Auf kleiner Flamme / Stufe wird die Würze nun für 15--30 Minuten gekocht, wobei man darauf achten sollte, daß einem der ganze Kram nicht überkocht (also Umrühren, ein gutes Auge auf den Inhalt haben und nicht zuviel Feuer geben! ;-) Auch das ist wieder eine Desinfektionsmaßnahme.
Achtung! - Vergessen Sie nicht, ständig umzurühren, da die Würze sonst leicht anbrennt.
Füll den Gäreimer mit klarem, kaltem Wasser. Insgesamt soll der Gäreimer später mit 18--22 Liter mit kaltem Wasser gefüllt sein, je nachdem, ob man ein stärkeres oder ein schwächeres Bier haben möchte. Der heisse Topfinhalt wird nun in das kalte Wasser im Gäreimer gegossen. Rühre dabei gut um. Solltest Du ein stärkeres Bier bevorzugen, gib weniger Wasser zu. Der Eimer wird leicht abgedeckt (z. B. durch loses Auflegen des Deckels) und abgekühlt (z. B. in einem Kaltwasserbad in der Wäschewanne und durch Abkühlen auf dem Balkon bei kühlen Außentemperaturen).
Über die Rechtmäßigkeit dieses Schritts (das "brutale" Abkühlen der Würze in kaltem Wasser) streiten sich die Autoren, mein Bier hat trotzdem sehr gut geschmeckt, und wir wollen ja ein einfaches Bier brauen, oder?
Wenn die Temperatur der Flüssigkeit ( Würze) unter 24 °C gefallen ist (nach ca. 30--40 Minuten), gib die Hefe (Yeast) dazu und rühre kräftig mit einem desinfizierten Kochlöffel um. Für Vollbier sollte die Würze 11-12 % Stammwürze bei 20 ° C haben. Das lässt sich mit der Bierspindel messen, ist aber, wenn nach Anleitung gebraut wird, nicht notwendig.
Das wars! Der erste (und bei weitem aufwendigste) Schritt zum eigenen Bier ist getan.
Bedecke nun den Gäreimer mit einem Deckel. Achte darauf, daß der Deckel lose aufliegt und nicht luftdicht abschließt. Stell den Eimer an einen warmen Platz, die Temperatur sollte zwischen 18 - 21 ° C liegen. Du kannst den Gäreimer ruhig im Wohnbereich aufstellen, da von dem Gärvorgang keine starken, unangenehmen Gerüche ausgehen. Die Gärtemperatur ist sehr wichtig für den Gärprozeß. Je wärmer der Aufbewahrungsort ist, desto unreiner vollzieht sich die Gärung. Resultat ist ein unan-genehmer Nachgeschmack. Lagern sie die Würze allerdings zu kalt, kann die gesamte Würze verderben. Halten Sie sich bezüglich der Temperatur in jedem Fall an die Angaben auf der Anleitung.
Innerhalb der nächsten 48 Stunden wird die Gärung sehr stark einsetzen und es formen sich Schaumberge (der sogenannte "Kräusen") mit kleinen braunen Punkten auf der Oberfläche.Diese Punkte bedeuten nicht, daß etwas mit Ihrem Bier nicht stimmt, sondern sind völlig natürlich. Der Kräusen sinkt dann später ins Bier zurück, sobald die Gärung an Intensität nachläßt. Allerdings sollte man der Neugierde widerstehen und nicht zu oft in den Eimer schauen (also den Deckel anheben), um das Infektionsrisiko durch Bakterien oder wilde Hefe in der Luft möglichst klein zu halten.
Wenn du das Bier nur einmal gären lässt, wird empfohlen, die braunen Punkte abzuschöpfen. Bei zwei Gärungen ist das nicht nötig.
3 bis 5 Tage nachdem Du die Hefe zugegeben hast, wird die Gärung rapide abnehmen (in diesem Stadium wird sich das spezifische Gewicht im Bereich 5 - 6 % befinden).
Den Fortschritt der Gärung kannst Du an dem Aufsteigen der CO²-Bläschen am Gärröhrchen beobachten. Steigen keine Bläschen, bzw. nur noch sehr wenige auf, ist die Gärung abgeschlossen. Eine weitere Möglichkeit den Gärprozesses zu bewerten, ist die Verwendung einer Bierspindel.
Wenn Du eine Bierspindel benutzt, entnimmst Du Würze und füllst damit den Standzylinder, (Gerätschaften vorher mit STEROPUR desinfizieren). Dabei ist zu beachten, dass die Kohlensäure aus der Würze durch schütteln entfernt wird, da sonst das Messergebnis verfälscht wird. Am besten prüfst Du nach ca. 3 Tagen den Stand morgens und abends. Zeigt sich keine Veränderung mehr, so kannst Du das Bier am darauffolgenden Tag abfüllen.
