker die Samenstände der Chinesischen Wiesenraute sind, und natürlich war sie es, die herausfand, dass die explosiven Schoten des Indischen Springkrauts mit den Samenkörnern einen grandiosen Hühnerleckerbissen freigeben, sobald man sie anpickt. Dagegen, komischerweise: Keine der vier Hennen mag Regen- oder Kompostwürmer. Was ich ihnen schweren Herzens als Superleckerbissen spendieren wollte, ließen sie mit angewidertem Schnabelwetzen wegkriechen. Dass sie dafür umso mehr winzige Nacktschnecken verputzen, lässt mich jede Kratz-Entgleisung gerne verzeihen.
Zum schmucken Damenquartett kann hier, des städtischen Umfelds halber, leider, leider kein stolzer Gockel einziehen. Küken aus geschenkten Bruteiern sind ebenfalls ausgeschlossen, denn auch die wären ja zur Hälfte Hähne. Nicht züchten zu können ist zwar sehr, sehr schade, hat aber auch ein großes Plus: Wenigstens muss ich so keine Überzähligen schlachten lassen, was mir bei eigenem Hähnchen-Nachwuchs nicht erspart bliebe. Meine Damen kommen glück licherweise auch solo gut zurecht. Sie tragen ihr Singledasein als Stadthennen mit dieser drolligen, betulichen Würde, legen trotzdem fleißig Eier, und das Warnen und Beschützen der Truppe hat Henriette übernommen. Hermine steht ihrer Schwester da als zweite Chefin zur Seite und teilt unmissverständliche Schnabelhiebe aus, sobald die Jüngeren sich ungebührlich benehmen. Die besten Plätze gehören nun mal den beiden braunen Matronen!
Dass tatsächlich jedes einzelne Huhn eine so ausgeprägte Persönlichkeit ist, ist schon verblüffend zu beobachten, und das Zusehen bei ihrem unterhaltsamen Sozialleben macht mir mindestens ebenso viel Freude wie die leckeren Eier. Die eine oder andere Henne wird da sicher noch dazukommen. So, wie mich das Hühnerfieber jetzt schon erwischt hat, ist es vielleicht ganz gut, dass die Größe meines Gärtchens, auf dessen Überleben ich natürlich größten Wert lege, da gewisse Grenzen setzt. Denn wie lautet sie doch noch gleich, die berühmte Hühnermathematik: »Zwei plus zwei gleich mehr« …?
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