Wenn die Hilfe durch Technik und Mechanik nicht funktionieren will, und man ganz verunsichert ist, hilft es sehr, von der Technik des Schwungbogens abzusehen und Orientierung am eigenen Körper zu suchen.
Legen Sie den Schläger beiseite, führen Sie den Schwung ganz langsam aus und betrachten Sie aufmerksam, welchen Weg Ihre Hände dabei beschreiben. Stellen Sie sich das als gezeichnete Linie vor. Sie bemerken dann, wie verdreht und verbogen, zu kurz, weggezogen oder abgebrochen dieser Weg aussieht und können es korrigieren. Sie sollten spüren und sich merken, wie sich ein guter Schwung anfühlt, um das dann auch mit Schläger wieder zu fühlen. Behalten Sie bei jedem Probeschwung den Weg Ihrer Hände im Auge.
Denkt man sich die Technik und die sperrigen Schläger weg, bemerkt man leicht die Ursprünge der Störungen im eigenen Körper. Die Besinnung auf den Körper ist ein guter Weg, dem Geheimnis des Golfschwungs näher zu kommen. Die begnadeten Golfer, die Tigers und Low-handicappers haben das im Gefühl. Wir Rabbits und Roughplayers aber müssen immer wieder Hilfen suchen. In der Orientierung am eigenen Körper können wir sie finden.
Unser Körper sind wir selbst. Er ist immer da, ist uns vertraut und die Körperteile und Organe sind immer an der gleichen Stelle. Man kann überall auf sie zurückgreifen und die Erfahrung machen, dass damit Sicherheit und Stabilität eintritt. Schon kleine Orientierungen am eigenen Körper wirken manchmal Wunder, sind Auslöser für natürliche Bewegungen und optimieren den Schwung. Im Laufe meines Golferlebens habe ich viele Erfahrungen gemacht, wie durch Rückbesinnung auf den Körper Fehler zu überwinden sind.
Ich teile einige Beispiele mit, die sich mir bewährt haben, aber das soll nur Anregung sein. Jeder muss sehen, was er für sich verwenden kann und für sich Passendes herausfinden. Es sind keine festen sondern eher als Notbehelfe entstandene Regeln und alles kann, vor allem bei sicheren Spielern, ganz anders sein.
• Der Kopf ist ein Steuerungs-Organ (hier nicht im mentalen Sinn) und beeinflusst durch seine Haltung und Bewegungen den Schwungablauf souverän. Wohin der Kopf weist und die Augen blicken, nach dorthin richtet sich der ganze Körper aus und gibt Impulse in diese Richtung. Am besten bleibt er bis zum Treffmoment ruhig. Schlägt man den Ball unten durch Richtung Ziel, ohne ihm nachzusehen, wird nichts verdreht, verkantet und verzogen, und er fliegt geradeaus.
• Das Kinn ist ein guter Anker , um den Ballflug zu stabilisieren. Hält man es zu hoch, so richtet sich mit dem Kopf der ganze Körper auf und der Ball pusht nach rechts. Hält man das Kinn etwas tiefer und zwar solange bis der Ball unten durch weggeschlagen ist, so fliegt er kraftvoll geradeaus.
• Die Augen erfassen das Ziel . Nachdem man vorbereitend das Ziel ins Auge gefasst hat, bleiben diese dann besser auf den Ball fixiert, sehen ihn bis zum Treffmoment an. Der Weg der Hände kann dabei aus den Augenwinkeln kontrolliert werden. Erst nach dem Treffen werden Kopf und Augen vom Durchschwung mitgenommen und wenden sich zum Ziel hin. Aus Neugier dem Ball vorzeitig nachzusehen (was zur klassischen Mahnung „Kopf unten lassen“ führt) verdirbt oft den Schwung.
Ebenso wird das Putten besser, wenn die Augen unbewegt bleiben, bis der Ball sicher auf dem Weg zum Loch ist.
• Die Augen kompensieren die Störungen der Koordination und des Gleichgewichts , wie sie besonders beim Älterwerden auftreten. Den Ball anschauen und im Treffmoment sehen, wie der Schläger durch den Ball hindurch zum Ziel geht, garantiert das genaue Treffen.
• Die Ohren sind ideal für das Putten . Stellen Sie sich eine Linie vor, die durch beide Ohren zum Loch führt, putten Sie entlang dieser Linie und lassen Sie den Kopf unbewegt, bis Sie mit dem linken Ohr gehört haben, wie der Ball ins Loch gefallen ist.
