Shey Koon - Kinderblutrausch
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Ben krabbelte zu Jo, umarmte ihn, Jo wickelte seinen Rüssel um seinen Arm, in dieser Stellung döste Ben lächelnd vor sich hin. Ich hielt Wache, betrachtete meinen Kleinen, denn es erfreute mich nach wie vor, dass er in meiner Nähe war. Wir hatten in den vergangenen Monaten unglaublich viel erlebt. Ein Abenteuer jagte das nächste. Unsere zugeschnittene Leber erholte sich mehr und mehr, und Ben hatte sich zu einem stattlichen Jugendlichen entwickelt.
Die Zeit flog dahin, ich rauchte noch eine, bevor ich ihn zum Essen weckte. Wir aßen die restlichen Maandazi und tranken den Rest Ingwer-Limonade. Die Elefanten wanderten gemeinsam los, wir folgten ihnen fahrend hinterher. Stunden später rasteten sie, Ben nutzte die Gelegenheit, um die andere Hälfte der Bananenstauden zu verfüttern. Selbstverständlich spannte mein Junge mich ein und so schälte ich Banane um Banane. Als wir endlich die letzte Frucht im Maul von Jo verschwinden sahen, verschwand mittlerweile die Sonne und der Mond erschien grüßend am Himmel.
Ich legte mich auf die harte Ladefläche und schlief vor Erschöpfung auf der Stelle ein. Ben wich seinem Freund nicht mehr von der Seite. Der Schlaf tat gut, kein ekelhafter Alptraum, der mich heimsuchte. Erst gegen frühen Morgen rüttelte Ben mich wach.
„Du liegst auf den Zigaretten. Ich will noch eine rauchen.“
Ich rieb mir die Augen und streckte mich.
„Hast du Lust auf einen Kaffee? Komm wir fahren nach Nyeri, essen etwas und decken uns mit Lebensmittel ein.“
Bens Augen strahlten. „Bedeutet das, wir bleiben noch eine Nacht?“
Ich zwinkerte ihm zu und nickte, zündete uns noch eine an.
„Das wird die letzte sein. Jetzt langt es mit dem Sündigen.“
Ben zuckte mit den Schultern und wir machten uns auf dem Weg. Wir tranken frisch gebrühten Kaffee, kauften uns afrikanische Leckereien und Wasserflaschen, hielten uns nur kurz auf, denn Ben drängte, sein Freund wartete schließlich. Damit der Speiseplan keine Langweile aufbot, besorgte wir nun Rüben und Äpfel. Mein Smartphone läutete.
„Was treiben unsere zwei Reisenden so ganz alleine, fragen wir uns. Mein Prinz, wir vermissen dich, das Bett ist ganz kalt. Wann kommst du zu deinen Luxus-Ladys zurück? Wir brauchen Liebe.“ Eve schnurrte ins Telefon, Melanie kicherte im Hintergrund.
„Morgen Mittag fliegen wir zurück. Dann bin ich nur für euch da. Stellt schon mal den Champagner kalt.“
Ich lachte ins Telefon. Melanie war am anderen Ende.
„Nimmt Ben auch seine Medikamente ein? Ich lege euch übers Knie, wenn er die vergisst.“
Ich versprach meinen Hotties auf ihn aufzupassen. Ich wollte um jeden Preis verhindern, dass meine Krankenschwestern einen Grund hatten, wütend auf uns zu sein. Ich kaufte noch vier Decke und zwei Kissen, denn die kommende Nacht wünschte ich mir weicher gebettet zu verbringen. Mit frischen Tatendrang kehrten wir zurück.
„Guck mal! Dein Dicker rennt wie der größte Tollpatsch auf Erden. Ich find den echt putzig.“
Ben blickte hoch, doch das Lachen verging mir schnell. Jos Ohr blutete fürchterlich.
„Halt an! Halt an!“, forderte Ben mich schreiend auf.
Ich bremste knallhart runter, wir sprangen zeitgleich aus dem Bus und rannten auf Jo zu. Er war aus der Puste, sein Ohr war von drei Kugeln durchschossen worden. Ben küsste ihm auf den Rüssel. Ich packte meinen Jungen.
„Die Wilderer haben zugeschlagen. Wir müssen zu den anderen. Schnell, sie brauchen unsere Hilfe.“
Mit Wut trat ich aufs Gaspedal.
„Nicht Bens Freunde, nicht Bens Freunde.“, raste es mir durch meinen Kopf.
