Nino Haratischwili - Das mangelnde Licht

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Nach der lang ersehnten Unabhängigkeit vom ins Taumeln geratenen Riesen stürzt der junge georgische Staat ins Chaos. Zwischen den feuchten Wänden und verwunschenen Holzbalkonen der Tbilisser Altstadt finden Ende der 1980er Jahre vier Mädchen zusammen: die freiheitshungrige Dina, die kluge Außenseiterin Ira, die romantische Nene, Nichte des mächtigsten Kriminellen der Stadt, und die sensible Qeto. Die erste große Liebe, die nur im Verborgenen blühen darf, die aufbrandende Gewalt in den Straßen, die Stromaus-älle, das ins Land gespülte Heroin und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg – allem trotzt ihre Freundschaft, bis ein unverzeihlicher Verrat und ein tragischer Tod sie schließlich doch auseinandersprengt.
Erst 2019 in Brüssel, anlässlich einer großen Retrospektive mit Fotografien ihrer toten Freundin, kommt es zu einer Wiederbegegnung. Die Bilder zeigen ihre Geschichte, die zugleich die Geschichte ihres Landes ist, eine intime Rückschau, die sie zwingt, den Vorhang über der Vergangenheit zu heben und eine Vergebung scheint möglich.

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Ich habe vor Jahren viele leichtsinnige und unbeschwerte Stunden hier verbracht. Ich war sogar schon einmal in diesem Gebäude, in diesem angesehenen und angesagten Palast der schönen Künste, Norin hatte mich damals mitgenommen, ich erinnere mich, es war irgendein schräger asiatischer Film, den wir uns gemeinsam angesehen und dabei ständig gekichert hatten, um uns anschließend mit schäumendem belgischem Bier zu betrinken. Meine Erinnerungen an diese Stadt reichen heute noch, um mich von innen heraus zu wärmen, eine kleine Sonne, die ich bei Bedarf jederzeit zum Leuchten bringen kann. Norin und ich haben damals im Keller des Königlichen Museums gearbeitet und waren so stolz, unser Können an diesem vornehmen Ort unter Beweis stellen zu dürfen – man hatte uns Anfängern Ensors Maskenbilder anvertraut, und wir konnten unser Glück kaum fassen. Nach getaner Arbeit verloren wir uns im nächtlichen Treiben dieser umarmenden Stadt, erzählten uns Geschichten und kamen uns schließlich näher. Wie lange ist es her, frage ich mich und bewege mich andächtig durch die noch menschenleeren Räume voller mir so vertrauter Bilder, die an diesem Ort doch so fremd, so anders wirken, dass ich fast eine merkwürdige Eifersucht empfinde, als würde dieser Ort mir meine schmerzlich intime Beziehung zu diesen Fotografien streitig machen, denn in etwas mehr als einer Stunde werden sich die beiden Säle mit einer Schar exklusiver Gäste füllen, eine lange Besucherschlange wird sich bilden, die Auserwählten, die zur Eröffnung geladen sind, werden sich begrüßen und sich aufgeregt in den verschiedensten Sprachen unterhalten, werden georgischen Wein verkosten und Eröffnungsreden über sich ergehen lassen. Und ich werde die zwei Menschen wiedersehen, die mich – neben der toten Fotografin, derentwegen wir uns hier versammeln – am meisten geprägt, zerstört, meine Tage in Glück und Unglück getaucht haben. Zwei Frauen, inzwischen in der Mitte ihres Lebens, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe und die mich doch stets wie Schatten verfolgen, egal, wohin ich gehe.

Ich streife weiter an den Bildern entlang, versuche, keinen wirklichen Blickkontakt mit den Fotos aufzunehmen, um die Gesichter aus meiner Vergangenheit nur flüchtig zu streifen, ihnen zu entwischen, noch hätte ich die Möglichkeit, dem allen zu entgehen, zu fliehen, ja, vielleicht sollte ich tatsächlich auf der Stelle kehrtmachen, vielleicht war es ein Fehler, hierhergekommen zu sein, ein Akt, der mir eindeutig zu viel abverlangt, etwas, das meine Kräfte übersteigt. Das wird doch jeder verstehen, ich kann es Anano erklären, die uns alle hier zusammengerufen hat, die keine Widerrede dulden wollte, mich dazu gebracht hat, in den Flieger nach Brüssel zu steigen, und mir einen VIP-Ausweis organisiert hat, mit dem ich diesen Saal eine Stunde vor der Eröffnung als special guest betreten habe. Die mich am Telefon beschwor: »Du musst kommen. Ihr müsst alle drei kommen, ich akzeptiere keine Ausrede.«

Vielleicht kann ich die Vernissage noch verlassen, das Ganze zurückspulen, denn ich weiß nicht, ob ich alles, was an diesem Abend auf mich zurollt wie eine Lawine, unbeschadet durchstehe. Ich habe so lange um meine Sicherheit gerungen, habe mir mit fast militärischer Disziplin das Gewesene ausgetrieben und gehe nun hier durch diesen Saal, in dem meine Schritte laut nachhallen, durchquere diese überdimensionierten, glanzvollen Räume und versuche mein Bestes, die Erinnerungen, die mich wie hungrige Affen von jeder Seite anspringen, abzuwehren.

