Die Flottung entsteht in der Einfadentechnik dadurch, dass die Nadel den vorgelegten Faden nicht erfasst und damit nicht zur Masche oder zum Henkel ausbilden kann.
Bild 2.66: Flottungen in einem RL-Kettengewirk
Bild 2.67: Flottung im RL-Kettengewirk (linke Warenseite), 1 = Flottung (vgl. Bild 2.66)
Bild 2.68: Flottung in einem RL-Kettengewirk (linke Warenseite = Schauseite), 1 = Flottung, begrenzt durch Teilschüsse
In der Kettfadentechnik werden die Fäden für die Flottung nicht um die Nadeln gelegt (vgl. Kap. 7), sodass die Maschenbildung ebenfalls verhindert und stattdessen eine Fadenstrecke (Flottung) gelegt wird.
2.9 Bindungselement Stehfaden
Der Stehfaden ist eine Fadenstrecke (Bilder 2.69, 2.70), die vorwiegend in der Kettfadentechnik eingesetzt wird, zwischen zwei Maschenstäbchen verläuft und von anderen Bindungselementen (Platinenmaschen, Schüsse oder dergleichen) gehalten wird.
Bild 2.69: Stehfäden in einem RL-Kettengewirk, Stehfäden (rot)
Bild 2.70: Stehfäden in einem RL-Kettengewirk (rechte Warenseite), 1 = Stehfaden, 2 = Maschenstäbchen
Sämtliche Maschenwaren bestehen entweder nur aus dem Bindungselement „Masche“ oder aus der Kombination der „Masche“ mit anderen Bindungselementen. Die sich daraus ergebenden Musterungsmöglichkeiten sind außerordentlich vielseitig und sollen in den folgenden Abhandlungen über die Maschinen unter vorwiegend technologischem Aspekt beschrieben werden.
Als weiteres Bindungselement tritt immer wieder die ungewünschte Laufmasche in Erscheinung (Bild 2.71). Sie beißt sich, insbesondere bei Damenstrümpfen, in Maschenstäbchenrichtung durch die Strickware und stört das makellose Erscheinungsbild der Maschenstruktur. Viele Möglichkeiten zur Ausrottung wurden schon empfohlen.
Bild 2.71: Laufmasche
2.10 Fadenlaufdarstellung, Legungsbild und Patrone
Die Bindung von Maschenwaren kann sehr anschaulich durch ein Maschenbild dargestellt werden; jedoch ist die Anfertigung von Maschenbildern mit Schwierigkeiten und erheblichem Zeitaufwand verbunden. Stattdessen werden die Bindungselemente als Symbole in einer sogenannten Fadenlaufdarstellung (Bild 2.72), in einem Legungsbild (Bild 2.73) und in einer Patrone (Bild 2.74, Bild 2.75) o. dgl. dargestellt. Die Darstellung ist aus dem Herstellungsprozess und der resultierenden Maschenware abgeleitet.
Bild 2.72: Fadenlaufdarstellung (Einfaden-Maschenwaren)
Bild 2.73: Legungsbild (Kettfadenmaschenwaren)
Bild 2.74: Patrone für Rechts/Rechts, Henkel, – Flottung/verhängte Masche
Bild 2.75: Patrone für Rechts/Links und Links/Links
Aus den Nadelsystemen und ihren Durchzugsrichtungen können im Einfadenprozess (Strickmaschinen und Kulierwirkmaschinen) die Bindungsgruppen RL, RR und LL/Interlock für die Fadenlaufdarstellung unterschieden werden. Die Fadenlaufdarstellung symbolisiert die Nadelbelegung für jede Maschenreihe in der Draufsicht (Bild 2.76).
Bild 2.76: Nadelbett mit Fadenlaufdarstellung
Die vorderen und hinteren Nadeln werden durch Striche dargestellt und der Fadenlauf als Masche, Henkel, Flottung usw. gekennzeichnet (Bild 2.77). Nicht benötigte Nadeln können durch ein Kreuz dargestellt werden (Nadelzug).
Bild 2.77: Fadenlaufdarstellung, I = Darstellung von Maschen, II = Darstellung von Maschen und Henkeln, III = Darstellung von Maschen und Flottungen, 1 = Hochfußnadel, 2 = Niederfußnadel, 3 = gezogene Nadel
In je einem Musterbeispiel für RL (Bild 2.78), RR (Bild 2.79), LL (Bild 2.80) und Interlock (Bild 2.81) werden aus verschiedenen Gestricken im Maschenbild (links) die Fadenlaufdarstellungen (rechts) entwickelt.
Bild 2.78: Maschenbild (links) und Fadenlaufdarstellung (rechts) für Rechts/Links
Bild 2.79: Maschenbild (links) und Fadenlaufdarstellung (rechts) für Rechts/Rechts
Die Maschenreihen in den Fadenlaufdarstellungen werden in den Betriebsanleitungen und Veröffentlichungen teilweise von oben nach unten oder von unten nach oben nummeriert. Eine einheitliche Nummerierung von unten nach oben wäre zu empfehlen, weil die erste Maschenreihe auch im Gestrick zuerst gebildet und deshalb unten ist. Bei der Analyse eines Gestrickes müssen dann die nacheinander aufgetrennten Maschenreihen von oben nach unten gezeichnet (entspricht auch der Vorstellung!) und dann von unten nach oben nummeriert werden, um Patronenfehler sicher zu vermeiden. Bei falscher Nummerierung würde z. B. aus der französischen die Schweizer Webstrickbindung entstehen (vgl. Kapitel 5.3„Musterungstechnik der Rundstrickmaschine“).
Bild 2.80: Fadenlaufdarstellung für Links/Links
Bild 2.81: Fadenlaufdarstellung für Interlock
Weitere Musterungen und Beschreibungen zu Fadenlaufdarstellungen können Sie in Kapitel 4„Flachstrickmaschinen“ und 5„Rundstrickmaschinen“ finden.
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