Apropos abgehalten! Ben hoffte sehr, dass Derek Rosalie nicht von ihrer Arbeit abgehalten hatte, nur um ihr eine Kante ans Bein zu labern. Er überlegte kurz, ob das Wohnzimmer sauber gewesen war, als er es gerade durchquert hatte. Sogar sehr sauber! stellte er fest. Viel sauberer, als sonst!
Dann endlich fand er seine Stimme. "Rosalie!" rief er in einer Mischung aus Überraschung und Tadel. Sie ist zum Arbeiten hier, nicht zum Tratschen.
Es dauerte einen Augenblick, bis die beiden, die so sehr in ihr Gespräch vertieft waren und sich dabei direkt ansahen, dass sie Riley noch gar nicht wahrgenommen hatten, auf seine Stimme reagierten und fast gleichzeitig ihre Köpfe zu ihm umwandten.
Doch während Derek ihn mit einem breiten Lächeln vollkommen tiefenentspannt mit einem "Ben!" begrüßte, war Rosalie sichtlich erschrocken und schien sich irgendwie ertappt zu fühlen. Ihr "Mr. Riley!" klang dann auch eher nervös und unsicher, während sie sich augenblicklich aus dem Sitz erhob.
Bevor Ben etwas erwidern konnte, sah Foreman sie irritiert und scheinbar amüsiert an. "Du nennst ihn Mr. Riley ?"
"Wieso?" brummte Ben und trat zu ihnen. "Wie nennt sie dich denn?" Seine Stimme klang irgendwie gereizt. Vor seinem inneren Auge sah er seine gute Laune gerade vom Pier ablegen und davon segeln.
Jetzt blickte Foreman ihn belustigt an. "Derek!" erwiderte er mit großen Augen.
Na klar, was denn auch sonst? dachte Riley verbittert. Derek, der Charmeur und Frauenversteher! "Was ist denn an Mr. Riley auszusetzen?"
"Ist schon gut, Derek!" meinte Rosalie und warf Ben einen nervösen Blick zu, während sie sich daranmachte, den Tisch aufzuräumen. " Mr. Riley ist vollkommen in Ordnung!"
Doch Foreman beachtete sie gar nicht. "Nichts!" Er sah Riley direkt an. "Ich finde es nur ein wenig diskriminierend!"
"Diskriminierend?" rief Ben überrascht . Spinnst du? "Wieso das denn?"
"Weil ich denke, dass du Rosalie nur beim Vornamen nennst, weil sie deine Bedienstete ist!"
Ist sie ja auch!
"Und sie dich Mr. Riley nennen muss, weil du ihr Boss bist!"
Verdammt genau, so ist es! Probleme damit? "Ja, und?"
Jetzt lachte Derek heiser auf. "Du nutzt ihre Abhängigkeit zu dir aus!"
"Ich…?" Rileys Augenbrauen sanken herab. Vor seinem inneren Auge konnte er seine gute Laune noch am Horizont erkennen, wie sie mitten in ein Orkantief schipperte. "Aber, das ist doch Quatsch!" Etwas in Ben wehrte sich dagegen, seine gute Laune ziehen zu lassen, klammerte sich an sie, wie eine Bisamratte und trieb sie immer weiter vom dem Wirbelsturm weg. "Sie kann mich doch nennen, wie sie will!" Wenn es denn wirklich sein muss?
"Hör bitte auf, Derek!" hob Rosalie plötzlich an und sah Foreman mit ernster Miene an. "Es macht mir nichts aus, dass Mr. Riley mich Rosalie nennt!" Sie sah Riley an und lächelte. "Ich mag das sogar!" Sie wandte ihren Blick wieder zu Foreman. "Aber für mich ist und bleibt er Mr. Riley!" Sie wartete, bis Derek sie ansah. "Das mag ich nämlich auch!" Ein kurzes Lächeln, dann ein leicht verschämter Blick.
Der entging Ben nicht und er war sichtlich erstaunt, wenngleich er sich äußerlich nichts anmerken ließ. Rosalie ist ein schüchternes, devotes, folgsames Mädchen , stellte er zufrieden fest. Und hat bestimmt eine total schmutzige Fantasie! Sie erinnerte ihn sofort an Sophia. Zumindest was die Fantasie anging, nicht etwa die devote Haltung. Natürlich nicht! Allerdings war Sophia die deutlich hübschere und attraktivere Person, wenngleich das nicht hieß, dass Rosalie nicht auch ihre Vorzüge hatte. Doch Ben war stets ein Mann gewesen, bei dem das Auge immer eine große Rolle spielte. Rosalie war auch hübsch und ihr Körper, Ben erinnerte sich, dass sie wohl Mitte Dreißig war, war wohlgeformt und scheinbar noch recht fest, doch steckte er in abgewetzten, teilweise fleckigen Allerweltsklamotten - graues T-Shirt, Jeanshose - und wirkte daher auf ihn nicht sonderlich begehrenswert. Vielleicht, wenn sie in ein hübsches Kleid gehüllt und ordentlich frisiert und geschminkt wäre…?