Die zweite Gärung kann auch ausgelassen werden und statt dessen kann das Jungbier nach 5-7 Tagen gleich in Flaschen abgefüllt werden. Dazu muß zur Bildung von Kohlensäure (Nachgärung) in jede Flasche, vor dem Abfüllen, ein halber Teelöffel Trockenmalz oder Haushaltszucker dazu gegeben werden. Die zweite Reifezeit beeinflusst die Geschmacksbildung. Also ruhig mal verschiedene Wege ausprobieren!
Nach ca. 3 bis 4 Tagen sollte man das Bier vom ersten Gäreimer in den zweiten umfüllen (zu Deutsch "Abziehen", auf Englisch auch "Racking" genannt), um die Verunreinigung des Bieres mit toter Hefe oder auch bitteren Stoffen gering zu halten. Haben Sie keinen zweiten Eimer, so schließen Sie den benutzten luftdicht ab und versehen ihn mit einem Gärröhrchen. Trockenhopfen: Zur Verfeinerung des Hopfenaromas können Sie nun ca. 10 g. Aromahopfen in einem sterilisierten Stoffbeutel zugeben.
Das Abziehen erreichen wir mit der selben Methode, mit der man auch Benzin aus Nachbars Auto klaut: Dem Schlauchsyphon.
In diesem Schritt benötigen wir:
• ca 1,5 Meter sauberen Plastikschlauch (gibts im Fachgeschäft für ca 60 Pfennig / Meter)
• Gärventil+Gummiverschluß
• den zweiten Gäreimer
• Desinfektionsmittel Chempro SDP
• Kleines Auffanggefäß (Schale oder ähnliches)
Auch hier wird nach bereits bekanntem Schema vorgegangen:
Zunächst wird der zweite Gäreimer desinfiziert (also wieder mit kaltem Wasser aufgefüllt bis an den Rand und 5 TL Chempro SDP zugegeben). Alle weiteren benötigten Teile werden in den mit der Lösung gefüllten Eimer gelegt und somit ebenfalls desinfiziert.
Während die Lösung für 20--30 Minuten einwirkt, kochen wir etwas Wasser ab (zum Auffüllen des Gärventils) und holen den ersten Gäreimer mit dem Jungbier aus seiner stillen Ecke, um ihn auf einen etwas erhöhten Ort zu stellen, von dem aus wir das Bier umfüllen können (bei mir war das daß Klo im Badezimmer, aber ein stabiler Stuhl oder Küchentisch tut's natürlich auch ;-)
Nun spülen wir den desinfizierten Gäreimer mit kaltem Wasser aus und stellen ihn unterhalb des mit Bier gefüllten Gäreimers auf, also z. B. auf den Fußboden. Danach öffnen wir den vollen ersten Gäreimer (nicht erschrecken, es stinkt und sieht wirklich fürchterlich aus!) Der saubere Schlauch wird nun blasenfrei mit Leitungswasser aufgefüllt und die beiden Enden mit den sauberen Daumen fest verschlossen. Keine Angst, es geht nur um Bier!
Jetzt geben wir das obere Ende des Schlauches schnell ins Bier, senken das untere Ende in ein bereitgestelltes Gefäß (z.B. Schale) und starten die Bierpipeline, indem wir den anderen Daumen vom unteren Schlauchende nehmen. Nachdem das Wasser aus dem Schlauch in das Auffanggefäß geflossen ist und Bier kommt, wird der zweite Eimer damit aufgefüllt. Dabei ist darauf zu achten, das es nicht platscht und plätschert, sondern das Bier ruhig und ohne viel Tamtam in den zweiten Eimer kommt.
Das Bier sollte immer aus der Mitte des Flüssigkeitsstandes geholt werden, damit nicht die Bitterstoffe von der Oberfläche und auch nicht die Sedimente aus dem unteren Bereich des ersten Gäreimers mit abgezogen werden. Die letzten 3--4 Zentimeter Flüssigkeit lassen wir weg, dieser Verlust belohnt uns mit einem wohlschmeckenden Bier.
Der zweite Eimer mit dem umgefüllten Bier wird nun mit Hilfe des Deckels fest verschlossen, der Gummistopfen mit dem Gärventil eingesteckt und dieses bis mindestens zur ersten Kugel des Gärventils mit abgekochtem Wasser gefüllt. Der Eimer wird nun für 7--10 Tage an einen ruhigen, warmen Ort gestellt (ebenfalls 19--21 Grad). Ich hatte zunächst hektische Aktivität im Gärventil erwartet (also Blubbern, Blasen, etc.), aber nichts dergleichen fand statt. Keine Sorge, das scheint normal zu sein! ;-)
Den ersten Gäreimer sollte man so bald wie möglich gründlich mit klarem Wasser ausspülen, um sich beim nächsten Bier nicht mit festgesetzten Sedimenten herumschlagen zu müssen.
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