Johannes W. Schottmann - Belarus (2004)
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Wie er später von ihr hörte, hatte es sich der Kater auf der Fensterbank im Erker gemütlich gemacht, um in der Sonne den Ausblick auf die Straße zu genießen.
Als der Notarzt kam, ging es Michael eigentlich schon besser. Das schweißtreibende Bad hatte geholfen. Dennoch bekam er eine schmerzstillende Spritze. Und die dringende Ermahnung, einen Urologen aufzusuchen.
13 - Die Grube
Er scheute und hielt sich ganz links. Auf Abstand zu den Gestalten auf seiner Rechten bedacht, stieg er beklommen mit zögernden Schritten die Stufen hinunter. Ohne hinzuschauen, spürte er den Sog des schweigenden Abstiegs, wo einer dem anderen folgen musste.
Marthe stand unten. Sie hatte die Inschriften bereits gelesen und erwartete ihn. Er mochte nicht reden und wandte sich ab. Er wollte nicht riskieren, dass seine Augen feuchter würden.
Schamlos war es - das wusste er - dass er nun seinen Fotoapparat zückte, um sie zu knipsen: die Prozession der Todgeweihten. Er schluckte, wischte die Augen frei und hielt sich an, die Gestalten einzeln zu fassen.
Die erste dieser ausgemergelten Gestalten, fast schon angekommen auf der letzten Ebene, war ein Mann, der sein Gesicht - gefasst? - zum Himmel richtete, die Arme vor der Brust verschränkt. Von vorn kaum zu sehen, drängte sich ein Kind an ihn, lehnte den kleinen Kopf gegen seinen Rücken. Gleich. Gleich würde er diesem Kind keinen Schutz mehr bieten können. Gleich würde ein Gewehrkolben ihn ins Genick treffen und der nächste Schlag schon das Kind niederstrecken. Und wenn es wimmerte. Vielleicht würde sich einer aus der Reihe darüber werfen. Und.
Einige der Folgenden wirkten ängstlich, andere klagend. Ein Mann, etwas seitwärts aus der Reihe stehend, legte schützend seine Hand über den gewölbten Bauch seiner Frau.
Keiner derjenigen, die hier herabsteigen, abgemagert bis auf die Knochen, keiner wird mehr entkommen. Sie wissen es. Und es scheint nicht Feigheit, dass keiner aufbegehrt. Was sie erlebt haben, die schönen vergangenen Zeiten wie die schrecklichen Jahre, ihre unterschiedliche Herkunft, ihre verschiedenen Lebenswege, ihre guten und ihre schlechten Taten - alles liegt hinter ihnen. Jetzt unterstehen sie alle dem einen Los, demselben Schicksal. Gemeinsam steigen sie hinab in die Fluten des Untergangs. Ohne Aussicht, dass sich das Meer noch einmal teilen würde.
Vielleicht würden sie, unten angekommen, hingestürzt, versuchen, noch ein letztes Mal zu beten. Die Schüsse würden ihre Erlösung sein.
Michael wandte sich um und versuchte vergeblich, die kyrillischen Zeichen der Tafel zu entziffern. Dann bemerkte er zu seinem Befremden, dass es eine deutsche Version gab.
„Am 8. und 18. 11. 1941 wurden - vom deutschen NS-Staat befohlen - mehr als dreizehnhundertfünfzig Juden aus Hamburg in das Getto von Minsk deportiert. Die meisten wurden noch …“
Was heißt das schon : vom deutschen Staat befohlen? Willige Helfer waren sie, schäbige Gestalten, die sich später verstecken würden hinter Befehlen - Befehle, die nichts anderes waren als erwünschte Freibriefe.
Hier konnten sie erschlagen und erschießen, konnten sich austoben, bis sich nichts mehr regte.
Michael!
Simone, die Reiseleiterin, rief die Gruppe zusammen. Er war der Letzte hier unten. Simone rief noch einmal, ungeduldig. Noch ein Foto, dann stieg er langsam nach oben.
Er konnte die Grube wieder verlassen - wie damals die Mörder...
Fast entronnen, blieb er auf einer der obersten Treppenstufen stehen und gewahrte erst jetzt die letzte Gestalt in der Reihe der Todgeweihten: einen Geigenspieler, wie einem Gemälde von Chagall entstiegen, munter den Bogen schwingend…
Marthe erwartete ihn mit verständigem Lächeln. Er drehte sich noch einmal um und schaute auf die Parkbäume, die sich um die kraterartige Vertiefung der Gedenkstätte drängten und sie abschirmten. Gegenüber, gleich hinter den Bäumen, ragte eine hohe graue Häuserfront im typischen Plattenbaustil gleichgültig in den Himmel.
