Neben der Akupunktur stellen die Heilkräuter einen der wichtigsten Pfeiler in der Traditionellen Chinesischen Medizin dar. Heilpflanzen, Mineralien und Arzneien tierischen Ursprungs wurden in China seit langer Zeit benutzt. Schamanen sollen schon um 2000 v. Chr. Heilkräutermittel bei der Behandlung von Kranken verwendet haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Naturarzneien verfeinert und weiterentwickelt. Etwa um 659 n. Chr. entstand dann eine Arzneimittellehre, die die Heilkräuter, ihre Eigenschaften und Wirkungen beschreibt.
Jedes Kraut, jede Arznei und jedes Lebensmittel hat dabei eine besondere Wirkung. Ein chinesisches Kräuterrezept ist immer eine äußerst reichhaltige Arznei, und es braucht viel Erfahrung, um Zutaten und Dosierung richtig zu mischen, damit die Symptome einer Disharmonie behandelt werden können. Für die chinesischen Heilkräuterrezepturen werden Pflanzen, tierische Zutaten und Mineralien verwendet.
In seinem Buch „Ben Jing“ beschrieb der Herrscher Shen Nong um 2000 v. Chr. etwa 300 medizinische Pflanzen mit ihren Einsatzmöglichkeiten. Die chinesische Bezeichnung für Heilkräuterkunde heißt „Ben Cao“: „Ben“ bedeutet „Pflanze mit hartem Stiel“, „Cao“ eine „grasartige Pflanze“. Früher wurden die Pflanzen nur einzeln verwendet, erst um 450 bis 220 v. Chr. kamen Kräutermischungen in Gebrauch Seit dieser Zeit werden Kräuter immer kombiniert.
CHINESISCHE HEILKRÄUTER
Chinesische Heilkräuter werden nach folgenden Gesichtspunkten unterteilt:
Die vier Energien –Die vier energetischen Eigenschaften von Kräutern und ihre Wirkung hängen von der Temperatur ab, die sie erzeugen. Kalte und kühle Heilkräuter lindern Feuer, warme und heiße Kräuter gleichen Kälte aus.
Die fünf Geschmacksrichtungen –Scharfe/beißende Kräuter verteilen und fördern den Qi-Fluss und beleben das Blut. Süße Kräuter stärken Qi und nähren das Blut. Säuerlich schmeckende Kräuter absorbieren Stoffe und kontrollieren die Zang-Fu-Organe. Bittere Kräuter senken ein Übermaß an Qi. Salzige Kräuter wirken abschwellend.
Eindringen in die Meridiane –Heilmittel können in die Meridiane eindringen und so den Qi-Fluss anregen oder dämpfen.
Seit etwa 100 v. Chr. werden auch tierische Bestandteile in Kräuterheilmitteln verwendet. In der chinesischen Medizin hat die Bedeutung der Ernährung einen hohen Stellenwert (siehe hierzu auch Seite 87 ff.). Eine ausgewogene Ernährung, zu der auch Zutaten tierischen Ursprungs wie Fleisch oder Fisch gehören, trägt zur Erhaltung der Gesundheit bei, eine gezielte Diät, wie beispielsweise die Fünf-Elemente-Ernährung stellt sie wieder her. Doch auch Magie und Symbolismus spielen eine große Rolle bei der Verwendung von tierischen Bestandteilen. In früherer Zeit waren chinesische Heiler davon überzeugt, dass die Haupteigenschaften eines Tiers auf den Patienten übergehen.
