Der Autor schildert sehr realistisch die unterschiedlichen Stationen auf seinem Weg sowie Faktoren, die ihn sowohl in der Entwicklung des „Burnouts“ als auch der Genesung begleitet und beeinflusst haben. Es sind nicht nur die eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen, sondern gerade auch die Rahmenbedingungen und die Interaktionen mit anderen, die unser Fühlen, Denken und Handeln beeinflussen und Einfluss nehmen können auf die Entwicklung psychischer Erkrankungen. Im Rahmen der Therapie müssen wir zunächst erfassen, „was eigentlich los ist“, welches Krankheitsbild wir haben, warum wir es haben und wie es sich entwickelt hat. Es geht dabei um Selbsterkenntnis und Akzeptanz, im weiteren Verlauf auch um die Festlegung neuer Ziele („Wer bin ich, wie soll ich meinen weiteren Weg gestalten?“) sowie um die konkrete praktische Umsetzung der Erkenntnisse. Und bei dieser Umsetzung ist es oftmals von besonderer Bedeutung, das Umfeld, das in die therapeutischen Einzelgespräche meist nur indirekt involviert ist, miteinzubeziehen und so auch dessen Unterstützung zu erhalten.
Der Autor ist ein sehr schönes Beispiel für einen Menschen, der unter einer zunehmenden „Burnout“-Symptomatik litt, dies für sich erkannte und akzeptierte und der schließlich die Offenheit, die Bereitschaft und den Mut aufbrachte, therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen und sich auf eine Therapie einzulassen. Hierdurch hat er selbst wesentlich zur Überwindung der Krise sowie zur Wiedererlangung seiner Gesundheit und Lebensqualität beigetragen. Mit der Schilderung seiner persönlichen Erfahrungen möchte er anderen Betroffenen sowie Angehörigen Hilfestellung geben, ihnen Informationen vermitteln und Mut machen.
Ich hoffe, dass dieses Buch möglichst viele Leser zum Nachdenken und zu weiteren Diskussionen über das Thema „Burnout“ sowie über psychische Erkrankungen anregen wird. Auch wenn es eine von allen akzeptierte Definition des Begriffs „Burnout“ wohl nie geben wird und stets unterschiedliche Meinungen zum Krankheitsbild und zu den Therapieansätzen existieren werden, so ist aus meiner Sicht von besonderer Bedeutung, über dieses Thema im Gespräch zu bleiben, es ernst zu nehmen und Betroffene bestmöglich zu unterstützen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Freunde und Spannung beim Lesen sowie fruchtbare Diskussionen darüber. Allen Betroffenen, die dieses Buch lesen, wünsche ich, dass sie hier wertvolle Hinweise und Anregungen finden und gegebenenfalls therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen werden. Und dem Autor und seiner Familie schließlich wünsche ich einen glücklichen weiteren Lebensweg und viel Erfolg mit diesem Buch.
Dr. Thomas Schell
Heidelberg, Juli 2014
"Das Buch ist, wie ich finde, ein sehr gelungener Abschluss und gleichzeitig ein großartiger Neubeginn für Sie. Es ist auch für mich als Ihre damalige Therapeutin, eine neue und spannende Erfahrung, die Wirkung von Therapie und insbesondere meiner Worte aus Patientensicht lesen zu können, ein wertvoller Wissenszuwachs. Sie finden meines Erachtens die richtigen Worte und schreiben vielen anderen Mitmenschen sicher aus voller Seele."
(K. M. aus J., Psychotherapeutin)
1.2) Einleitung: Warum schreibe ich dieses Buch?
Ich bin ein einfacher Mensch. Einer von Euch.
Einer, der ein Burnout hinter sich hat.
Ich habe eine sehr liebe- und verständnisvolle Frau und die beiden besten Mädels der Welt (für mich) sind meine Kinder.
Ich bin 53 Jahre alt und spreche 3 Sprachen, 82kg, 1,79m groß, graue Haare, halbe Glatze, 2 schiefe Zähne, kein Sixpack.
Ich rauche nicht und achte im Allgemeinen auf meine Ernährung.
Ich verreise gerne mit der Familie.
Ich bin 2x Marathon gelaufen und habe Krampfadern an der linken Wade.