Aber bin ich nicht an diesen Ort gekommen, um ihr Vermächtnis zu feiern? Was bedeutet: Ich muss mich ausliefern. Das weiß nicht nur ich, das wissen auch die beiden anderen, und deswegen kommen wir, trotz aller Ressentiments und aller Zweifel, und lassen außer Acht, was hinter uns liegt. Wir sind es ihr und uns schuldig, müssen unser Wiedersehen aushalten – und all die, die einmal bei uns waren. Die uns von den Wänden anstarren und ihren Tribut fordern. Kommen wir deswegen auch allein? Ohne es zu wissen, gehe ich davon aus, dass wir alle drei ohne Begleitung nach Brüssel gereist sind – ohne unsere Partner, ohne Kinder, ohne Freunde, die uns unser Wiedersehen erleichtern könnten.

Aber noch bin nur ich hier, noch habe ich die Möglichkeit zur Flucht. Na, und wenn schon, sollen sich alle über meine Feigheit das Maul zerreißen, was spielt das für eine Rolle, wenn es meine einzige Rettung ist? Aber dann bleibt mein Blick an diesem kleinformatigen Bild in einem schlichten Rahmen unter einer faszinierend dünnen Leuchtröhre haften. Warum hängt diese Fotografie so einsam an einer großen Wand, als wäre sie verwaist? Die anderen Bilder sind, soweit ich es sehen kann, alle in Serien gehängt, aber dies hier bildet eine Ausnahme, und je näher ich an es herantrete, umso deutlicher wird mir seine zentrale Funktion: Es ist die einzige Fotografie, die die Künstlerin zeigt, aber nicht von ihr selbst stammt. Die anderen Fotografien, auf denen man sie abgebildet sieht, sind ausnahmslos Selbstporträts, künstlerisch anspruchsvolle, herausfordernde, bis zur Unerträglichkeit entblößende Aufnahmen, die in einer Art Selbstausbeutung ihr Innerstes nach außen kehren, von denen, da bin ich mir sicher, es hier einige geben wird. Aber bei diesem vergleichsweise kleinen Foto handelt es sich um kein Kunstwerk, es ist nicht einmal unter amateurhaften Aspekten besonders gelungen, aber es hat etwas, das mir einen Schauder über den Rücken jagt und mich einen Augenblick lang dazu bringt, den Atem

anzuhalten.

Die Fotografie zeigt uns alle vier, sie zeigt die Version von uns, der wir entstammen, so etwas wie den Ursprung, das Ei, aus dem wir gemeinsam geschlüpft sind. Wir stehen an der Schwelle des Lebens, am Anfang unserer Freundschaft, die uns alles abverlangen wird, aber wir wissen noch nichts davon, wir kennen das Blatt nicht, das uns das Leben zugeteilt hat, noch hat die Partie nicht begonnen, noch dürfen wir frei sein, noch dürfen wir alles wollen und alles wünschen.

Die Fotografie, die als eine Art Prolog zu dieser Ausstellung fungieren soll, trägt keinen ihrer sonst so einprägsamen Titel, sie ist nur, sehr schlicht, mit dem Ort der Aufnahme und der Jahreszahl versehen: »Tbilissi, 1987«. Ich bleibe wie gebannt stehen, ich kann mich nicht bewegen, und Bilder fangen an, meinen Kopf zu fluten, ich habe keine andere Wahl, ich werde mich fortreißen lassen, es hat keinen Sinn, gegen etwas anzukämpfen, das einer Naturgewalt gleichkommt. Ich bin machtlos, ich bin plötzlich wieder Kind, ich bin wieder die, die mich von diesem Foto anblickt.

Je länger ich mir diesen kleinen schwarzweißen Abzug ansehe, ganz allein für sich in diesem majestätischen Saal, desto sicherer bin ich mir, dass es sich um genau diesen Tag handelt, den Tag unseres Einbruchs in den Botanischen Garten, um diesen besonderen Moment, in dem ich das Glück zum ersten Mal in meinem Leben auf meinen Handinnenflächen und in meinen Kniekehlen, in meinem Bauchnabel und auf meinen Wimpern gespürt habe. Ich wundere mich nur, warum ausgerechnet dieses Foto als symbolischer Auftakt ausgesucht wurde. Anano ist als Schwester der Künstlerin ihre Nachlassverwalterin und zugleich auch die Beraterin dieser Ausstellung, so hat sie es mir vor einem Monat stolz am Telefon erzählt. Sie muss diese Entscheidung getroffen haben. Hat sie von der Besonderheit dieses Tags gewusst? Hat ihre Schwester ihr davon erzählt?

Genauso merkwürdig erscheint mir die Tatsache, dass dieses Foto, wie ich mich jetzt erinnere, in unserer Wohnung aufgenommen worden ist, und zwar von meinem Vater, der eigentlich nie Fotos von uns gemacht hat, der mich und meinen Bruder höchstens mal zu obligatorischen Fotoatelierbesuchen mitnahm. Aber aus irgendeinem Grund hat er uns an diesem Tag alle zusammen in unserer Küche angetroffen und zur Kamera gegriffen. Keineswegs zu der verhassten Leica meiner Mutter, die lag zu dieser Zeit noch in ihrem dunklen Versteck in seinem Zimmer, es könnte vielleicht die alte Lubitel oder die Smena* meiner Großmütter gewesen sein, in der zufällig ein Film eingelegt war.

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