Nino Haratischwili - Das mangelnde Licht

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Nach der lang ersehnten Unabhängigkeit vom ins Taumeln geratenen Riesen stürzt der junge georgische Staat ins Chaos. Zwischen den feuchten Wänden und verwunschenen Holzbalkonen der Tbilisser Altstadt finden Ende der 1980er Jahre vier Mädchen zusammen: die freiheitshungrige Dina, die kluge Außenseiterin Ira, die romantische Nene, Nichte des mächtigsten Kriminellen der Stadt, und die sensible Qeto. Die erste große Liebe, die nur im Verborgenen blühen darf, die aufbrandende Gewalt in den Straßen, die Stromaus-älle, das ins Land gespülte Heroin und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg – allem trotzt ihre Freundschaft, bis ein unverzeihlicher Verrat und ein tragischer Tod sie schließlich doch auseinandersprengt.
Erst 2019 in Brüssel, anlässlich einer großen Retrospektive mit Fotografien ihrer toten Freundin, kommt es zu einer Wiederbegegnung. Die Bilder zeigen ihre Geschichte, die zugleich die Geschichte ihres Landes ist, eine intime Rückschau, die sie zwingt, den Vorhang über der Vergangenheit zu heben und eine Vergebung scheint möglich.

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Wir erreichten die Lichtung, das Gebüsch öffnete sich auf eine von bunten Blumen übersäte Wiese, und linker Hand erblickten wir schon das kleine Bassin, das der Wasserfall über die Jahre unter sich gebildet hatte, und hörten das haltlose Rauschen, sahen den Wasserstrahl aus der Höhe hinunterstürzen und blieben wie angewurzelt stehen.

Ich sah mich nach Dina um, ihre Taschenlampe und ihr Rucksack lagen verwaist am Ufer, während von ihr jede Spur fehlte. Ich rief nach ihr, aber das Rauschen des Wasserfalls übertönte meine Stimme. Ira schloss sich mir an. Wir riefen und riefen, bis wir auf einmal von ganz oben Dinas Kreischen vernahmen und hochblickten. Sie hatte es geschafft und war trotz Regen und Dunkelheit auf den Felsen geklettert. Sie stand über dem Wasserfall, als hätte sie ihn bezwungen, als wäre sie nun die anerkannte Herrscherin über diesen Ort.

– Wie ist sie da bloß hochgekommen?, entfuhr es Nene, und Ira schüttelte vielsagend den Kopf. Ich sah zu Dina hinauf und war ganz ruhig, denn ich wusste, wenn sie es geschafft hatte, würde auch ich es schaffen, sie hatte uns ans Ziel geführt, und solange ich sie in meiner Nähe hatte, brauchte ich keine Angst zu haben.

– Los, kommt hoch!, brüllte sie durch die Nacht, und ich begann, mir die klebenden Kleider vom Leib zu reißen, die klatschnassen Socken und Schuhe. In der weißen Baumwollunterhose mit der Aufschrift »Freitag«, die mir mein Vater als »Wochenpack« von einer seiner Kongressreisen aus Warschau, Prag oder Sofia mitgebracht hatte, hob ich die sinnlos vor sich hin scheinende Taschenlampe auf und drückte sie Ira in die Hand, bat sie, mir den Weg zu leuchten, und machte mich daran, den Felsen zu erklimmen, in dieser albernen Unterhose, die ich nie passend zum Wochentag trug.

Meine Füße taten weh, kleine Steine schnitten mir in die Fersen, aber ich hatte nur Dinas ausgebreitete Arme vor Augen, wie sie da oben stand und auf mich wartete. Ich bahnte mir den Weg, hielt mich an Ästen und Felsvorsprüngen fest, stemmte mich hoch. Ein paarmal rutschte ich ab, mein Herz überschlug sich, ich raffte mich aber schnell wieder auf und versuchte es weiter. Der Lichtstrahl der Taschenlampe leuchtete nur sporadisch auf die Stellen, auf die ich trat, und ich spürte Iras und Nenes sorgenvolle Blicke auf mich gerichtet, strengte mich an, ihnen das Bild eines mühelosen Aufstiegs zu vermitteln. Dann sah ich Dinas Hand und ergriff sie voller Freude. Sie zog mich hoch, und schon stand ich neben ihr. Sie hatte sich inzwischen Uniform und Schuhe ausgezogen und warf sie nun lachend hinunter.

– Bist du bereit?, fragte sie mich und umklammerte meine Hand noch etwas fester. Ich richtete mich auf, stellte mich Schulter an Schulter neben sie – die kleinen abstehenden Brüste mit nahezu farblosen Brustwarzen wirkten wie Fremdkörper an ihrem mir sonst so vertrauten Körper. Ich nickte und trat einen Schritt weiter nach vorn. Ich sah nicht hinunter. Ich sah hinauf. Der Himmel war schwarz, aber ich erkannte den großen Wagen, über den mir mein Vater so gern Geschichten erzählte. Er schien unserem Vorhaben wohlwollend zuzustimmen. Ich zog an Dinas Hand, wir tasteten uns mit den Zehenspitzen weiter auf dem unebenen Boden voran, beugten uns nach vorn, sahen uns noch einmal an, umschlossen die Hände noch fester und sprangen in die Höhe, um gleich darauf hinunterzustürzen.

