Aber nicht nur ein Zuwenig an Eisen, sondern auch ein Zuviel, das beispielsweise durch erblich bedingte Stoffwechselkrankheiten hervorgerufen wird, können vielfältige Auswirkungen auf den Organismus haben.
Welche Rolle spielt Eisen im Körper? Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel und welche Symptome zeigen sich dann? Wie können Eisenmangel- oder
Eisenüberschusskrankheiten vom Arzt diagnostiziert und behandelt werden? Wie lässt sich der Eisenbedarf mit der Ernährung decken, und welche Nahrungsmittel sind besonders eisenreich? Diese und andere wichtige Fragen werden in diesem Ratgeber beantwortet. Sie erhalten viele wertvolle Tipps zu einer ausgewogenen Ernährung und zu den Möglichkeiten einer gezielten Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln. Außerdem erfahren Sie, wie der Arzt Störungen des Eisenhaushalts auf die Spur kommen und welche therapeutischen Maßnahmen er ergreifen kann. Die gute Nachricht: Störungen des Eisenhaushalts lassen sich sehr gut diagnostizieren und behandeln. Ein Eisenmangel beispielsweise kann durch die Messung weniger Blutparameter festgestellt und mit wirkungsvollen Medikamenten ausgeglichen werden.
INFO
MASSEINHEITEN KURZ ERKLÄRT
Gebräuchliche Maßeinheiten in der Labormedizin sind Gramm (g), Milligramm (mg), Mikrogramm (µg), Liter (l), Deziliter (dl) und Milliliter (ml).
Dabei sind:
1 g = 1000 mg
1 mg = 1000 µg
1 l = 1000 ml
1 dl = 100 ml
1 ml = 1000 µl
Die Konzentrationen in der Labormedizin sind oft sehr niedrig, deshalb werden häufig die dezimalen Vorsätze verwendet:
Milli = 10 –3
Mikro = 10 –6
Nano = 10 –9
Pico = 10 –12
Diese Mengen sind so winzig, dass sie unsere Vorstellungskraft übersteigen. Dennoch lassen sie sich mit modernen labormedizinischen Methoden genau messen.
Wunderwirkstoff Eisen
Wer meint, dass das metallische Element Eisen nur im Gestein vorkommt, irrt . Eisen zirkuliert auch im menschlichen Körper, wenngleich nur in winzigen Mengen. Im Organismus hat das Metall wichtige Funktionen und wirkt bei ungefähr 180 Körperprozessen mit.
Das Element Eisen
Eisen ist eines der chemischen Elemente des Periodensystems. Es hat die Abkürzung Fe, die für das lateinische Wort Ferrum steht. In Bezug auf den Massenanteil ist Eisen nach Sauerstoff, Silizium und Aluminium das vierthäufigste Element in der Erdkruste und das zweithäufigste Metall – nur Aluminium kommt noch häufiger vor.
Eisenvorkommen in der Natur
Am häufigsten kommt Eisen in Erzgesteinen vor. Selten kann man das Metall auch in Meteoriten entdecken. Bevor die Menschen lernten, Eisen aus Erzen zu gewinnen, nutzten sie das Meteorit-Eisen, das im alten Ägypten als ›Eisen des Himmels‹ bezeichnet wurde. Da es von großer Seltenheit war, galt es als besonders wertvoll und wurde bevorzugt zu Schmuck verarbeitet. Die ältesten Fundstücke stammen aus Mesopotamien und wurden von den dort damals ansässigen Sumerern hergestellt. In der Stadt Ur fanden Archäologen einen Dolch mit einer Klinge aus Gestirn-Eisen sowie einem bronzenen Griff, der um 3100 v. Chr. geschmiedet worden war. Weltweit gibt es unterschiedliche Eisenerzvorkommen. Besonders reich an Eisenerzen sind Australien, Brasilien und China.