Simone schob sich zwischen sie. Sie hakte sich bei ihnen unter und verkündete: Jetzt geht’s zum Mittag und danach zu Fuß in die deutsche Botschaft. Diskussion mit Dissidenten.
14 - Noch einmal der schwierige Abend
Als er die Tür zu Wilmas Wohnung geöffnet und im Flur Licht eingeschaltet hatte, wurde ihm schlagartig klar, was ihm hier noch an Arbeit bevorstand. Die Wohnung musste komplett geräumt werden. Das hatte er bisher vor sich her geschoben - jetzt war es unausweichlich und musste angepackt werden. Er hatte Helga gesagt, allein der Gedanke, sich mit diesem ganzen Krimskrams auseinander setzen zu müssen, mache ihn schwach; vielleicht solle man alles unbesehen wegwerfen, von einer Entrümpelungs-Firma beseitigen lassen. Andererseits: Könne man das verantworten? Immerhin wären einige Möbelstücke durchaus etwas wert, auch wenn er keine Verwendung für sie hätte. Helga hatte sich bereit erklärt, das Vertiko zu übernehmen. Sie könnten morgen versuchen, es auf den Dachgepäckträger zu schnallen.
Was erwartete ihn noch? Eine Menge Besteck, Porzellan, Kristallgläser - wem sollte er das vermachen? Er fragte Helga, ob sie einige Teile übernehmen würde. Sie wich aus, und er ahnte: das war jetzt die falsche Frage.
Und was steckte alles in den Schränken und Schubladen? Das Wohnzimmer hatte er grob gesichtet. Er ging ins hintere Zimmer, das früher einmal sein eigenes gewesen war. Sein alter Schreibtisch stand zwar noch vorm Fenster, aber Wilma hatte den Raum als Abstellkammer für Wäscheständer, Bügelbrett, diverse Kartons und Ähnliches benutzt. Vor einigen Tagen hatte Michael in dem schweren Eichenschrank hinter der Tür auf dem obersten Bord eine Reihe von Fotoalben entdeckt. Nach den Anekdötchen und Erzählungen, die er vorhin beim Leichenschmaus gehört hatte, wollte er jetzt nachsehen, ob noch Bilder aus seiner Kindheit zu finden wären, vielleicht sogar aus der Zeit, in der sie öfter auf dem Dorf zu Besuch waren.
Er zog zwei dicke Alben herunter und trug sie ins Wohnzimmer.
Helga saß in sich gekehrt in einem Sessel. Wartete sie auf eine Aussprache? Die würde schon kommen. Michael setzte sich mit Abstand über Eck zu ihr und schlug den ersten Band auf. Den anderen schob er Helga hin, die aber keine Anstalten machte, ihn anzusehen. Er fand Aufnahmen aus Wilmas Kindheit - einige davon meinte er früher schon einmal gesehen zu haben. Er zeigte sie Helga. Es waren sehr kleine, manchmal fast winzige Bildchen, natürlich in schwarz-weiß, alle noch mit dem damals üblichen gezackten Weißrand. Immer wieder Wilmas großer Bruder, ein junger kräftiger Arier mit vierschrötigem Gesicht, der später für ihn zu einer Art Hassfigur geworden war. Helga schaute zwar hin, wenn er auf ein Bild wies und etwas dazu erläuterte, aber sie sagte nichts. Ihr verschlossenes Gesicht wirkte durch das zu beiden Seiten glatt herabhängende Haar noch schmaler als sonst.
Er legte die Fotos beiseite und holte tief Luft. Wie du siehst, erklärte er, gibt es hier jede Menge zu tun. Er merkte, dass er auch damit nicht den richtigen Ton getroffen hatte. Nach einer Verlegenheitspause, in der er Geräusche aus der Wohnung unter ihnen wahrnahm - der alte Herr hatte vermutlich sein Hörgerät aus- und seinen Fernseher lauter gestellt - machte er einen neuen Anlauf: Er glaube, dass er es seiner Mutter, die sie heute beigesetzt hätten, schuldig sei, die Wohnung, die jahrzehntelang ihr Zuhause gewesen sei…
Helga unterbrach ihn: Lass deine Mutter aus dem Spiel - die hat dich sonst auch nicht gekümmert!
Michael wollte protestieren, aber im Grunde wusste er, dass sie recht hatte. Wenn sie bei Wilma zu Besuch waren, hatte vor allem Helga die Unterhaltung bestritten, während er sich zurückhielt und manchmal sogar kurz vor dem Einnicken war. Kaum, dass er seine Mutter auch mal allein besucht hätte.
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