Ich schrecke auf, jemand tippt mir auf die Schulter. Ich habe nicht einmal Schritte gehört. Ich werde wie aus einem tiefen Schlaf gerissen. Ich sehe das Foto vor mir, ich brauche einen Augenblick, um meine Gedanken und Erinnerungen zu sortieren: der Nachmittag vor unserem Sprung in den Wasserfall. Vor meinem Sprung in die Freiheit. Das Präludium dazu.

– Ich kann es nicht glauben … Du bist gekommen!

Anano fällt mir um den Hals, und ich weiß gar nicht, in welcher Zeit ich gefangen bin, ich hänge zwischen den Zeiten oder bin in allen gleichzeitig. Sie sieht wunderbar aus. So glücklich, so strahlend, in einem schlichten, sommerlich dunkelblauen Kleid, das von ihrer Mutter sein könnte – diese einfachen Wickelkleider, die sie und ihre ältere Tochter so oft getragen und in denen sie wie Kaiserinnen ausgesehen haben. Sie trägt zwei goldene Kreolen und ein wenig Lippenstift, schlichte Ballerinas, die Augen werden von weichen, lebhaften Falten umspielt, dem wilden braunen Haar scheint etwas Grau beigemischt, aber sie sieht immer noch so lieblich aus, so reizend wie ein ewiges Mädchen, vielleicht ist es auch mein Blick auf sie, vielleicht bleibt sie in dieser Geschichte für immer und ewig die jüngere Schwester, und ich bin für den Moment verzaubert, frage mich, wann ich sie das letzte Mal gesehen habe. Ich weiß, dass sie mit einem vermögenden Mann verheiratet ist, der im boomenden Baugeschäft Georgiens zu Geld gekommen ist, und zwei Kinder hat, dass sie in einem Haus irgendwo am Stadtrand von Tbilissi wohnt, einen Garten pflegt – zumindest erwähnte das ihre Mutter am Telefon, und ich kann sie mir in solch einem Umfeld wunderbar vorstellen: sie als eine glückliche Frau und Mutter, als eine leichtlebige, fröhliche Gefährtin, in einem Meer aus Blumen. Sie hat eine Galerie in der Stadt, fördert junge Künstler und kümmert sich, nachdem ihre Mutter nun nicht mehr die Kraft dazu hat, um die Hinterlassenschaft ihrer Schwester. Sie, die Hellste und Zuversichtlichste aus ihrer Familie, die Unbeschadetste von allen, die das Leben entschädigt hat, für alles, was es ihren Familienmitgliedern genommen hat an Liebe und Zuwendung, an Chancen, an Zuversicht und an Gerechtigkeit – sie hat all das bekommen: eine Perspektive, Normalität und Frieden.

Ich muss mich noch an den Gedanken gewöhnen, dass ausgerechnet sie den Nachlass verwaltet, dieses gnadenlose Schwarzweiß der Werke ihrer Schwester, die Radikalität ihrer Sicht und ihrer Person bilden solch einen Kontrast zum weichen Wesen Ananos. Aber einfühlsam und intuitiv, wie sie ist, verlässt sie sich auf Kuratoren, auf Experten und hält sich dezent im Hintergrund, das weiß ich ebenfalls von ihrer Mutter, und ich freue mich in diesem Augenblick aufrichtig für sie, für ihren großen Moment, der in Kürze eingeläutet und an dem sie stellvertretend für ihre Schwester gefeiert werden wird. Ich würde sie noch lange in meinen Armen halten, aber ich lasse los, ich merke, dass sie sich nicht minder freut, mich zu sehen, sie kämpft gegen die Rührung an, die in ihr aufsteigt, die Sentimentalität, die sie so sehr von ihrer Schwester unterscheidet. Ich behalte ihre Hand in

meiner.

– Oh Gott, ich glaube es nicht! Ist das zu fassen, dass wir uns alle ausgerechnet in Brüssel wiedersehen? Ist das nicht verrückt? Deda hat mir gesagt, dass ich dir unbedingt einen Kuss geben soll. Du hast es bestimmt mitbekommen, ausgerechnet jetzt vor der Ausstellung hat Mutter es geschafft, sich das Bein zu brechen, und kann nicht kommen. Und, Keto, ich meine, diese Ausstellung, das ist der Wahnsinn, über zwei Jahre haben wir sie vorbereitet, und ich bin so froh und erleichtert, dass sie jetzt endlich eröffnet wird. Ich habe auch Ira und Nene angeboten, dass sie zeitig kommen, damit wir uns vielleicht vor dem offiziellen Startschuss unterhalten können, aber ich weiß nicht, wann genau sie eintreffen werden. Und übrigens soll anschließend groß gefeiert werden, nicht dass eine von euch auf die Idee kommt, einfach abzuhauen, im Garten gibt es später richtig gute Drinks und Musik. Ich meine, wir können nicht eine Retrospektive für sie machen und anschließend nicht feiern, als ob es kein Morgen gäbe …

– Ja, da hast du wohl recht, sage ich und gebe mir Mühe, der Versuchung zu widerstehen, meinen Blick erneut auf das Viererfoto zu richten. Anano bemerkt es und sie lacht.

– Ist das nicht goldig? Ich habe lange überlegt, welches Foto von euch ich nehmen soll, und dann … Ich meine, das hier trifft euch vier so wunderbar, finde ich.

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