• Die Nase bestimmt, wie wir den Ball treffen , denn wir können mit ihr die richtige Ansprechposition genau einstellen. Bei den Hölzern liegt der Ball unter dem linken Nasenflügel , bei den Eisen unter dem rechten, sodass er von den Hölzern mehr von unten, von den Eisen mehr von oben getroffen wird. Wollen wir ihn wegwischen, lassen wir ihn unter der Nasenspitze in der Mitte.
• Die richtige Entfernung von der Nasenspitze zu Ball und Boden einzuregulieren und diese den ganzen Schwung hindurch festzuhalten, ist sehr wichtig. Dadurch steuern wir mit der Nase die Etage an, den Flight-Level, die richtige Höhe, in der der Ball knackig getroffen werden soll, und wir vermeiden die Gefahr in den Boden zu hacken.
• Die Schultern haben großen Einfluss auf den Schwung. Beim Ansprechen soll das V des Griffs auf die rechte Schulter ausgerichtet sein.
Beim Rückschwung soll die linke Schulter ganz unters Kinn gedreht werden, damit der Schlag kraftvoll und lang wird.
Beim Durchschwung sorgt eine Wiegebewegung beider Schultern dafür, dass die Eisen in die Luft gehen.
• Die rechte Schulter ist leider oft ein Problemfall. Sie schnellt nach vorne, kippt und verdreht den Schwung, und bewirkt einen flachen Push links in den Wald. Man muss sich ihrer schämen. Offenbar hat sie das Zeitfenster verpasst, um ihre Rolle zu lernen, nämlich tief und ruhig und hinten zu bleiben. Tückischerweise verdirbt sie meinen Schlag besonders dann, wenn es auf ihn besonders ankommt – doch das gehört schon ins nächste Kapitel.
Die rechte Schulter lässt sich besser verwenden, wenn man sie sich nicht isoliert als Gelenkkugel vorstellt, sondern als einen Flügel , der mit dem Oberarm und der rechten Rumpfseite eine Einheit bildet. Holt man damit betont nach hinten aus, kann man wie mit einem kräftigen Flügelschlag einen wunderbaren Schwung bewirken.
Die Hand des Menschen ist eine Spitzenleistung der Evolution und hat auf dem Weg vom Primaten zum Menschen Entwicklungsstufen erreicht, die für das Verständnis des Golfspiels interessant und wissenswert sind. Sie ist ein sehr fein aufgebautes Werkzeug und ein Multi-Funktions-Organ geworden. Die Kenntnis der unterschiedlichen Funktionen der Hand hilft sehr, typische Fehler beim Golf zu vermeiden.
• Ein wichtiger Evolutionsschritt war, dass beim Homo sapiens der Daumen jedem anderen Finger gegenübergestellt werden kann. Damit ist die Greifhand entstanden. Sie ist die Voraussetzung für den geschickten Umgang mit feinen Werkzeugen, Waffen und eben auch Golfschlägern.
• Besonders wenn man Schwierigkeiten beim Greifen hat, ist es gut, sich klarzumachen, dass der Schwung ganz wesentlich durch die Daumen-Zeigefinger-Zange reguliert wird, vom Kraftholen beim Rückschwung über das „Glockenläuten“ beim Abschwung bis zum sensiblen Einfädeln in die Zielrichtung. Die Vorstellung, den Schwung mit den an den Griff gelegten Daumen zum Ziel zu führen, kann sehr helfen.
• Wichtig ist weiter, den Präzisionsgriff , der sich für Feinarbeiten mit den Fingern entwickelt hat, vom Kraftgriff zu unterscheiden, denn die beiden beim Golfen zu verwechseln, kann sich verhängnisvoll auswirken. Wenn man sich bei Schlägen, die Kraft erfordern, auf die Feinarbeit der Finger konzentriert, kommen schwache „Stricknadelschläge“ zustande, wobei die Finger abknicken und den Kontakt mit den Händen, der Kupplung, und den Armen, der Speiche des großen Rades, verlieren.
• Die Hände sind die Schnittstelle zwischen Körper und Technik . Sie übertragen die Muskel- und Bewegungskraft des Körpers auf den Schläger, sodass sie sich in Technik und Schwungkraft umsetzt, vergleichbar der Kupplung zwischen Motor und Rädern. Eine Kupplung muss zuverlässig greifen, darf nicht rutschen, sondern soll die Kraft 1 zu 1 weitergeben. Es hilft deshalb sehr, beide Hände als Einheit, wie ein fest verschnürtes Paket, zum Ziel zu führen. Wenn man etwa durch Arthrosen nicht mehr gut greifen kann, ist das eine Lösung. Bei den langen Schlägen ist es ein entschlos -senes Werfen, beim Putten ein gleitendes Schieben in Richtung Ziel.
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