Auch in der westlichen Ernährungswissenschaft und Medizin ist die Bedeutung von Mineralien und Spurenelementen wie Eisen, Zink oder Kupfer allgemein anerkannt. In unserer täglichen Ernährung brauchen wir geringe Dosen von lebenswichtigen Mineralien, zum Beispiel:
Eisen durch Fleisch, Haferflocken und Sirup
Jod durch Meeresfrüchte und Algen
Kalium durch Milch, Kartoffeln, Obst und Gemüse
Kalzium durch Milchprodukte und grünes Gemüse
Magnesium durch Gemüse
Natrium durch Kochsalz
Zink durch Hülsenfrüchte, Fleisch, Vollkorn, einige Nussarten
Der Erfolg einiger pflanzlicher und tierischer Heilmittel-Bestandteile ist teilweise ihrem Mineralstoffgehalt zuzuschreiben. Die chinesische Medizin verwendet auch einige Mineralien als eigenständige Heilmittel. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Salze, aber auch Edelsteine und Halbedelsteine. Diese Arzneien können nur von einem erfahrenen TCM-Arzt verordnet werden.
Chinesische Heilmittel von A bis Z
Im Folgenden finden Sie eine Aufstellung wichtiger Heilkräuter und Nahrungsmittel, die auch zur Selbstbehandlung von Alltagsbeschwerden (siehe Seite 103 ff.) geeignet sind.
Aloe Vera (Aloe barbadensis)
Vorkommen:Die Aloe gedeiht in sandig-lehmigen Böden. Aloe Vera ist in allen tropischen und mediterranen Regionen beheimatet. Die Blätter dieser Wüstenlilie werden zur Herstellung von Arzneien verwendet
Heilkunde:fiebersenkend, kühlend, reinigend, entwässernd, abführend und Gallensaft anregend
Geschmack:bitter
Energie:kalt
Element:Wasser
Qualität:Yin
Darreichungsformen:Tee (innerlich), Pulver (äußerlich), Tabletten (innerlich), Gel (äußerlich)
Anwendung:Sonnenbrand, leichte Verbrennungen, Verstopfung
Einschränkung:Aloe Vera sollte nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden Auch während der Stillzeit nur in Rücksprache mit dem Arzt anwenden.
Ananas (Ananas comosus (l.) Merr.)
Vorkommen:Die Ananas ist in Asien, Afrika sowie in Mittel- und Südamerika heimisch.
Heilkunde:entwässernd, entzündungshemmend, verdauungsfördernd
Geschmack:süß
Energie:neutral
Element:Erde
Qualität:Yin und Yang
Darreichungsformen:Saft (innerlich), Pulver (innerlich/äußerlich), frische Frucht (innerlich/äußerlich)
Anwendung:Schlaflosigkeit, Sonnenstich, Appetitlosigkeit, Übergewicht
Angelikawurzel (Radix angelicae dahuricae)
Vorkommen:Engelwurz gedeiht in Nordeuropa und Nordasien an Flussufern und Wiesen. Verwendet wird der getrocknete Wurzelstock.
Heilkunde:krampflösend, wärmend, desinfizierend, abführend und Gallensaft anregend
Geschmack:scharf
Energie:warm
Element:Erde
Qualität:Yang
Darreichungsformen:Öl, Pulver, Wein
Anwendung:Erkältungskrankheiten, Kreislaufbeschwerden, Nasennebenhöhlenentzündung, Zahnschmerzen
Banane (Musa paradisiaca)
Vorkommen:Die Banane gedeiht in Südchina, Lateinamerika und Afrika sowie in Südeuropa.
Heilkunde:fiebersenkend, entgiftend, stärkt Qi und Blut, stärkt Yin
Geschmack:süß
Energie:kalt
Element:Erde
Qualität:Yin
Darreichungsformen:Frucht ohne Schale (innerlich), Saft (innerlich), getrocknete und abgekochte Schale (äußerlich)
Anwendung:Magenschmerzen, Durchfall, Hautjucken und Insektenstiche
Bohne, grüne (Phaseolus vulgaris I.)
Vorkommen:Die Sau- oder Puffbohne wird in China und einigen Teilen Europas angebaut.
Heilkunde:stärkt Qi, Blut, Milz und Nieren
Geschmack:süß
Energie:neutral
Element:Erde
Qualität:Yin und Yang
Darreichungsform:Saft (innerlich, Pflanze innerlich), Pulver (innerlich/ äußerlich) getrocknete Frucht (innerlich)
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