Florent staunte über die Fähigkeit des Königs, die Ideen anderer zu seinen eigenen Gunsten zu verrechnen, denn der Vorschlag zu dieser List war seiner gewesen.
Sie aßen in aller Ruhe und ritten gemächlich, um den beiden Männern ausreichend Vorsprung zu lassen. Am frühen Nachmittag kamen sie in Cefalú an. Die Wachen am Tor fielen auf die Knie und sahen ihnen mit großen Augen nach. Sie ritten hintereinander und schlugen den direkten Weg zum Haus des Bürgermeisters ein. Federico wies die Eskorte an, sich in den schmalen Nebenstraßen zu verteilen und zu präsentieren. In den engen Gassen der Hafenstadt genügte ein einziger Destrier, um einem Flüchtenden den Weg zu versperren. In dem Gewirr der Straßen ließ sich unmöglich abschätzen, wie viele Ritter in der Stadt waren.
Aus den offenen Fenstern des Ratssaales drang aufgeregtes Stimmengewirr nach draußen. Federico und Florent saßen ab und gingen in das Haus. Niemand bemerkte die beiden Ankömmlinge, sie gelangten ungehindert bis zur Saaltür, die halb offen stand. Die versammelten Barone diskutierten erregt, wie sie ihren Hals retten konnten.
„... und ich sage, wir müssen ihnen entgegenreiten!“, schrie ein dicker Mann, der trotz der Wärme einen blauen Brokatmantel mit Falkenmuster trug.
„Fünfzig gepanzerte Reiter auf freiem Feld? Vergesst es! Wir müssen sie in die Stadt locken“, rief ein anderer. „In den Gassen kriegen wir sie, jeden für sich.“
„Sie werden unsere Häuser plündern!“
„Wir müssen sie überwältigen, bevor sie dazu kommen!“
„Ihr könnt fein reden, Euer Haus liegt weit draußen!“
Der Bürgermeister fuchtelte mit den Armen, wobei sich die goldene Amtskette in seinem Umhang verfing. Er bemühte sich vergeblich, die etwa zwanzig Männer zu beruhigen. „Ruhe! Bei allen Dienern des Herrn! Sie werden hier sein, bevor Ihr Euch einigt!“
Federico und Florent standen im Schatten der schweren, metallbeschlagenen Tür. Der König gab ihr einen kräftigen Tritt und sie flog mit einem dumpfen Knall hinter ihm zu. Alle Köpfe wandten sich um.
„Sie sind schon da“, sagte er laut in die plötzliche Stille hinein und ging zur Mitte des Saales. Florent blieb an der Tür zurück, die Hand am Schwertgriff. Die vor Schreck erstarrten reich gekleideten Männer im Saal erinnerten an eine Szene auf einem Gemälde.
Der König sprach leise, aber deutlich. „Die Stadt ist in unseren Händen. Wer sich jetzt beugt und mir Treue schwört, dem gewähre ich Gnade.“
Der podestà warf gehetzte Blicke in Richtung Tür, doch dort stand Florent, breitbeinig, mit zusammengeschobenen Augenbrauen. Er hoffte, dass er grimmig genug aussah, um zwei Dutzend Männer vom Verlassen des Saales abzuhalten. Zwar trugen sie keine Waffen, doch sollten sie sich einig sein, würden sie ihn überrennen.
Der Dicke im blauen Mantel ging als Erster in die Knie. „Verzeiht, Euer Majestät! Ich habe einen großen Fehler begangen. Ich biete Euch meine Treue und meine Dienste, so wahr mir Gott helfe.“
Damit war der Bann gebrochen. Wie Weizenähren im Sturm brachen die Männer ein und beugten die Knie. Federico ging von einem zum anderen und nahm Treueschwüre ab. Den Bürgermeister hob er sich bis zuletzt auf.
Wie verprügelte Hunde schlichen die Adligen einzeln zur Tür hinaus und verdrückten sich in die Gassen, wo der Anblick der Berittenen ein Übriges tat. Sie ahnten nicht, wie wenig Reiter es waren, die auf dem Stadtpflaster patrouillierten.
Einer von ihnen würde es nie erfahren: Den Bürgermeister ließ Federico am Abend auf dem Marktplatz von Cefalú enthaupten.
Als der Mann um sein Leben flehte und an das Gnadenversprechen des Königs erinnerte, entgegnete Federico: „Für Euch bedeutet Gnade, zu dieser Stunde schnell und ohne Qualen sterben zu dürfen.“
Am nächsten Morgen ritten sie ohne Umschweife nach Palermo zurück. Das Geschehene würde sich herumsprechen, Gerüchte waren schneller als die Pfeile eines Bogenschützen. Nur zwei Tage nach ihrer Rückkehr trafen Boten aus Catania ein, die von der Ergebenheit der dortigen Aufständischen berichteten und ihre Treueschwüre auf Schriftrollen überreichten.
„Das Glück ist auf meiner Seite“, triumphierte Federico.
Berard sprach aus, was Florent dachte: „Gebe Gott, dass es so bleibt!“
„Dann betet dafür!“, entgegnete der König scharf. „Das ist doch Eure Aufgabe, oder nicht?“
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.