Eisen im Körper: die wichtigsten Aufgaben und Funktionen
Eisen wird als Spurenelement bezeichnet, weil die Mengen des metallischen Elements nur verschwindend gering sind und sich im Mikrogrammbereich bewegen. Der Körper kann Eisen nicht selbst bilden, deshalb muss das Spurenelement über die Nahrung aufgenommen werden. Welche große Bedeutung Eisen für den Organismus hat, ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Der griechische Gelehrte Herodot (ungefähr 490–430 v. Chr.) empfahl bereits, rostige Nägel in saure Äpfel zu stecken und diese dann zu verzehren. So sollte nach seiner Vorstellung die Eisenzufuhr erhöht werden.
Eisen wird im Blutserum gemessen, oft auch mit anderen Werten, die beim Eisenstoffwechsel mit eine Rolle spielen, wie zum Beispiel Ferritin oder Transferrin. Frauen haben als Normalwert 60–180 µg/dl Eisen im Blut, Männer 70–180 µg/dl. Bei Kindern liegt der Normalwert zwischen 30 und 140 µg/dl.
Eisen: zentrales Element des Blutes
Wie Sie ja schon wissen, spielt Eisen eine existenzielle Rolle bei der Blutbildung und der Versorgung aller Zellen mit lebenswichtigem Sauerstoff. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Erythrozyten, der rote Blutfarbstoff Hämoglobin sowie das Muskeleiweiß Myoglobin.
Erythrozyten
Die roten Blutkörperchen werden in der Fachsprache Erythrozyten genannt. Sie enthalten den Blutfarbstoff Hämoglobin, der für die Sauerstoff- und Kohlendioxidbindung zuständig ist. Die Erythrozyten verteilen so den Sauerstoff im ganzen Körper und transportieren ihn zu allen Zellen. Die winzig kleinen roten Blutkörperchen haben eine scheibenförmige Gestalt mit einer leichten Einbuchtung in der Mitte. Ihre Größe beträgt nicht mehr als 7,5 µm. Sie bestehen zu 90 Prozent aus Hämoglobin und enthalten auch Wasser. Die Erythrozyten werden im Knochenmark gebildet und durchlaufen dabei mehrere Entwicklungsstadien. Ihre durchschnittliche Lebensdauer liegt bei ungefähr vier Monaten. Täglich werden viele Millionen neue Blutkörperchen gebildet.
Sind zu wenig Erythrozyten im Blut vorhanden, kommt es zu einer Blutarmut, medizinisch Anämie genannt.
Eine Anämie kann verschiedene Ursachen haben, wie beispielsweise Blutverlust nach einer Operation oder eben auch Eisenmangel. Der Körper benötigt nämlich zur Bildung der Erythrozyten neben B-Vitaminen und anderen Substanzen vor allem Eisen. Zirkulieren zu viele Erythrozyten im Blut, wird das in der medizinischen Fachsprache als Polyglobulie bezeichnet. Ein erhöhter Erythrozyten-Wert ist meist auf Sauerstoffmangel zurückzuführen. Dieser Sauerstoffmangel kann ganz natürlich bedingt sein, etwa durch einen Aufenthalt im Hochgebirge, aber auch durch Herz- oder Lungenerkrankungen verursacht werden.
Bei Frauen liegt die Untergrenze der ErythrozytenAnzahl bei 3,9 Millionen pro Mikroliter Blut. Die Obergrenze befindet sich bei 5,3 Millionen pro Mikroliter Blut. Bei Männern beträgt die Untergrenze der ErythrozytenAnzahl 4,3 Millionen pro Mikroliter Blut. Die Obergrenze liegt bei 5,7 Millionen pro Mikroliter Blut.
Die roten Blutkörperchen versorgen den Körper mit Sauerstoff.
Hämoglobin
Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff in unserem Blut. Das Wort setzt sich aus dem griechischen ›haima‹ für Blut und dem lateinischen ›globus‹ für Kugel zusammen. Das Eiweißmolekül befindet sich in den roten Blutkörperchen und vermag Sauerstoff an das Eisen zu binden, das sich an zentraler Position im Inneren des Hämoglobins befindet. Nur wenn dem Körper ausreichend Eisen zur Verfügung steht, kann der Sauerstofftransport durch das Hämoglobin im menschlichen Organismus optimal funktionieren.
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