Jo rannte, was das Zeug hielt. Ich sah rot, hörte kein Geräusch mehr, vor mir eine Gruppe Männer, sie waren über einen toten Elefanten gebeugt, einer hackte gegen den großen Schädel, ich hielt direkt auf ihm zu und knallte mit dem Bus gnadenlos gegen seinen Körper. Die Axt flog ihm hohen Bogen davon. Die anderen rannten in Deckung, feuerten mit ihren Maschinengewehren auf uns. Doch wenn es bei mir durchknallte, dann gab ich erst Ruhe, wenn alles um mich herum brannte und jeder blutende Bastard tot vor mir lag. Ich wendete den Bus, rauschte wie in einem schlechten Drogenfilm durch den Wald, drückte aufs Gas und fuhr mit aller Wucht gegen einen Baum, der sich nach vorn bog. Jo und seine Familie trampelten rasend heran, die Männer feuerten, killten zwei weitere Elefanten, ich riss die Tür auf, sprang mit großen Schritten auf einen der Angreifer zu, schlug ihm hart ins Gesicht. Er fiel um, ich trat gegen seinen Kopf, als ob es ein Fußball war. Ich schnappte mir seine Waffe, zerrte sie ihm aus den Händen und knallte ihn ab. Plötzlich pfiffen Schüssen an mir vorbei. Hinter mir hatte mich einer der Verbrecher aufs Korn genommen. Ich drehte mich, Ben stand mit der Axt neben dem Killer und hackte auf seinen Hals ein. Blut spritzte, Ben hieb nochmal zu, der leblose Körper sackte nach vorne. Ben ergriff sich die Waffe und wir scheuchten die Bestien auf und brachten sie Mann für Mann zur Strecke. Erst als sie allesamt blutüberströmt vor mir lagen, besänftige ich mich. Ben lief die acht Leichen ab und verpasste jedem einen Schuss zwischen die Augen.
„Nehmt. Ihr werdet keinen meiner Freunde mehr töten.“
Die überlebenden Elefanten tobten, zerrten die Toten über den steinigen Boden, stampften die Leichen in Grund und Boden. Erst als sie sich abreagiert hatten, kümmerten sie sich um ihre erschossenen Familienangehörigen. Sie stupsten sie an, wie in der Hoffnung, dass sie gleich wieder aufstehen könnten, rollten die Rüssel über ihre tonnenschweren Artgenossen. Jo verabschiedete sich betrübt von seinen geliebten Beschützern. Die Elefanten trauerten mit uns über ihre Toten. Mir zerriss es das Herz. Wir warteten ab bis die Dickhäuter zurück an ihre Wasserstelle trotteten. Wir untersuchten Jos Ohr, doch die Blutung hatte mittlerweile gestoppt, nur drei rissige Löcher blieben zurück.
Nachdem sie ihren Durst gelöscht hatten, verfütterten wir unsere mitgebrachten Gaben, und nicht nur an die Elefanten, es wagten sich auch Waldschweine und schwarz-weiße Affen an die Futtervergabe heran. Ben war ganz in seiner Welt.
Den restlichen Tag und die Nacht über trennte nichts und niemand mehr die beiden. Ich beschäftigte mich mit meinen Gedanken, dachte an meine Ladys, dankte dem Himmel für mein unbeschreibliches Glück. Sah ich doch, dass das Familienglück so zerbrechlich sein konnte, innerhalb einiger Stunden zerstört für alle Ewigkeit. Doch ich hatte nun einmal geschworen, dem Bösen die Stirn zu bieten. Was für ein Glück sollte ich auf dieser Erde finden, solange die Hölle mit ihrem schrecklichen Terror unsere Leben und unsere Träume vergiftete.
Am nächsten Morgen wurde es Zeit für uns aufzubrechen. Ben verabschiedete sich von Jo und seiner Familie. Ein wuchtiger Elefant löste sich von der Gruppe, der, der schon einmal mit seinem Rüssel mein Gesicht abgetastet hatte und stellte sich vor mich hin. Er rückte keinen Meter zur Seite, ich klopfte ihm gegen den Rüssel, als ob eine unsichtbare Macht mich in ihrem Griff hatte. Er beugte sich nach vorne, stupste mich mit dem Kopf, ich tätschelte ihm gegen die Stirn. Es war seine Geste des Dankes.
„Wir besuchen euch, sobald wir den bevorstehenden Auftrag hinter uns haben. Jo, ich bringe alle mit. Ganz fest versprochen.“
Ben drückte seinen Jo, wir setzten uns in den verbeulten Bus, winkten zum Abschied und fuhren zum Flughafen. Mit dem nötigen Scheinen fragte niemand nach dem Unfall. Wir konnten ohne weitere Probleme nach Hause fliegen. Wir sprachen über das grausame Vorgehen der Wilderer und das brutale Geschäft mit den Tieren. Wir erinnerten uns an den Voodoomarkt zurück, an die getrockneten Hufen, die bunten Felle, die Hände und Füße der Affen, die dort feilgeboten wurden.
Meine Ladys erwarteten uns aufgeregt in der Ankunftshalle am Frankfurter Flughafen. Sie stöckelten auf uns zu, küssten mich, zwickten mir kess in den Hintern und busselten meinen Jungen von oben bis unten ab.
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