»Weil i mir das nit nachsagn laß!« Mehr war aus ihr nicht herauszuquetschen.
So konnte der Bauer nichts weiter tun, als dastehen wie der gefrorene Jörgl im Märchen, der den mühsam gehobenen Schatz vor seinen Augen versinken sieht, weil er den Zauberspruch nicht kennt, um ihn zu halten. Als die Spitzjuli alle ihre Habseligkeiten zusammengeworfen hatte, faßte sie zweimal je zwei Zipfel des Leintuchs, zog sie mit energischen Griffen zu Knoten, und der Pack lag wanderfertig vor ihr auf dem Boden. Nun schrie sie es unter einem Tränenschwall hervor:
»Die Leut im Dorf sagn, wir zwei hätten’s miteinand!«
Sie streckte wie abwehrend die Hände mit weitgespreizten Fingern gegen den Stumpfl und sah ihn an, als wollte sie ihn mit den Augen spießen. Dann vergrub sie ihr Gesicht tief in die Füllung der Schranktür, so daß ihr sittenstrenger Haarknoten mit dem Pfeil hinten aufstand wie ein Entenbürzel. Nun überkam den Stumpfl jene große Angst, die in den Traumbücheln mit der Nummer 90 bewertet ist; er stand am Scheideweg. Vor seinem geistigen Auge bimmelten herrliche Speckseiten auf endlosen Rauchstangen, volle Schmalztöpfe marschierten in Doppelreihen auf, ein Kartoffelhaufen türmte sich haushoch empor. Und diese Mehrerin seines Reiches sollte ihm nun auf immer verloren sein. All das hätte er am Ende noch verwinden können. Aber der Gedanke, daß diese Arbeitsmaschine sich nun bald auf einem andern Bauernhöfl in Gang setzen würde, ging über Stumpfls Kraft. So sagte er schüchtern: »Juli! Jetz wär einer da, in allen Ehrn!«
Da drehte sich die Juli mit einem kräftigen Ruck herum, lugte mit einem Aug hinter dem vorgehaltenen Zipfel der Schürze hervor und sagte rasch:
»Wo?«
Sie spekulierte mit dem einen grauen Katzenauge die ganze Kammer ab, sah sogar zur Decke hinauf, nur nicht auf den Stumpfl. Bis der mit seinem krummen Arbeitsfinger auf seine Wenigkeit zeigte und mit der andern Hand ein ungefüges Kreuzzeichen machte, was die priester liche Einsegnung versinnbildlichen sollte. So hielt der Stumpflbauer um die überspielte Orgel an. Da ließ die Juli auch vom andern Auge den Schürzenzipfel fallen und tat unsäglich erstaunt:
»Na, so was! Da hätt i mir jetz eher den Tod einbildet!«
Dann machte sie ein ernstes Gesicht und sagte strenge:
»Stumpflbauer, so a Sach kann man nit übers Knie abbrechen; das will guet überlegt sein!«
Das Bäuerlein verbrachte eine unruhige Nacht der Erwartung. Aber bis zum nächsten Tag hatte es sich die Spitzjuli doch zum Günstigen beschlafen und sagte mürrisch genug:
»In Gottsnamen!« Und packte ihre Ausstattung wieder aus dem Leintuch in den Kasten.
Sie brauchte kein Köfferle mehr.
Als die Hochzeit vorüber war, legte die Juli dem Bauer ihre knochige Hand auf die Schulter und sagte bloß: »Thomas, jetz habn mer’s!« Als sie noch Spitzjuli gewesen war, hatte sie im Dienste so viele Monate lang ihre inwendige Wut, an der manche Weibetser immerfort leiden, zurückdrängen müssen; jetzt, als verehelichte Stumpfl, brauchte sie ihrer Natur nicht mehr länger Zwang anzutun.
Das Bäuerlein tröstete sich:
»Kannst nix machen! Angschmiert ist man mit die Weiber allemal, sowie man nur an einer anstreift! Aber sie bringt mein Hof in die Höh!« Schmalz, Speckseiten, Erdäpfel, und heuer kamen noch die Tuchkugeln dazu. Denn was wird die Juli über die langen Winterabende an Garn gesponnen und dem Weber abgeliefert haben!
Da kam so um Michäli herum der Weitenbrunner Bote gefahren und hielt vor dem Stumpflhof.
»Schöne Speckseitn, Schmalz, Erdäpfel hätt i«, sagte er zum Bauern, der vor der Tür auf der Hausbank saß.
»Brauch nix, hab selber zum verkaufn!«
»Oha! Dei Häuserin hat mir aber vorigs Jahr haufenweis abkauft«, murrte der Bote und fuhr kopfschüttelnd weiter.
Der Stumpfl stand mit offenem Munde da; ihm ahnte was. Er hätte gern auf der Stelle seinem Weib den Schlüsselbund abverlangt, aber er überlegte sich’s; denn morgen war Sonntag, und da will man doch mit heilem Gesicht zur Kirche kommen.
Da wollte er lieber warten, bis sie einmal schlief. Und die Gelegenheit ergab sich bald.
Die Stumpflbäurin schlief jetzt oft bis in den hellen Morgen, und jedermann im Hause hütete sich, sie zu wecken.
Das Bäuerlein drehte mit zittrigen Händen den Schlüssel zur Speckkammer um und sah nach oben. Aber sosehr er auch seine Äuglein zusammenkniff und das ganze Kämmerlein abspekulierte, nicht ein einziges Speckseitchen sah er baumeln. Es grinsten ihn nur die nackten Rauchstangen an.
Dem Stumpfl schwamm es vor den Augen. Er lief zum Schmalzkasten und riß die Töpfe heraus. Sie waren alle bodenleer. Nur einer war mit alten, zerrissenen Weiberstrümpfen so vollgestopft, daß es den Deckel hob.
Das Bäuerlein taumelte dem Keller zu. An der Stelle, wo sich dereinst ein Kartoffelberg getürmt, hatte eben eine Ratte ein ganz bescheidentliches Häufchen abgesetzt. In einer finsteren Ecke lag das Bündel Garnspulen, wie es die Juli gebracht hatte, so daß auch von Tuchkugeln nicht weiter die Rede sein konnte. Lange stand der Stumpfl nur so knieschnappend da. Dann sagte er mit wahrhaft ergreifendem Ausdruck vor sich hin:
»Jetz bin i drin!«
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