"Da siehst du es!" meinte Ben zufrieden und grinste Derek an. "Rosalie hat nichts dagegen! Also pup hier nicht rum und sei friedlich!"
Foreman sah man seine Gedanken im ersten Moment nicht an, dann aber lächelte er breit. "Na gut, wenn das so ist!" Er nickte. "Dann macht, was ihr wollt!" Er lachte leise auf.
"Apropos: Macht, was ich wollt!" Ben sah Rosalie an. "Bist du mit deiner Arbeit schon fertig?"
Ihre Reaktion hatte Riley dann jedoch nicht erwartet. "Ich...!" Sie wurde augenblicklich wieder nervös. "…ähm…!" Sie blickte hilfesuchend zu Derek.
Wusste ich es doch! Derek hat sie abgelenkt und jetzt schafft sie ihre Arbeit nicht mehr! Na Bravo! Danke Derek!
"Es ist alles erledigt!" rief Foreman jedoch mit einem breiten Grinsen. "Die Wohnung glänzt und strahlt wie ein Diamant!"
"Okay!" Riley nickte. "Und warum kann mir Rosalie das nicht selber sagen?" Er sah sie fragend an.
"Weil…!" Rosalie war weiterhin nervös und verunsichert. Ihr Lächeln wirkte gequält. "…ich das nicht gemacht habe, sondern…!"
"Ach was!" rief Derek jedoch mit einem Lacher dazwischen. "Wir haben das zusammen gemacht!"
Ben legte die Stirn in Falten. " Was gemacht?"
"Die Wohnung sauber!" erklärte Derek. "Als ich zurückkam, war Rosalie gerade dabei, hier mächtig zu wirbeln…!" Er lächelte die Haushälterin an und zwinkerte ihr zu. "Also hätte ich mich nur in mein Zimmer verkriechen können…!" Er verzog die Mundwinkel. "…oder gehen! Beides wollte ich nicht, also habe ich kurzerhand mitgeholfen. Die Wohnung ist echt groß!" Er wirkte beeindruckt. "Nicht wahr, Rosalie?"
Die Haushälterin lächelte verhalten. "Ja, das ist sie!"
"Und dann habt ihr beide sie auf Vordermann gebracht!?" Er sah Derek, dann Rosalie fragend an.
Derek nickte, Rosalie wirkte zunächst unsicher, doch als Foreman sie aufmunternd anlächelte, nickte auch sie. "Ja, so war es!" sagte sie und atmete tief durch.
"Und am Ende habt ihr dann noch Zeit für ein Schwätzchen gehabt?"
Beide nickten und kicherten leise.
"Na, dann sind ja wohl alle glücklich, was?" Außer mir natürlich! Wie immer!
"Klar!" bestätigte Derek. "Aber das ist noch nicht alles!"
Was denn noch? "Was denn noch?"
"Wir haben uns nebenbei auch noch ums Essen gekümmert!" Er deutete auf die Anrichte auf der anderen Seite der Küche, wo Ben jetzt etliche Schüsseln erkennen konnte.
Er hatte große Mühe, seine innere Freude zu verbergen. "Okay!" sagte er mit ausdrucksloser Miene und einem Nicken.
"Was hältst du davon, wenn du dich in Ruhe frischmachen gehst und wir in der Zwischenzeit das Abendessen zubereiten?"
Ben zögerte etwas. "Klingt gut!"
"Na dann!" Derek legte eine Hand auf seine Schulter und schob ihn förmlich aus dem Raum. "Bis später!"
Als Riley sicher war, dass Rosalie sie nicht mehr hören konnte, meinte er leise. "Du sagst immer wir !" Er sah Foreman direkt an. "Soll das etwas heißen, dass…?"
Derek nickte. "Ja!" bestätigte er. "Ich habe sie eingeladen! Ich finde sie sehr sympathisch und sie hat mir bei den Vorbereitungen echt prima geholfen!" Er sah, dass Ben offensichtlich nicht ganz überzeugt war. "Na los!" Er stupste ihn an. "Gib dir einen Ruck. Das wird bestimmt spaßig!"
Ben überlegte kurz. Die Aussicht auf ein leckeres Essen wog schwerer, als die Tatsache, dass mit Rosalie jetzt fast Massenandrang am Esstisch herrschen würde. "Alles klar! Ich geh mich umziehen!" Er wandte sich ab. Plötzlich fiel ihm etwas ein. "Ach übrigens: Was gibt es denn?"
Foreman lächelte erst, dann grinste er geheimnisvoll. "Kein Spoiler!" Er schüttelte den Kopf. "Lass dich einfach überraschen!"
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