Ich war in Deutsch nie ein Überflieger. Ich habe in der Schule die Lektüren immer auf den letzten Drücker gelesen.
Ich bin Maschinenbauer, ein Techniker, kein Schriftsteller.
Ich plane lager- und fördertechnische Anlagen und nehme sie in Betrieb.
Ich halte Präsentationen, leite Projektgespräche, erstelle Ausschreibungsunterlagen und vergleiche Angebote.
Ich mache mit meinem Beruf manchmal Menschen arbeitslos, trage aber auch zur Wettbewerbsfähigkeit der Firma bei und erhalte dadurch Arbeitsplätze. Wenn wir eine neue Niederlassung bauen schaffen wir auch welche.
Ich habe einen großen Freundeskreis und sehr gute Kollegen. Das Arbeitsklima und Verhältnis zum Chef waren und sind sehr gut.
Ich habe mit meiner Frau zusammen die Urne von meiner Mutter selbst beerdigt.
Ich lese kaum Bücher, ich sammle nur Micky Maus (für die Kinder natürlich).
Ich habe alle Warnzeichen vor dem Burnout ignoriert (es gab genug).
Ich war im Krankenhaus wegen Burnout und massiven Herzproblemen, 9 Monate arbeitsunfähig und 7 Wochen in Reha.
Ich kann vielleicht gut zuhören und mich in andere Menschen hineinversetzen und mitfühlen. Aber ich leide nicht mehr mit. Das ist alles.
Ich habe gerade die schwerste Zeit meines Lebens hinter mir.
Warumbelaste ich mich mit einem Buch?
Warumdurchlebe ich im Kopf die letzten 3 Jahre noch einmal?
Warummache ich diesen Seelenstriptease?
Warumnutze ich diese Zeit nicht für mich und die Familie?
Warumliege ich nicht einfach in der Sonne oder gehe in die Sauna oder ins Kino mit meiner Frau und den Kindern?
Weilich in dieser Zeit vor, während und nach meinem Burnout verdammt viele Erfahrungen gemacht habe und sehr viel gelernt habe.
Weilsich mein Leben geändert und verbessert hat.
Weildieses Buch auch mir hilft, Dinge zu Ende zu bringen und komplett abzuschließen.
Weilich in der Reha und danach auch Menschen kennengelernt habe, denen es genauso geht oder schlimmer.
Weilich gemerkt habe, dass es unheimlich gut tut wenn da einer ist, der sagen kann, ich verstehe dich, habe ich auch durchgemacht, mir ging es damals so oder ähnlich…
Weilich meine Erfahrung weitergeben und damit helfen will.
Weilich glaube, dass ich damit einem Teil von Euch zumindest ein bisschen Mut machen kann.
Weildieses Buch eine Warnung sein soll, die Notsignale des Körpers ernst zu nehmen, um nicht seine Gesundheit lebenslang oder sein Leben überhaupt auf´s Spiel zu setzen.
Weilich nicht will, dass diese ganze Zeit und meine Erfahrungen umsonst waren und verstauben und keinem anderen helfen.
Weilein Professor im Studium mal zu mir gesagt hat (nachdem ich eine Klausur versemmelt hatte): „Herr Dietrich, nutzen Sie in ihrem Leben alle Ressourcen, wenn sie ein Problem haben oder weiter kommen wollen.“ Ich sehe diese Zeit als „Ressource“, in der ich Erfahrungen gemacht habe, die ich sonst nie hätte machen können. Ich hatte ein Heer von Schutzengeln. Also versuche ich was draus zu machen. Ein Teil davon ist dieses Buch.
Weilich den Mut habe von meinen Gefühlen zu erzählen.
Weilich keine Angst habe von mir zu erzählen, wenn ich anderen vielleicht damit helfen kann, auch wenn mich hinterher der eine oder andere vielleicht als Weichei betrachtet.
Weilich gemerkt habe wie sehr es mir geholfen hat auf Verständnis und Unterstützung zu stoßen.
Weilich weiß, dass es da draußen noch verdammt viele von meiner Sorte gibt. Bei fast jedem neuen Projekt lerne ich wieder Menschen kennen, denen es genauso ging oder die in einer ähnlichen Phase sind.
Weilich weiß, dass manche verzweifelt sind und sich im Leben nichts mehr zutrauen.
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