„Professor Schmid?“
„Lass sein, Hans, wir sind hier unter uns“, unterbrach ich, bevor es noch abenteuerlicher wurde. „Hans ist mein Mitbewohner. Er meint, hier auf der Beerdigung würde er noch etwas über den Tod von Oster herausbekommen.“
„Hey, cool, dann ermittelst du undercover sozusagen?“
„So etwas in der Richtung, ja.“
„Aber was ist mit dem Fuß von Elster, hat er dir etwas gesagt?“ Ich unterbrach die beiden.
„Ausgerutscht. Irgendwo war nicht gestreut und Elster hat sich einen Bänderriss oder so etwas zugezogen. Kompliziert, daher der Gipsverband. Denn eigentlich wird so etwas nicht mehr gegipst. Aber du kennst ja unseren Elster, es muss immer etwas Besonderes sein.“
Das war es also, das war der Grund für die Verzögerung. Elster ist ausgerutscht. Ganz einfach.
„Was hast du denn schon herausbekommen?“ Johann wollte von Hans einen kurzen Bericht.
Hans holte tief Luft.
„Also, Herr Oster war ständig im Büro, hat immer gearbeitet. Hier in Kiel oder in Dresden, wo er eben gerade war. Er war immer auf der Suche nach weiteren Geldgebern für irgendwelche Projekte, meist erfolgreich. Die Arbeit, die er durch solche Knallköpfe wie dich hatte“, damit sah er mich an, „konnte ihn rasend machen. 'Knallköpfe' war übrigens die Formulierung seiner Exfrau, die im Übrigen auch ihm gegenüber recht harte Worte benutzte. Also aus ihrer Sicht war der Professor ständig am Institut und hat gearbeitet. Und nun kommt es. Die meisten Exkollegen von Herrn Oster waren mehr oder weniger der Ansicht, dass er ziemlich wenig am Institut war und überhaupt eher faul. Obwohl seine Beziehungen zur Wirtschaft wohl wirklich gut waren. Aber darauf hat sich Herr Oster wohl mehr oder weniger ausgeruht. So jedenfalls die Meinungen der Kollegen, die ihn schon länger kannten. Vielleicht auch Neid? Der Halbwüchsige dort“, und damit deutete er auf den Stiefsohn, „hat eigentlich soweit die Meinung seiner Mutter gestützt: Herr Oster war kaum zu Hause und hat zumindest vorgegeben, ständig am Institut zu sein. Interessant ist vielleicht noch, dass er Golf gespielt hatte und in letzter Zeit offensichtlich Geldsorgen hatte.“
„Geldsorgen?“
„Ja, so jedenfalls die Aussage vom Halbwüchsigen. Er wollte im letzten Sommer gern noch mal mit der Familienyacht oder Ex-Familienyacht über die Ostsee schippern, ging aber nicht mehr, da sein Ex-Stief-Vater das Schiff verkaufen wollte. Warum, war auch gleich meine Frage. Der Halbwüchsige meinte, dass es Geldsorgen sein müssten, da Oster wohl das Schiff eigentlich liebte und nun, da er häufiger in Kiel war, auch häufiger nutzte. Und ein neues Schiff wollte er sich nicht zulegen.“
Johann pfiff anerkennend.
„Und was meinst du?“, fragte er mich. „Hat Oster nun gearbeitet oder war er faul und zu Hause?“
„Kann ich nicht sagen. Ich habe ihn nur gesehen, wenn er hier war. Dann allerdings war er meist den ganzen Tag an meinem Arbeitsplatz. Und ich in der Bibliothek.“
„Übrigens, noch etwas Interessantes. Herr Oster war vor einiger Zeit noch einmal bei seiner Ex-Familie. Der Halbwüchsige meinte, er suchte etwas in seinen Kisten, die er noch bei denen stehen hat. Er machte wohl einen ziemlich nervösen oder aggressiven Eindruck.“
„Wann war das denn?“
„Das wusste der Halbwüchsige nicht mehr so genau, vor ungefähr einem Monat.“
„Und was hatte er gesucht?“
„Weiß der Halbwüchsige auch nicht. Überhaupt interessiert er sich wenig für seinen Ex-Stief-Vater, war wohl kein allzu harmonisches Vater-Sohn-Gefüge. Nur die Sache mit dem Schiff, da kam er aus seinem Desinteresse etwas heraus. Er wollte wohl mit ein paar Kumpels einen Segeltörn machen und war richtig enttäuscht, dass das nun nicht mehr ging.“
Wir standen im Schnee und mutmaßten noch ein wenig. Derweil Herr Peters wohl die gleichen Dinge vom Halbwüchsigen hörte, die wir schon kannten.
„Hans, wie beiläufig hast du dich mit dem Halbwüchsigen unterhalten? Wird er gleich Peters sagen, dass du ihm auch schon all die Fragen gestellt hast?“
Der Halbwüchsige schaute beim Reden kurz zu uns herüber.
„Ach was, ganz nebenbei, nein, eigentlich haben wir uns über Heavymetal unterhalten. Gut, dass ich früher in meiner Jugend in einer Metal Band gespielt habe.“
„Hast du?“, fragte ich, als Peters gelassen zu uns herüberkam.
„Hört mal, Männer“, er schlug einen jovialen Ton an und schob mit der Stiefelspitze, Cowboy-Stiefel, Schnee zur Seite, bevor er mir scharf in die Augen sah, „ihr haltet euch ab jetzt aus der Sache heraus. Ich habe keine Ahnung, was ihr mit euren Nachforschungen anstellen wollt, aber ihr behindert unter Umständen damit unsere Arbeit. Wir wissen noch nicht, was wirklich vorgefallen ist. Aber sicher ist“, und hierbei senkte er sowohl die Stimme als auch den Kopf mitten in unsere kleine Runde, „Herr Oster ist keines natürlichen Todes gestorben. Da draußen läuft jemand herum, der aus Gründen, die wir noch nicht kennen, in der Lage ist, zu töten.“
Er schaute jedem von uns in die Augen.
„Habe ich mich klar ausgedrückt?“
Wir alle wussten nicht, was wir daraufhin antworten sollten. War es jetzt amtlich? Oder hatte er übertrieben, um uns einzuschüchtern. Johann und Hans machten irgendwelche Geräusche, die wie eine Zustimmung klingen konnten.
„Na ja, wir interessieren uns einfach dafür, was mit meinem Doktorvater passiert ist“, setzte ich an.
„Und damit ist jetzt Schluss. Keine Nachforschungen, keine Fragen mehr. Einfach abwarten. Ist das klar?“
Damit ließ er uns stehen und stapfte durch den Schnee wieder zurück ins Gebäude.
Der Halbwüchsige rauchte. Wie alt war er eigentlich?
„In einer Metal Band also, ja?“
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